VfR Seebergen/Rautendorf

Nico Cuber: Der Retter in der Schießbude

VfR-Torhüter Nico Cuber flogen die Bälle zuletzt nur so um die Ohren. Der eigentliche Feldspieler verhinderte dabei allerdings sogar oftmals noch eine höhere Anzahl an Einschlägen im Netz.
27.11.2020, 15:16
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Von Reiner Tienken
Nico Cuber: Der Retter in der Schießbude

Retter in höchster Not: Seebergens Keeper Nico Cuber hat sein Team schon mehrfach vor höheren Niederlagen bewahrt.

Sandra Brockmann

Seebergen. Dem VfR Seebergen/Rautendorf fehlte es in der Herbstserie an Maurermeistern, um in der Fußball-Kreisliga Osterholz Beton anzurühren. 33 Gegentore in den sieben Spielen bis zur Saisonunterbrechung untermauern dies eindrucksvoll. Torhüter Nico Cuber flogen die Bälle nur so um die Ohren. Der eigentliche Feldspieler verhinderte dabei sogar noch eine höhere Anzahl an Einschlägen im Netz.

Seit x-Monaten hält der VfR Seebergen/Rautendorf Ausschau nach einem etatmäßigen Schlussmann. Die Zeiten, in denen Holger Lohmann und Thomas Mross für den 1958 gegründeten Verein als Torhüter von Niveau den Bällen erfolgreich hinterher hechteten, sind längst vorbei. Nico Cuber genießt auf der Schlüsselposition seit mehr als einem Jahr das Vertrauen des Trainergespanns Olaf Tscherner/Michael Lohmann. Mangels Auswahl erklärte sich der ausgebildete Feldspieler bereit, den Part zwischen den Pfosten zu übernehmen. Der Einzelhandelskaufmann stellt sich so in den Dienst der Mannschaft. „Ich helfe dem Verein, wo ich kann“, ist es für Nico Cuber eine Ehre, auch diese derzeit undankbare Aufgabe auszufüllen.

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Cuber milderte durch seine Bereitschaft, das Gehäuse zu hüten, das Kardinalproblem etwas ab. Mit Kevin Nagel wechselte ein gelernter Torhüter in der Sommer-Transferperiode vom VfR Seebergen/Rautendorf zum 1. FC Osterholz-Scharmbeck II. In sechs der sieben Punktspielen bis zur Saisonunterbrechung nahm Cuber den Platz zwischen den Pfosten ein. Zur Saisoneröffnung fehlte der Aushilfsmann im Tor (Urlaub). Frederik Gleich half da als Stellvertreter mit, den 4:1-Erfolg bei Barisspor zu sichern. Für Nico Cuber ist es allerdings beileibe keine Qual, den Platz in der Schießbude der Kreisliga Osterholz einzunehmen. „Es macht mir Spaß. Mit meinen 36 Jahren brauche ich in der Klasse nicht mehr im Feld zu spielen“, ist der Hobby-Kicker auch unter erschwerten Bedingungen Feuer und Flamme für sein Team.

Der Berufskaufmann lief in der Vergangenheit im Kreisgebiet auch schon für den SV Hüttenbusch und die TSG Wörpedorf II auf. Auch als auserkorener Torhüter hat der Wahl-Seeberger so seine Stärken. „Ich bin ein Elfmeterkiller“, verweist Nico Cuber darauf, so manchen Strafstoß entschärft zu haben. Vor Jahren binnen weniger Minuten übrigens mal zwei Elfmeter der TSG Wörpedorf-Grasberg-Eickedorf. In der laufenden Saison machte Nico Cuber einen Foulelfmeter von Ritterhudes Tim Grahl unschädlich. Bjarne Schnakenberg (TSG Wörpedorf-Grasberg-Eickedorf) setzte zudem einen Foulelfmeter an die Latte des von Nico Cuber gehüteten VfR-Tores. Die Ruhe zu bewahren sowie das Reaktionsvermögen auf der Linie sieht der VfR-Torwart als seine weiteren Stärken an.

Die Fülle an Gegentreffern beruht für die aktuelle Nummer eins auch auf Tempodefizite. „Unsere Abwehr ist nicht stabil genug, ab und zu etwas langsam. Individuelle Fehler haben zu den vielen Gegentoren geführt“, erklärt Nico Cuber das Scheibenschießen gegen den Aufsteiger. Der ehemalige Spieler des Lelkendorfer SV (Mecklenburg-Vorpommern) lernte mit einem Achillessehnenriss auch schon die Schattenseiten von König Fußball kennen. „Der VfR Seebergen/Rautendorf ist wie eine Familie“, fühlt sich der 36-jährige Schlussmann sichtlich wohl beim Verein aus einem Randbereich des Kreises Osterholz.

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Für den Trainer ist der Stellvertreter zwischen den Pfosten unschuldig daran, dass es im Kasten der Blau-Weißen so oft klingelte. „Um Gottes Willen. Wenn Nico Cuber nicht gewesen wäre, hätten wir noch mehr Gegentore kassiert. Nico ist für mich ein großer Rückhalt“, bekannte Olaf Tscherner. Cuber untermauerte die Worte seines Trainers erst im letzten Punktspiel (1:4 gegen TSV Dannenberg), als er mehrfach noch bravourös Nachlässigkeiten seiner Vorderleute ausbügelte. Das Abwehrverhalten fängt für den VfR-Übungsleiter vorne an. „Wir können das Problem der vielen Gegentore nicht einfach auf die Außen- und Innenverteidigung abwälzen“, stellte Olaf Tscherner heraus.

Der Trainer machte in mehreren Partien neben Abstimmungs- auch Motivationsprobleme aus. „Es entstehen hinten zu große Lücken. Die Einstellung war gegen Wörpedorf und in Lilienthal mehr als peinlich“, redete der Coach Klartext. Nach einem Krisengespräch kehrte, so Olaf Tscherner, inzwischen Besserung ein. Mit Blick auf das Frühjahr bastelt der Coach daran, der Defensive mehr Halt zu geben. Tjark Lohmann ist auf die Dauer ein heißer Kandidat für eine Position in der Innenverteidigung. Probleme am Sprunggelenk kosteten dem flinken Allrounder in der Herbstserie mehrere Einsätze. Die Torwarthandschuhe dürfte allem Anschein nach auch nach der Winterpause Nico Cuber überziehen. „Hut ab. Er ist von der Abwehr allein gelassen worden“, besteht für Olaf Tscherner kein Grund, seinem Aushilfskeeper die Flut an Gegentreffern anzukreiden.

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