Parzellen werden winterfest gemacht Das große Aufräumen

Nach der Saison ist vor der Saison: Die Schrebergärtner im Osterholzer Kleingartengebiet machen ihre Parzellen winterfest.
04.10.2018, 16:29
Lesedauer: 3 Min
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Von Maximilian von Lachner (Fotos)und Michael Schön (text)

Osterholz-Scharmbeck. Ulrich Brahm geht trotz seiner 79 Jahre leicht federnd in die Knie, um das Obst einzusammeln, das weit verstreut unter den beiden Apfelbäumen in seinem Kleingarten liegt. Es handelt sich überwiegend um Fallobst – weit mehr, als er und seine Frau einfach so verzehren oder zu Marmelade oder Saft verarbeiten können. Zu einem großen Teil wandern die Früchte in zwei große dunkelbraune Körbe. Die nicht ganz so ansehnlichen kommen auf den Komposthaufen. „Da freuen sich die Regenwürmer!“ Die meisten Äpfel jedoch verschenkt er. Zwei Säcke hat er auf eine Ruhebank im Dahlienweg gewuchtet. „Die holen sich die Spaziergänger.“

Parzellisten sind Menschen mit Weitblick. Noch ist nicht einmal der goldene Oktober angebrochen, da wird schon vorausschauend an die nächste Saison gedacht, zu Säge, Hacke und Spaten gegriffen. Während draußen noch Kürbisse in den Beeten liegen, kann im unbeheizten Gurkengewächshaus die Aussaat für den Winterportulak erfolgen. Knoblauch und Wintersalat kommen als Jungpflanzen ins Beet. In milden Oktoberwochen reifen auch noch sehr viele Paprikaschoten aus. Für Tomaten, Gurken, Bohnen und Zucchini gilt das auch. Vor allem aber wird der Rasen gemäht, das Strauchwerk gekürzt und der Baumschnitt vollzogen, um das Wachstum und den Neuaustrieb der Gehölze zu befördern und den Baum vor Krankheiten und Pilzbefall zu schützen. Nach der Saison ist vor der Saison.

Brahm wohnt in Bremen-Huchting. In der von ihm seit 45 Jahren gepachteten Laubenkolonie im Osterholzer Kleingartengebiet der Gartenfreunde am Teufelsmoor fühlt er sich „wegen des guten Sauerstoffs“ wie in einem Jungbrunnen. In der Regel zwei Mal in der Woche sucht er sein Refugium in Osterholz auf. Auf einen der dort stehenden Apfelbäume, ein überaus altes Exemplar von knorrigem Wuchs, ist er besonders stolz. „Den wollte ich schon umlegen. Aber gut, dass ich es nicht gemacht habe. Der bekommt jetzt bei mir sein Gnadenbrot.“ Klaus-Rüdiger Schäffer pflichtet ihm bei, nachdem er einige der Äpfel mit Kennerblick unter die Lupe genommen hat. „Man kriegt nichts Besseres. Das ist alles Bio. Ich habe auch noch keine Spritze in die Hand genommen.“ Schäffer, Vorsitzender des Vereins der Gartenfreunde am Teufelsmoor, pflegt seine Äpfel in der Worpsweder Mosterei Fabelsaft pressen zu lassen. „Da steht mein Enkel drauf.“ Der Vereinschef hat seinen Garten in direkter Nachbarschaft. Bei Brahm steht jetzt das Ausbringen des Saatguts für Kartoffeln und Möhren ganz oben auf der Agenda. „Dann muss halt noch der Rasen gemäht werden.“

Im Osterholzer Kleingartengebiet ist um die Mittagszeit besonders viel los. Spaziergänger wie Horst zur Linden, der in der Nähe wohnt und mit seinem Rauhaardackel Buddy unterwegs ist, unternehmen Touren durch die „grüne Lunge“, wo die Herbstsonne das Rot des wilden Weins prächtig leuchten lässt. Vor allem aber sind dort Schüler anzutreffen, die das Parzellengebiet durchqueren, um den Heimweg abzukürzen. Kleingärtner machen sich jedoch rar, abgesehen von jenen im Rentenalter. Abends und an den Wochenenden wird mehr gearbeitet.

Juri und Katharina Kasper tragen Pfirsiche, Kartoffeln und Dill, der für den ganzen Winter reicht, nach Hause. Bärbel Schäfers hat ein wenig Zeit für eine Stippvisite in ihrer Gartenlaube. Die Obstbäume müssen noch geschnitten werden, die Korkenzieherhaselnuss und die Weide auch. „Ich warte aber, bis das Laub runter ist. Dann tue ich mich mit dem Abtransport leichter.“ Bärbel Schäfers kommt ausschließlich mit dem Fahrrad.

Im Rosenweg sticht Klaus-Rüdiger Schäffer ein blitzblankes Aluminium-Gartentor ins Auge. Dahinter erscheint Alexander Gert. „Das habe ich vom Schrottplatz. Hat nur 27 Euro gekostet“, berichtet der aus Russland stammende Hausmeister über seine Errungenschaft, nicht ohne Besitzerstolz. Sein Kleingarten ist wirklich supergepflegt. „Werden die Tomaten noch was?“, will Schäffer angesichts der noch ziemlich grünen Exemplare von Nachtschattengewächsen im Foliengewächshaus wissen. Gert ist da ziemlich zuversichtlich. Er will sich jetzt ein solideres Gewächshaus anschaffen. „Aber höchstens sechs Quadratmeter“, ermahnt der Vorsitzende den Laubenkolonisten, der nicht nur als Handwerker, sondern auch als Gartenarchitekt geschickt ist. Die Beete sind mit Buchsbaum eingefasst. An den Pergolen windet sich der Wein. Mit einem anderen Hobbywinzer zusammen hat Gert schon 26 Liter Traubenmost aus der Maische geholt. Der aus Kirgisien stammende Freund brachte das Knowhow mit, der Russe die Reben. „Das war ein Superjahr. 2017 waren es nur 17 Liter.“

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