Berufsinfo in digitalen Zeiten 39 Likes für die Polizei

Was kommt nach der Schule, welcher Beruf ist richtig? Antworten auf diese Fragen konnten 75 Gymnasiasten nun möglicherweise beim ersten Berufsweg-Parcours an ihrer Schule finden.
15.03.2020, 17:35
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Von Christa Neckermann

Osterholz-Scharmbeck. Der Weg in den Beruf ist für Schüler nicht immer einfach. Da gilt es nicht nur zu klären, welcher Beruf zum einzelnen Individuum passt, sondern auch, welche Kompromisse der oder die Einzelne bereit ist, für den Traumberuf einzugehen. Das aber setzt eine gute Information über die angestrebte Tätigkeit voraus. Dafür hat die Firma „UP Consulting“ aus Rotenburg jetzt ein Konzept entwickelt, das modernen Voraussetzungen angepasst ist. Im Forum des Gymnasiums Osterholz-Scharmbeck stellten sie dieses den Schülern vor.

Schon seit Jahren ist die Firma mit ihrem „JUMP“ Bewerbungstraining in den Schulen Norddeutschlands unterwegs. Mit dem neu konzipierten Berufsweg-Parcours haben die Schüler der am Projekt beteiligten Schulen erstmals die Möglichkeit, mithilfe einer eigens dafür entwickelten App auf Ausbildungsplatzsuche zu gehen.

Ähnlich einem Speeddating treffen dabei Unternehmen oder weiterführende Bildungseinrichtungen, wie Universitäten oder Fachschulen, auf interessierte Jugendliche. Die Unternehmen werden dabei vorzugsweise von ihren eigenen Auszubildenden des zweiten oder dritten Ausbildungsjahres vertreten. Denn sie kommen den umworbenen Jugendlichen altersmäßig noch am nächsten. Außerdem hat sich jedes Unternehmen für diesen Berufsweg-Parcours praktische Aufgaben überlegt. Sie sollen den Jugendlichen einen kurzen, prägnanten Einblick in den vorgestellten Beruf oder Bildungsweg ermöglichen.

Zuvor haben die Schüler in der App eine eigene Datei mit ihren Informationen angelegt: ein vorgefertigter Lebenslauf, mit dem Kerninformationen abgefragt werden, und die dann per Click an die Unternehmen geschickt werden können, für die sich die Teenager interessieren.

Beim ersten Berufsweg-Parcours im Forum des Gymnasiums Osterholz-Scharmbeck trafen nun elf Unternehmen auf 75 Schüler der elften Jahrgangsstufe. Nach der großen Pause stießen zusätzlich die Schüler des zehnten Jahrgangs hinzu. Jeweils 20 Minuten hatten die Volksbank Osterholz Bremervörde, das Kreiskrankenhaus, der Landkreis Osterholz, die Karriereberatung der Bundeswehr Bremen, die Atlantic-Hotel-Gruppe aus Bremen, die Polizei Niedersachsen und die Firma Poliboy aus Lilienthal Gelegenheit, ihre Tätigkeitsfelder vorzustellen. Die Private Hochschule Göttingen, die Dr. von Morgenstern-Schulen und die Jacobs-Universität sowie Internationale Jugendgemeinschaftsdienste (Ijgd) stellten ihre Angebote vor.

Dabei ging es durchaus praxisorientiert zu, verriet Kristin Meyer, Ausbildungsverantwortliche bei der Volksbank Osterholz Bremervörde. „An unserem Stand können die Schülerinnen und Schüler sich darin üben, die Merkmale eines echten Geldscheines zu erkennen. Außerdem lernen sie heute das Ausfüllen eines Überweisungsträgers. Also auch dann, wenn sich die jungen Leute nicht für eine Ausbildung bei der Volksbank entscheiden, haben sie dennoch etwas wichtiges für ihren weiteren Lebensweg gelernt“, sagte Meyer mit einem Schmunzeln.

Viele Unternehmen, so auch die Volksbank, bieten heute duale Ausbildungsgänge an, die die Vorteile einer soliden kaufmännischen Ausbildung mit einem anerkannten Studienabschluss und einer attraktiven Vergütung während der Ausbildungszeit verbinden.

Verbunden wird aber auch beim Kreiskrankenhaus. Hier stellten Malin Appel und Mouad El Gueddori ihren Beruf des Gesundheitspflegers vor. Malin Appel geriet bei der Frage, warum sie diesen Beruf gewählt habe, ins Schwärmen. „Ich habe erst eine Ausbildung als Versicherungsfachangestellte gemacht. Aber mir hat der Bezug zu den Menschen gefehlt, das Gefühl, sich kümmern zu können. Es ist bewegend zu sehen, wie ein Mensch unter meiner Pflege wieder gesund wird, und seine Dankbarkeit dafür zu spüren“, erklärte die junge Frau den Gymnasiasten.

Auch die Polizei Niedersachsen stellte sich vor. Der Beruf sei herausfordernd und auf jeden Fall körperlich anstrengend, erfuhren die Schüler. Auch dass Polizisten verbeamtet würden, konnten sie erfragen. Axel Prigge, Sara Groborz und Lena Brandauer gelang es, ihren Beruf bei der Polizei Verden/Osterholz so gut darzustellen, dass sie von vielen der jungen Teilnehmer per App „geliked“ wurden. Am Ende der Veranstaltungen summierten sich diese Klicks auf 39 „Likes“ für den Polizeiberuf.

Auch die Bundeswehr hatte ihre Berater des Karriereberatungsbüros Bremen ins Forum des Gymnasiums geschickt. „Unser Hauptaugenmerk liegt darauf, den Bewerber oder die Bewerberin sehr offen über alles aufzuklären, was den Beruf des Soldaten heute ausmacht. Auch alle Risiken für Leib und Leben“, betonten die Berater. So würden die an einer Karriere bei der Bundeswehr Interessierten nicht nur körperlich auf Herz und Nieren geprüft, auch rechtsstaatliche Einstellung und demokratische Grundhaltung seien ein Muss. „Wir sind hartnäckig bei der Nachfrage, ob der Bewerber sich wirklich der Tragweite dieses Berufes und der körperlichen Herausforderungen bewusst ist. Trotzdem liegt die Abbrecherquote bei uns etwa bei 30 Prozent“, berichteten die Berater.

Bjǿrn-Arne Klaehn von der Privaten Hochschule Göttingen ( PFH), war mit den Studienprogrammen Technologie, Healthcare und Psychologie in die Kreisstadt gekommen. Obwohl auch er mit einer zweistelligen Zahl an „Likes“ abschnitt, vermutete er, dass er möglicherweise doch ein wenig zu früh ins Gymnasium gekommen war. Klaehn hatte den Eindruck: "Manche der Jugendlichen brauchen wohl noch ein wenig Zeit und Orientierung.“

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+