Wenn sich das Gesundheitsamt meldet Kreisstädterin muss vier Mal in Quarantäne

Isabelle Heese ist für das Gesundheitsamt des Landkreises Osterholz keine Unbekannte. Insgesamt vier Mal musste die Behörde die junge Frau inzwischen als Erstkontakt in Quarantäne schicken.
11.04.2021, 10:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Christa Neckermann

Isabelle Heese hat gelernt, worauf es ankommt. Die 24-Jährige hält in der Kreisstadt vermutlich den Quarantäne-Rekord. Vor Kurzem endete ihre vierte Quarantäne-Zeit seit März 2020. „Zum Glück habe ich mich niemals angesteckt“, lacht die junge Frau. Doch seither habe sie immer ein paar zusätzliche Dosen mit Fertiggerichten, Nudeln und Toilettenpapier im Haus.

„Wenn das Schreiben des Gesundheitsamtes kommt, dass man in Quarantäne gehen muss, bleibt keine Zeit mehr für Vorratseinkäufe“, hat sie gelernt. Da ist es gut, wenn wenigstens für die nächsten zwei, drei Tage die Versorgung gesichert ist. Familie, Freunde und Bekannte sind dann schnell organisiert und versorgen die Quarantäne-Betroffenen mit den frischen Lebensmitteln oder bringen auch mal einen selbst gebackenen Kuchen vorbei.

Die erste Quarantäne liegt inzwischen fast ein Jahr zurück. Damals musste die Hauptfeuerwehrfrau für zehn Tage in Quarantäne nachdem ein Feuerwehrkamerad, mit dem sie bei einem Einsatz auf einem Fahrzeug war, nach einer Dienstreise positiv auf Corona getestet wurde. „Das war gar nicht so schlimm, denn damals wohnte ich noch bei meinen Eltern. Zusammen mit meiner Schwester, meinen Eltern und meinen beiden Katern Munkie und Louis waren wir alle zusammen zu Hause, haben Filme gesehen, viel geredet und gelesen“, erinnert sich Isabelle Heese. Familie, Freunde und Feuerwehrkameraden übernahmen die nötigen Besorgungen und stellten alles coronakonform vor der Haustür ab. In einem dreiseitigen Schreiben hatte das Gesundheitsamt der Familie die Quarantäneregeln erklärt. Dazu gehörte auch, während der Quarantäne zweimal täglich die Körpertemperatur zu messen und Tagebuch über das Befinden zu führen.

Der Vater infiziert sich

Kaum war die erste Quarantäne überstanden und die Familie zurück in der eingeschränkten Freiheit, mussten die Heeses Ende Mai zum zweiten Mal, diesmal für 23 Tage, in Quarantäne. Isabelles Vater, Ortsbrandmeister Olav Heese, war an Corona erkrankt. „Das war ganz schön unangenehm. Draußen war es schön, aber wir mussten trotzdem im Haus bleiben. Mein Vater war meist in einem Zimmer, und wir anderen sollten noch nicht mal auf die Terrasse gehen!“, erinnert sich Isabelle Heese.

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Während dieser Quarantäne habe sie sich mit „Handlettering“ beschäftigt. Diese Art der Schreibkunst ähnelt der Kalligrafie, wobei die einzelnen Buchstaben sorgfältig gemalt werden. Dabei lässt sich die Harmonie zwischen den einzelnen Buchstaben entdecken. Als geradezu meditativ, beschreibt Isabelle Heese ihre Beschäftigung. Zudem nutzte sie die Zeit, um einen Ausbildungsplatz zu suchen und führte ihre Vorstellungsgespräche dazu per Videokonferenz.

Die Großeltern und Freunde der Mutter versorgten die Familie in dieser Zeit mit allem Nötigen. „Insgesamt war die Hilfsbereitschaft sehr groß. Wen wir auch gefragt haben, jeder war bereit, einzuspringen“, erzählt die junge Frau und ist gerührt.

Die Mutter wird krank

Kurz vor Weihnachten kam dann der nächste Schock. Diesmal war die Mutter erkrankt, und Familie Heese verbrachte noch einmal vom 16. bis 29. Dezember 14 Tage in häuslicher Isolation.

„Obwohl wir uns als Familie wirklich gut verstehen, haben wir alle doch mehr und mehr die zwischenmenschlichen Kontakte vermisst“, sagt die junge Frau. Auch wenn die Kontakte außerhalb der eigenen vier Wände ebenfalls eingeschränkt waren, so gab es dort doch wenigstens die Chance, sich auf zwei Meter Abstand mit ein, zwei Freunden und Bekannten zu treffen. „Moderne Social-Media-Formate können das einfach nicht ersetzen“, sagt Heese.

Inzwischen hatte Isabelle Heese im Herbst ihre Ausbildung zur Kauffrau für Versicherungen und Finanzen begonnen. „Wir kannten die Quarantäne-Abläufe jetzt schon, trotzdem war es unangenehm. Dazu kam, dass die Krankheit bei meiner Mutter einen schwereren Verlauf als bei meinem Vater nahm.“ Die junge Frau überbrückte die Zeit mit Lernen und der Planung ihres eigenen Hausstands. „Ich hatte schon länger vorgehabt, auszuziehen, und in der Nähe eine kleine Wohnung gefunden“, sagt sie mit einem Schmunzeln.

Allein in der ersten eigenen Wohnung

Gerade, als sich Familie Heese von ihren drei Corona-Abenteuern erholen wollte und sich der Alltag ein wenig normalisierte, stellte das Virus Isabell Heese wieder ein Bein. Die erste eigene Wohnung war eingerichtet und bezogen, die Berufsschule vermittelte dazu ein trügerisches Gefühl der Normalität, als ein Schulkamerad mit „Erkältungssymptomen“ in den Unterricht kam. „Der Mitschüler wurde getestet und es stellte sich heraus, dass er nicht nur Corona, sondern auch noch die gefährlichere britische Variante hatte“.

Wieder einmal – nun bereits zum vierten Mal – musste Isabelle Heese in Quarantäne. Sogar der Mitarbeiter im Gesundheitsamt habe ihr gesagt, dass sie seine häufigste Kundin sei, erzählt die junge Frau. Aber zum ersten Mal war die junge Frau nun allein in ihren eigenen vier Wänden. „Das war schlimm. Ich konnte zwar mit meiner Familie und meinen Freunden kommunizieren – aber alles nur über das Telefon oder Social Media. Ich kann nur hoffen, dass sich möglichst alle an die Auflagen halten und gesund bleiben. Ich habe einfach keine Lust mehr auf Quarantäne!“

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