Osterholz-Scharmbecker vor Gericht Angeklagter leugnet vehement

Prozess vor dem Landgericht: 42-Jähriger aus Osterholz-Scharmbeck soll im August 2018 seine Partnerin und deren Tochter geschlagen haben.
20.02.2019, 22:37
Lesedauer: 2 Min
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Von Angelika Siepmann

Verden/Osterholz-Scharmbeck. Er soll seiner Partnerin Faustschläge versetzt und sie mit einem Verlängerungskabel nicht nur heftig geschlagen, sondern auch gewürgt haben, bis sie keine Luft mehr bekam. Die zu Hilfe geeilte 14-jährige Tochter soll ebenfalls einen Faustschlag ins Gesicht erhalten haben. Doch was der 42-Jährige am späten Abend des 20. August 2018 in Osterholz-Scharmbeck alles getan haben soll, hat er jetzt vor dem Landgericht Verden vehement bestritten.

Der aus Kasachstan stammende Mann, der lange in Stralsund lebte und erst im vergangenen Mai in die Kreisstadt gezogen ist, muss sich vor der 3. großen Strafkammer (Jugendschutzkammer) des Landgerichts Verden vor allem wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten. Er war noch in jener Nacht in Polizeigewahrsam genommen worden und befindet sich seither in Untersuchungshaft. Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft komplettieren zwei Fälle von Beleidigung: Auf der Polizeidienststelle soll er sich sowohl gegenüber den diensthabenden Beamten als auch dem zwecks Abnahme einer Blutprobe erschienenen Arzt extrem unflätig geäußert haben.

Doch diese verbalen Ausfälle des offenkundig ohnehin wortstarken Mannes interessieren im Prozess nur ganz am Rande. In erster Linie geht es um die Gewalttätigkeiten gegen die heute 38-jährige Frau und eine ihrer Töchter. Dass es sich bei der 14-Jährigen auch um die Tochter des Angeklagten handelt, war dem Vernehmen nach bis dato keineswegs sicher. Die Frau bestätigte dies aber nach einigem Zögern. Ein offizielles Paar sollen der 42-Jährige und das mutmaßliche Opfer nie gewesen sein. Der Mann lebte seit dem Frühjahr angeblich als alter Freund mit in der Wohnung der dreifachen Mutter, die zwei gescheiterte Ehen hinter sich hat.

Der Vorsitzende Richter redete dem Angeklagten zum Prozessauftakt intensiv ins Gewissen. Vorrangiges Ziel: der 14-Jährigen und deren Schwester, die als Augenzeugin gilt, durch ein frühzeitiges Geständnis eine gerichtliche Vernehmung zu ersparen. Dies könne sich auch zu seinen Gunsten auswirken. Richter Lars Engelke machte dabei unmissverständlich klar: „Die Beweislage ist erdrückend.“ Es gebe eine Fülle von belastenden Aussagen, Fotos von den Verletzungen und überhaupt „ganz viele objektive Beweismittel“. Er könne nur raten, die Taten einzuräumen.

Aber alles schien am Angeklagten abzuprallen. Nach gewährter Beratungspause teilte sein Verteidiger Jochen Zersin (Verden) knapp mit: „Er möchte seine Sicht der Dinge darstellen.“ Diese Sicht richtet sich in keiner Weise auf etwaiges eigenes Verschulden. Er habe nichts Unrechtes getan. Von wem die ganzen Vorwürfe überhaupt stammten? Und warum er die Frau und die Tochter überhaupt habe schlagen sollen? „Ich war doch als Gast, als Freund da.“ Wahrscheinlich verwechsle die Frau da was. Das Ganze habe ihr wohl der schlimme Ex-Mann angetan.

Doch sie habe nichts verwechselt, sagte die 38-jährige Nebenklägerin. An der Seite ihres Anwalts und einer Dolmetscherin schilderte sie aus ihrer Erinnerung, sichtlich und hörbar sehr angespannt, was sich zugetragen hat („Es fällt mir so schwer“). Man habe an dem Abend etwas Alkohol konsumiert. Einem sich anbahnenden Streit habe sie aus dem Weg gehen wollen und sich in ihr Zimmer zurückgezogen. Plötzlich sei der Mann „reingestürmt“ und habe sie angegriffen. Mit dem Kabel habe er sie „wahllos am ganzen Körper geschlagen“, es ihr dann um den Hals gelegt. Auf Nachfrage sagte sie, ja, sie habe Todesangst gehabt. „Ich hatte das Gefühl, dass er das mit voller Kraft macht.“ Der Prozess wird am 5. März fortgesetzt.

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