Amtsgericht folgt Zeugenaussagen Unfallflucht: Blumenthalerin büßt mit Geldstrafe

Die Angeklagte wollte bei der Ausfahrt vom Parkplatz nicht bemerkt haben, dass sie dabei ein Fahrzeug rammte, was wiederum Zeugenaussagen nahelegten. Trotzdem wurde sie zu einer Geldstrafe verurteilt.
19.01.2022, 23:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Michael Schön

Osterholz-Scharmbeck/Schwanewede. Zu einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu 15 Euro ist eine 69-jährige Blumenthalerin verurteilt worden, die sich jetzt wegen unerlaubten Entfernens vom Unfallort vor dem Amtsgericht zu verantworten hatte. Sie hatte  Ende April des vergangenen Jahres mit ihrem Pkw bei einem Parkmanöver  ein abgestelltes Fahrzeug gerammt. Geschehen am Scharmbecker Weg in Schwanewede-Brundorf, am frühen Nachmittag. Der Sachschaden belief sich auf fast 4000 Euro.  

Krampf im Fuß

Nach ihrer Aussage hat sie von dem Vorfall nichts mitbekommen. Sie habe bei der Ausfahrt vom Parkplatz einen Krampf im Fuß bekommen, sei deshalb in die Parklücke zurückgefahren, ausgestiegen und dann hin- und hergelaufen, so die Angeklagte. Nachdem sich der Krampf gelöst habe, sei sie ins Auto gestiegen und mit ihrem Mann zurück nach Hause, nach Blumenthal gefahren.

Von Polizei überrascht

Dass dann dort plötzlich zwei Polizisten vor der Tür, darüber sei sie erstaunt gewesen. „Wenn ich das mitbekommen hätte, wäre ich dageblieben“, versicherte die Nordbremerin. Um die Rechtschaffenheit der Angeklagten zu unterstreichen, verwies Verteidiger Oliver Berger darauf, dass seine Mandantin und jetzige Rentnerin in ihrem Berufsleben als Anwaltsgehilfin gearbeitet habe. Insofern habe sie es auch mit Verkehrsrecht zu tun gehabt, so Berger. „Ich weiß deshalb, dass so etwas Konsequenzen hat“, bestätigte die bisher nicht strafrechtlich in Erscheinung getretene Rentnerin die Ausführungen des Verteidigers.

Drei Zeugen hatte das Gericht geladen, unter anderem den Ehemann der Fahrerin, der indes von seinem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch machte. Zwei Spaziergänger, ein 33-jähriger Kölner und der mit ihm befreundete 30-jährige Bremer, hatten allerdings nach eigenen Angaben den Zusammenstoß aus 100 Meter Entfernung beobachtet und entsprechende Geräusche wahrgenommen.

Freie Sicht

„Da war so ein Knacken“, erinnerte sich der 33-Jährige. Weil ihr eigener Wagen in der Nähe des Blumenthaler Autos gestanden habe, seien sie darauf zugegangen. „Schäden waren auffällige an beiden Autos vorhanden.“ Fahrer und Fahrerin könne er nicht beschreiben. „Da waren nur zwei Personen im Auto. Die eine Person hat zu uns hingeguckt.“ Und dann sei diese Person zum anderen Fahrzeug hingegangen. „Aus meiner Sicht war es ein Mann.“ Aber es falle ihm schwer, das mit letzter Sicherheit zu sagen. Der Bremer  bestätigte die Aussagen des Kölner Zeugen. „Das hat man gehört. Da war ein Krachen. Die Person ist ziemlich zielstrebig gegangen.“ Auch habe man freie Sicht gehabt. „Da waren keine Personen zwischen uns.“ Damit widersprachen die beiden Zeugen den Angaben der Angeklagten, sich mehrfach hin- und her bewegt zu haben, um ihren Krampf loszuwerden.

Keine Führerschein-Sperrfrist

Der Staatsanwalt beantragte eine Geldstrafe von 40 Tagessätzen zu 15 Euro, also 600 Euro. Außerdem sei die Fahrerlaubnis für sechs Monate einzuziehen. Rechtsanwalt Berger dagegen wollte auf einen Freispruch hinaus. Er ging von „keiner erwiesenen Straftat“ aus. Strafrichterin Johanna Kopischke verurteilte die 69-Jährige wegen unerlaubten Entfernens vom Unfallort zu einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu 15 Euro, also 450 Euro. Von einer Sperrfrist für den Führerschein sah sie ab. „Ich folge dem, was beide Zeugen gesagt haben. Ich habe nicht den Eindruck, dass sich beide abgesprochen haben", erklärte die Richterin. 

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