Carl-von-Ossietzky-Medaille Auszeichnung für Leyla Imret

Die in Osterholz-Scharmbeck aufgewachsene Leyla Imret ist von der Internationalen Liga für Menschenrechte mit der Carl-von-Ossietzky-Medaille ausgezeichnet worden.
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Von Michael Schön

Osterholz-Scharmbeck. Das Kuratorium der Internationalen Liga für Menschenrechte hat beschlossen, die in Osterholz-Scharmbeck aufgewachsene kurdische Kommunalpolitikerin Leyla Imret aus Cizre (Türkei) für ihre Zivilcourage und ihren Einsatz bei der Verwirklichung der Menschenrechte mit der Carl-von-Ossietzky-Medaille 2018 auszuzeichnen. Mit herausragendem Engagement, heißt es in der Laudatio dazu, habe sich die Auszuzeichnende für die Rechte benachteiligter Menschen eingesetzt und den Blick der Öffentlichkeit auf die soziale und politische Ausgrenzung von Menschen gelenkt.

Für die kurdische BDP (Partei des Friedens und der Demokratie), die mit der HDP Wahlbündnisse eingegangen war, kandidierte Imret 2014 für das Bürgermeisteramt ihrer Heimatstadt Cizre und wurde mit 83 Prozent gewählt. In ihrem Amt setzte sie sich für Wiederaufbau, Gleichberechtigung und menschenwürdige Bedingungen in der unter den Kriegsfolgen leidenden Stadt ein. Nach den Parlamentswahlen 2015 und dem Wiederaufflammen des türkisch-kurdischen Konfliktes verhängte die türkische Regierung Ausgangssperren über Cizre und weitere Städte im vorwiegend kurdisch besiedelten Südostanatolien. Gegen Cizres Bürgermeisterin wurde ein Verfahren wegen „Aufwiegelung des Volkes zum bewaffneten Aufstand gegen den Staat“ und „Propaganda für eine Terrororganisation“ eröffnet. Nach wiederholten Festnahmen floh sie über den Irak nach Deutschland.

Ungeachtet ihrer persönlichen Gefährdung, der sie sich auch außerhalb der Türkei ausgesetzt sehen muss, hat Imret 2018 als sachverständige Zeugin vor dem internationalen Tribunal der Völker in Paris ausgesagt: zum Vorwurf der Menschenrechtsverletzungen und Kriegsverbrechen in ihrer Stadt, der gegen den türkischen Staat erhoben wurde. Sie setze sich weiterhin couragiert für die Menschenrechte in der Türkei sowie für eine „friedliche und gerechte Lösung der kurdischen Frage ein“, heißt es in der Pressemitteilung der Liga.

Am Donnerstag, 15. November, ist Leyla Imret Gast der Vortragsreihe Loccumer Kreis. Ab 20.15 Uhr spricht sie im Gemeindehaus der Kirchengemeinde St. Willehadi, Am Kirchenplatz 3 in Osterholz-Scharmbeck, zum Thema „Von Osterholz-Scharmbeck nach Cizre“. Der Untertitel lautet „Eine junge Frau wird Bürgermeisterin einer türkischen Großstadt“.

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