Bremer zahlt für Alkoholfahrt

Verdächtiges Geld im Auto verstreut

Eine Alkoholfahrt , die mit Widerstand gegen die Polizei endete, ist einem Bremer teuer zu stehen bekommen. Er wurde zu einer Geldstrafe verurteilt. Unklar blieb, woher das im Auto verstreute Geld stammte.
13.06.2021, 17:00
Lesedauer: 2 Min
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Verdächtiges Geld im Auto verstreut
Von Peter von Döllen
Verdächtiges Geld im Auto verstreut
Arne Dedert

Osterholz-Scharmbeck Das ist für einen heute 40-jährigen Bremer Mitte Januar 2019 dumm gelaufen. Die Polizei schnappte ihn auf der Teufelsmoorstraße mit fast 2,6 Promille Blutalkoholgehalt, dazu ohne Fahrerlaubnis und das noch in einem Auto, das ihm nicht gehörte. Darüber hinaus war der Bremer bei der Kontrolle nicht nur freundlich zu den Beamten. Ein Schlüsselbund und Tritte sollen gegen sie zum Einsatz gekommen sein.

Darum wurde auf schriftlichen Antrag der Staatsanwaltschaft vom Amtsgericht gegen ihn ein Strafbefehl erlassen. Entschieden worden ist nach Aktenlage unter Zugrundelegung des Antrags der Staatsanwaltschaft auf eine Geldstrafe von 140 Tagessätzen zu 20 Euro, 2800 Euro. Die Strafe hatte der Bremer auch akzeptiert.

1600 Euro in der Geldbörse

Doch bei dem Vorfall gab es einen Haken: In seinem Portemonnaie befanden sich 1600 Euro, außerdem enthielt ein bei sich geführter Briefumschlag Geld und im Auto verstreut lagen ebenfalls Geldscheine, insgesamt 5600 Euro. Dieses Geld zog die Polizei ein, beziehungsweise das Gericht ordnete im Nachhinein seine Einziehung an. Denn es lag der Verdacht nahe, dass die insgesamt gut 7200 Euro aus kriminellen Geschäften stammten.

Dies heißt in der Sprache der Juristen die „Einziehung des Wertersatzes“. Gemeint ist der Wert beziehungsweise die gezahlte Summe für zum Beispiel ein gestohlenes Auto oder Einnahmen aus Drogengeschäften. Was auch als „Einziehung des Wertes von Taterträgen“, und zwar krimineller Natur, bezeichnet wird.

Allerdings wollte der 40-Jährige die 1600 Euro zurück haben. Das war seiner Auffassung nach das Geld, das ihm gehört. Deshalb hatte er mit seinem Rechtsanwalt Matthias Koch gegen die sogenannte Einziehungsanordnung, also gegen den Einzug der 7200 Euro, Einspruch eingelegt. Die Begründung war, dass ihm ein Teil des Geldes nicht gehörte, die 1600 Euro in seinem Portemonnaie aber rechtschaffen erworben worden waren.  So kam es zur Hauptverhandlung.

Dort hielt Strafrichterin Johanna Kopischke dem Bremer dessen Aussagen bei der Polizei auf der Wache vor. Demnach habe er gesagt, das Geld sei von Gott, er habe es auf der Straße gefunden, er habe es einfach gehabt. Ins Spiel gebracht hatte er damals auch einen Freund, der ihm das Geld überlassen habe, um ein Auto zu kaufen.

Kein Cannabis gefunden

1600 Euro ist ein Betrag, den kann man bei sich haben“, gab der Staatsanwalt zu bedenken. Strafrichterin Kopischke merkte weiter an, dass zum Beispiel keine Spuren von Betäubungsmitteln wie Kokain oder Cannabis im Auto entdeckt worden seien. Das schränke zumindest ein, dass das Geld aus unlauteren Geschäften stamme.

Verteidiger Koch hob hervor, dass sein Mandant zum Zeitpunkt der Kontrolle einfach zu viel Alkohol getrunken habe. Der Anwalt bedauerte dabei, dass der Freund des Bremers und Eigentümer des Fahrzeugs „noch nicht mal angehört worden ist“. Insofern blieb noch offen, wem die 5600 Euro gehörten. Offiziell hat bis jetzt niemand Ansprüche gestellt.

Für die Richterin stand fest, dass die 1600 Euro nicht aus Straftaten stammten. „Es ist kein Diebesgut und es sind keine Betäubungsmittel gefunden worden.“ Insofern erging das Urteil, den Strafbefehl abzuändern, so dass die Einziehungsanordnung der 1600 Euro entfällt und aufgehoben wird.

Koch und sein Mandant nahmen das Urteil an. Die Staatsanwaltschaft hat eine Woche Zeit, Rechtsmittel einzulegen.

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