Tag des Jugendhandballs

Aus Liebe zum Handballsport

Handball-Höhepunkte sind mittlerweile ziemlich rar gesät in der Kreisstadt. Umso beachtlicher ist das, was am morgigen Sonntag in der Kreissporthalle vonstattengehen wird.
07.12.2019, 09:37
Lesedauer: 5 Min
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Aus Liebe zum Handballsport
Von Tobias Dohr

Osterholz-Scharmbeck. Manchmal ist das gar nicht so einfach mit einer Leidenschaft. Vor allem, wenn man diese nicht mit der großen Masse teilt. So geht es auch Filip Gojowsky und Dominik Koppenstein. Dabei haben die zwei Handballer des VSK Osterholz-Scharmbeck doch so viele gute Argumente für ihre Leidenschaft. Beispielsweise diese beeindruckende Fairness dem Gegenspieler und dem Schiedsrichter gegenüber, wie sie im Handballsport bis in die Bundesliga hinauf üblich ist. Das Unterlassen von Unsportlichkeiten, Fouls werden nicht geschunden, übertriebene Schauspielerei sofort geahndet – sogar von den eigenen Mitspielern.

„Wenn das beim Training jemand bei uns probiert, dann kriegt er sofort die passende Antwort“, verrät Dominik Koppenstein grinsend. „Bist du etwa ein Fußballer?“ Diesen Spruch müssen sich jene Akteure gefallen lassen, die nach einem normalen und vielleicht auch mal etwas schmerzhaften Zweikampf länger am Boden liegen bleiben als vertretbar. Und trotz dieser so schlagkräftigen Argumente für ihre Leidenschaft, den Handballsport, weiß Dominik Koppenstein: „Der Fußball überlagert alles.“

Leuchtende Ausnahme

Jene Dominanz macht es schwerer denn je für die Handballsparten der Vereine. Davon können sie auch beim VSK Osterholz-Scharmbeck ein Lied singen, wobei man sogar festhalten muss: Bei den Kreisstädtern gab es in den vergangenen Jahren sogar eine leuchtende Ausnahme. Eine Mannschaft, die über mehrere Jahre bewiesen hat, dass der Handballsport eben doch noch funktioniert bei den Jugendlichen. Verantwortlich dafür war in erster Linie der Vater von Filip, nämlich Sascha Gojowsky. Im Jahr 2013 stieg dieser bei den D-Junioren des VSK ein, zunächst an der Seite von Birgit Spalek. Ein Jahr später, im Sommer 2014, übernahm Gojowsky – selbst 30 Jahre lang Handballer – die Mannschaft dann komplett. Seitdem hat er es geschafft, sowohl in der Mannschaft als auch in der Elternschaft eine riesige Begeisterung zu wecken. Der sportliche Erfolg ließ nicht lange auf sich warten. Zweimal in Folge holte der VSK die Vize-Meisterschaft in der Bremen-Liga. Erst in der C-Jugend mit Co-Trainer Yannick Vrampe, vergangene Saison dann auch in der B-Jugend.

Da sich das Team aber aus insgesamt drei Jahrgängen zusammensetzt, hätte der VSK zur aktuellen Saison eine A-Jugend melden müssen, damit auch alle Akteure weiterhin für die Kreisstädter auflaufen können. „Das hätte aber mit Blick auf die Konkurrenz keinen Sinn gemacht“, erklärt Sascha Gojowsky, der sich dieser Problematik früh bewusst war und stattdessen nach anderen Wegen suchte.

Deshalb nahm der VSK-Coach Kontakt zur HSG Schwanewede/Neuenkirchen auf und fragte dort an, ob ein paar seiner Spieler dort mit einer Gastspielerlaubnis zusätzlich auflaufen könnten. Das geht beim Handball sogar in derselben Altersklasse, sofern der Gastverein in einer höheren Liga spielt. So soll den Akteuren die Chance geboten werden, höherklassig Erfahrungen zu sammeln. Bereits in der vergangenen Saison machten einige VSK-Akteure, unter ihnen auch Filip Gojowsky und Dominik Koppenstein, davon Gebrauch – mit einschlagendem Erfolg. Seit dieser Saison nun gehen die VSK-Akteure ausschließlich für die HSG Schwanewede/Neuenkirchen auf Torejagd, allerdings noch immer per Gastspielerlaubnis und als Vereinsmitglieder des VSK Osterholz-Scharmbeck.

Wichtige Nähe zum Verein

Dominik Koppenstein (Jahrgang 2003) hat mit der B-Jugend der HSG nur knapp die Oberliga verpasst, Filip Gojowsky (2002) läuft in der A-Jugend-Landesliga Nord auf. Sascha Gojowsky ist mittlerweile ebenfalls als Trainer bei den A-Junioren eingestiegen und unterstützt dort Achim Huckschlag. Dennoch ist dem Osterholz-Scharmbecker die Verbindung zum VSK wichtig: „Die Jungs sind alle hier groß geworden, die örtliche Nähe zum Verein war immer ein wichtiger Punkt.“ Aus diesem Grund hat sich Sascha Gojowsky von Anfang an dafür stark gemacht, auch ein paar Heimspiele der HSG-Nachwuchsteams nach Osterholz-Scharmbeck zu holen (siehe nebenstehender Text).

Dreimal die Woche trainieren die Teams, einmal davon auch in der Kreissporthalle Osterholz-Scharmbeck. Auch da spielten Eltern und Trainer beider Vereine von Anfang an mit. „Die Zusammenarbeit mit der HSG war von Anfang an vorbildlich, aber wir müssen eben auch zusammenarbeiten, um den Handballsport zu bewahren“, sagt Sascha Gojowsky, der weiß, dass am Ende meist nicht die Begeisterung der Kinder fehlt, sondern die der Erwachsenen: „Es gibt einfach zu wenig Trainer“, so Gojowsky, dessen eigener Sohn übrigens ebenfalls schon die Trainerlaufbahn eingeschlagen hat und die männliche D-Jugend des VSK trainiert. Diese ist die einzige reine VSK-Mannschaft, die in dieser Saison noch am Spielbetrieb teilnimmt.

Filip Gojowsky und Dominik Koppenstein haben die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass sie irgendwann noch mal gemeinsam für den VSK Osterholz-Scharmbeck auflaufen werden. Bis es so weit ist, fühlen sie sich bei der HSG Schwanewede/Neuenkirchen pudelwohl – und auch heimisch. Übrigens: So ganz freimachen können sich auch die zwei Werder-Fans natürlich nicht vom großen Fußball. Auf der Playstation wird – wie bei den meisten Gleichaltrigen auch – FIFA 20 gezockt, im Fernsehen wird ebenfalls gerne dem rollenden Ball zugeschaut. Wobei Dominik Koppenstein eine ganz klare Priorität hat: „Wenn das Finale der Fußball-WM zeitgleich zu dem der Handball-WM laufen würde, dann würde ich zu 100 Prozent das Handball-Finale schauen.“ Ganz so klar wäre die Entscheidung bei seinem Kumpel nicht: „Ich würde dann wohl beides parallel auf Fernseher und Handy schauen“, sagt Filip Gojowsky und fügt dann hinzu: „Aber das Handball-Finale würde auf jeden Fall auf dem großen Bildschirm laufen.“

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Zur Sache

Jugendhandballtag mit vier Spielen am Stück

Am Sonntag ist es soweit: Im Rahmen der Kooperation des VSK Osterholz-Scharmbeck mit der HSG Schwanewede/Neuenkirchen finden zwei Heimspiele der B- und A-Jugend in Osterholz-Scharmbeck statt. Und damit sich der Aufwand auch lohnt, hat Organisator Sascha Gojowsky gleich noch zwei Spiele dazugeholt und den Tag in der Kreissporthalle in der Loger Straße somit gleich mal zum „großen Osterholzer Jugendhandballtag“ erkoren. Um 11 Uhr startet die weibliche E-Jugend, die gemeinsam mit der HSG Lesum/St. Magnus als Jugendspielgemeinschaft VSK/LeMa gegen Werder Bremen III antritt. Um 12.20 Uhr wird die Partie der VSK-D-Jugend gegen die HSG Stedingen angepfiffen. Um 14 Uhr beginnt dann das Spiel der HSG Schwanewede/Neuenkirchen gegen Arbergen-Mahndorf. Mit Frietjof Wesseler, Johann Stehnke, Wladimir Schartner und Milan Yildirim sind dann auch vier VSK-Akteure mit dabei. Zum Abschluss folgt dann die A-Jugend-Landesliga-Paarung HSG Schwanewede/Neuenkirchen (mit den VSK-Spielern Filip Gojowsky, Fynn Groothedde und Steven Prigge) gegen HSG Lesum/St. Magnus.

Als besonderes Highlight werden die Spiele der B- und A-Junioren von Jan-Peter Lemke als Hallensprecher begleitet. Der Vater von Nationalspieler Finn Lemke war bereits als Bundesliga-Hallensprecher aktiv und dürfte dem Jugendhandballtag einen besonderen Rahmen verleihen. „Das macht schon Spaß, wenn nach den Toren Musik eingespielt und dein Name verkündet wird“, sagt Filip Gojowsky. Der Eintritt zu dem Event ist frei, in der Halle werden Klatschpappen verteilt und ein großes Büfett aufgebaut. Für die Pausen der B- und A-Jugendspiele haben die VSK-Leistungsturnerinnen zudem eine eigene Show einstudiert. „Wir sind sehr dankbar über die Hilfe der Eltern und Sponsoren und freuen uns über jeden Zuschauer“, sagt Sascha Gojowsky.

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