Basketball-Schiedsrichtertalent

Till Bickmeier – Der Kleine unter den Großen

Wer auf Till Bickmeier trifft, der verbindet den 17-jährigen Hülseberger nicht zwangsläufig sofort mit Basketball. Dabei könnte er vor einer großen Basketball-Laufbahn stehen - als Schiedsrichter.
13.11.2020, 09:29
Lesedauer: 4 Min
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Von JAN-HENRIK GANTZKOW
Till Bickmeier – Der Kleine unter den Großen

Till Bickmeier im Einsatz: Längst hat sich der nicht gerade groß gewachsene Basketball-Schiedsrichter einen Namen gemacht.

Nico Ahmann

Osterholz-Scharmbeck. Wer auf Till Bickmeier trifft, der verbindet den 17-jährigen Hülseberger nicht zwangsläufig sofort mit Basketball. Schließlich denkt man bei der beliebten Hallensportart in erster Linie an baumlange Athleten, im Profibereich sind viele Akteure weit über zwei Meter groß – der ehemalige NBA-Superstar Dirk Nowitzki gehörte mit seinen 2,13 Meter dabei nicht einmal zu den größten Spielern.

Bickmeier ist mit seinen 1,67 Metern zwar ein gutes Stück vom Gardemaß entfernt, dafür beweist er eindrucksvoll die bekannte Weisheit, dass wahre Größe von innen kommt. So hat sich der Gymnasiast als Spielmacher der U18 des VSK Osterholz-Scharmbeck etabliert, vor allem zählt er aber zu den größten Schiedsrichtertalenten in ganz Niedersachsen. Zuletzt wurde er als Unparteiischer trotz seiner jungen Jahre bereits in den Oberliga-Kader aufgenommen, auch in der Jugend-Bundesliga könnte er bald zum Zuge kommen. Für den ehrgeizigen Bickmeier sind dies aber nur Zwischenstationen: „Das ist natürlich toll und ein wichtiger Schritt. Mein großer Traum ist es aber, als Profischiedsrichter in der ersten Liga zu pfeifen“, so Bickmeier.

Und dieser Traum scheint keineswegs utopisch. Denn die bisherige Laufbahn der Nachwuchshoffnung verläuft nahezu optimal: Nachdem er sich zunächst als Fußballer in Pennigbüttel und Heilshorn versucht hatte, kam er mit neun Jahren zum Basketballsport. Sein jetziger Trainer, VSK-Ikone Markus Dannenbaum, weckte bei einer Ballspiel-AG das Interesse des Schülers. „Basketball hat mir sofort gefallen. Da nur fünf Spieler pro Team auf dem Platz stehen, bist du mehr ins Spiel einbezogen. An dem Sport fasziniert mich, dass er so taktisch und athletisch ist“, beschreibt Bickmeier seine Leidenschaft.

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Obwohl er den meisten Gegenspielern von Beginn an körperlich unterlegen war, ließ er sich keineswegs entmutigen. Mit seiner Geschwindigkeit, einem starken Distanzwurf und guter Abwehrarbeit überzeugt er seinen Coach. Überdies weiß Dannenbaum aber auch die charakterlichen Eigenschaften seines Schützlings zu schätzen: „Till ist ein sehr höflicher, kluger und zielgerichteter Mensch. Besonders sein Lernwille und seine Akribie zeichnen ihn aus“, lobt Dannenbaum. Zwischen Spieler und Trainer herrschte dabei von Anfang an ein gutes Verhältnis, kein Wunder also, dass Bickmeier seinem Trainer auch als Schiedsrichter nacheifern wollte. „Ich habe das bei Markus gesehen und wollte das auch machen. Mit 13 habe ich dann die erste Prüfung absolviert“, berichtet Bickmeier.

Was in den folgenden Jahren folgte, ist eine echte Erfolgsgeschichte. Schon in den ersten Jahren wusste er in Jugendspielen zu überzeugen, was auch an seinem unbändigen Willen liegt. Teilweise pfiff er so gleich mehrere Spiele an einem Tag, seine Mutter fuhr ihn dafür oft quer durch die Region. Da sich an seinem Engagement im Lauf der Zeit wenig geändert hat, bleibt nicht viel Freiraum für seine Freunde. Auch seinem zweiten Hobby, dem Bogenschießen, kann er nur noch im Sommer nachgehen. Doch der Aufwand und die elterliche Unterstützung haben sich gelohnt, schnell zog der Filius das Interesse des Bremer Basketball Verbandes auf sich und wird seither enorm gefördert.

Vor allem sein schier grenzenloses Fachwissen beeindruckt dabei selbst erfahrene Experten wie seinen ehemaligen Mentor: „Sein Basketballwissen ist wirklich unglaublich. Mittlerweile geht es so weit, dass ich ihn bei kniffligen Regelfragen um Rat bitte“, erklärt Dannenbaum. Gerade bei einem so komplexen Sport wie dem Basketball ist diese Fähigkeit nicht zu verachten, über 160 Regelfragen muss ein Referee theoretisch beantworten können. Bickmeier kennt die Statuten aus dem Effeff, zudem nützt ihm sein erstaunlich reifes und souveränes Auftreten. „Natürlich war ich in den ersten Spielen aufgeregt, mittlerweile bin ich aber besonnener. Ruhe und Ausstrahlung sind notwendig“, gibt Bickmeier zu Protokoll.

Geholfen haben ihm dabei auch die vielfältigen Erfahrungen, die er bereits sammeln konnte. So stand der VSK-Akteur schon gemeinsam mit dem Bundesliga-Schiedsrichter Dennis Sirowi auf dem Parkett, auch andere Schiedsrichterkoryphäen gaben wichtige Ratschläge. „Gerade bei meiner Größe ist es ab und zu wichtig, manchmal einen Meter nach hinten zu treten, um alles zu sehen“, grinst Bickmeier. Selbst in hitzigen Derbys, in denen gestandene Männer aneinandergeraten, bleibt der Fan der Philadelphia 76ers mittlerweile ganz ruhig.

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„Fingerspitzengefühl ist in solchen Momenten ganz wichtig. Ein Schiedsrichter sollte das Spiel nie entscheiden“, nennt Bickmeier seine Marschroute. Durch diese Einstellung konnte er sich schon häufig den Respekt der älteren Spieler erarbeiten, dumme Sprüche bezüglich seines Alters fallen kaum noch. „Im Gegenteil bekomme ich nach den Spielen häufig Lob und Dank, das freut einen dann natürlich. Für mich ist das auch kein undankbarer Job, sondern einer, der großen Spaß macht. Man tut Gutes, und ohne Schiris geht es eben nicht“, strahlt der Youngster.

Zwar bremste Corona auch die steile Karriere des Hülsebergers vorübergehend aus, doch auch die Pandemie kann den Eifer und die Begeisterung von Bickmeier nicht dauerhaft stoppen. „Ich wurde als einer von zwei Schiedsrichtern zum Bundesfinale von „Jugend trainiert für Olympia“ eingeladen. Nach der Absage war ich schon kurz am Boden, aber der Blick geht weiter nach vorne“. Während der Zwangspause bildete er sich in Online-Schulungen des Verbandes weiter, alle zwei Tage ging es in Videomeetings um Theorie, Psychologie und weitere Themengebiete. Von seinem Weg lässt er sich auch in schwierigen Zeiten nicht abbringen. Ob dieser Weg eines Tages tatsächlich in die Basketball-Bundesliga (BBL) führt, ist noch nicht wirklich absehbar – die Chancen dafür scheinen aber nicht schlecht zu stehen. Und falls die Schiedsrichterei doch nur ein Hobby bleiben sollte, wird Till Bickmeier in Zukunft eben anderweitig für Gerechtigkeit sorgen: Aktuell kann er sich eine Juristenlaufbahn ebenfalls gut vorstellen.

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"Für mich ist das kein

undankbarer Job, sondern einer,

der großen Spaß macht."

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