Kein Grund zur Furcht Biologe im Interview: „Wölfe haben mehr Angst“

Der Biologe Jörn Theuerkauf beschäftigt sich schon lange mit Wölfen. Er kann die Furcht in der Bevölkerung verstehen. Dafür gibt es für ihn aber keinen Grund.
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Von Peter von Döllen

Herr Theuerkauf, Sie haben sich zunächst mit Elefanten beschäftigt. Warum wandten Sie sich dann den Wölfen zu?

Jörn Theuerkauf: Zu der Zeit als der Wolf anfing, Deutschland wieder zu besiedeln, plante ich gerade ein Thema für meine Dissertation. Ich wollte einen Beitrag dazu leisten, besser zu verstehen, welchen Einfluss Menschen auf Wölfe haben und wie diese Informationen helfen können, die Wiederbesiedlung vorauszusehen.

Was ist an Wölfen so faszinierend?

Wölfe spielen eine Schlüsselrolle in mitteleuropäischen Ökosystemen, viele Arten hängen von der Anwesenheit der Wölfe ab. Dies macht die Art interessant. Die Angst vor Wölfen ist in Mitteleuropa unbegründet, es gibt keine zuverlässigen Belege für Angriffe durch tollwutfreie wilde Wölfe in Europa.

Ist die Rückkehr der Wölfe nach Deutschland eine gute oder eine schlechte Nachricht?

Für die Natur natürlich eine gute. Schafzüchter mögen dies aber anders sehen, da Übergriffe auf Haustiere natürlich auch stattfinden. Wenn wir jedoch alles nur ökonomisch sehen, müssten wir auch alle Wildschweine und Hunde ausrotten, die ja vergleichsweise viel mehr ökonomischen Schaden anrichten.

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Können Sie die Angst der Bevölkerung nachvollziehen?

Natürlich. Angst schützt uns davor, in ungewohnten Situationen unaufmerksam zu sein. Wir haben zum Beispiel auch Angst in der Nacht, da im Dunkeln Gefahren lauern könnten. Im Falle des Wolfes ist die Angst jedoch unbegründet, Wölfe haben viel mehr Angst vor dem Menschen, mit gutem Grund.

Wie könnten Landwirte und Hobbytierhalter Schafe, Kühe und Pferde vor dem Wolf schützen?

Es gibt in Deutschland eine Reihe Organisationen, die über Schutzmaßnahmen für Schafe informieren. Schwieriger ist der Schutz von Kühen und Pferden, diese werden jedoch selten von Wölfen getötet, und die Besitzer erhalten eine Entschädigung.

Sie sind der Meinung, der Wolf brauche keinen Schutzstatus. Warum?

Das habe ich so nicht gesagt. Der Wolf ist keine gefährdete Art und braucht keinen speziellen Schutz unter der Bedingung, dass er nicht gezielt ausgerottet wird. Sollte der Wolf jedoch keinen Schutzstatus mehr haben, würden Nutztierhalter keine Entschädigung mehr bekommen. Stünde die Art unter Jagdrecht, würde die Jägerschaft für Schäden haften müssen. Vermutlich würde eine Veränderung des Schutzstatus daher niemandem helfen.

Sie waren kürzlich bei einem Ornithologenkongress in Kanada. Worum ging es dort?

Mit rund 2000 Teilnehmern ging es um viele verschiedene Thema rund um die Vogelforschung.

Mit welchem Gebiet beschäftigen Sie sich derzeit?

Weiterhin auch mit Wölfen, schwerpunktmäßig jedoch mit endemischen Vogelarten der Südsee und dem Einfluss eingeführter Säugetiere, unter anderen auch dem Hund.

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Gibt es Parallelen zu Wölfen?

Wir forschen in der Südsee an einer Vogelart, die eine ähnlich soziale Organisation hat wie der Wolf. In beiden Arten hilft der Nachwuchs den Eltern bei der Jungenaufzucht.

Sie waren im Sommer einige Zeit in Ihrer Heimatstadt Osterholz-Scharmbeck. Wie war es?

Endlich mal Südseewetter. Meist ist es ja für mich kalt, wenn ich im Sommer komme.

Wo arbeiten Sie und leben Sie derzeit?

Ich bin Professor im Museum und Institut für Zoologie der Polnischen Akademie der Wissenschaften und lebe und forsche auf Neukaledonien.

Das Interview führte Peter von Döllen

Info

Zur Person

Jörn Theuerkauf

wurde in Osterholz-Scharmbeck geboren und beschäftigt sich als Biologe unter anderem mit dem Verhalten von Wölfen.

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