Hausmeister der Menckeschule ist auch Trainer Der Ball ist sein Freund

Die Menckeschule feiert ihren 150. Geburtstag. Meik Lindenau ist dort seit 2004 Hausmeister, kann aber auch von Episoden berichten, die er dort als Grundschüler erlebt hat.
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Von Michael Schön

Herr Lindenau, da sie schon seit 2004 Hausmeister der Menckeschule sind, treffen sie bestimmt häufig auf ehemalige Schüler.

Meik Lindenau: Ja, manchmal ist es auch ein ganzes Rudel Jugendlicher.

Werden Sie von denen auch angesprochen?

Komischerweise erinnern sich die meisten daran, dass ich ihnen immer die Bälle vom Dach geholt habe.

Sie waren selbst als Fußballer aktiv und trainieren eine Jugendmannschaft des 1. FCO. Da können Sie doch bestimmt Verständnis für die Kicker aufbringen. Was sagen Sie denen? Haltet mal den Ball flach?

So ähnlich. Obwohl manche sich einen Jux daraus machen und den Ball dann absichtlich aufs Dach schießen, wenn ich gerade von der Leiter steige. Inzwischen gehe ich nur noch zwei Mal am Tag nach oben. Dann bleibt der Ball halt über Nacht auf dem Dach.

Was kommt sonst noch obendrauf aufs normale Tagesgeschäft?

Alles Mögliche, Tornister und vergessene Turnbeutel suchen, Erste Hilfe leisten und bei Reibereien dazwischen gehen. Mein Büro ist ja direkt bei den Toilettenräumen. Wenn dort die Türen abgeschlossen werden oder auf der Brille herumgeturnt wird, bleibt mir das also nicht verborgen.

Was hat ein Hausmeister heute sonst noch so alles auf dem Zettel?

Eigentlich ist es noch wie früher. Ich repariere fast alles selbst, angefangen bei der Heizung bis hin zu den Malerarbeiten. Letztere natürlich in der schulfreien Zeit. Türen und Fenster müssen ständig nachjustiert werden, wackelnde Stühle wieder befestigt. Am wichtigsten ist neben verstopften Abflüssen aber das Thema Sicherheit. Glasscherben oder gar zerbrochene Flaschen.

Das klingt nach viel Abwechslung im Job.

Ich gehe sehr gern zur Arbeit. Ob man für die Lehrkräfte etwas kopiert hat oder einen verletzten Schüler verarztet und ihm noch ein Gesicht aufs Pflaster malt – man kriegt immer ein Dankeschön.

Warum sind Sie Hausmeister geworden?

Ich bin gelernter Heizungs- und Lüftungsinstallateur. Ich habe aber irgendwann gemerkt, dass von diesem Handwerk durch den Fortschritt viel verloren geht. Darum habe ich schon mit 29 Jahren beruflich umgesattelt, obwohl ich als Bauleiter keinen schlechten Job hatte und mein damaliger Chef mich eindringlich gewarnt hatte, als Hausmeister würde ich nur dick werden, und ich solle es daher besser lassen.

Sie haben Ihren Wechsel also nie bereut.

Nie. Es war die beste Entscheidung meines Lebens. Über der Schule steht nur meine Familie. Das Miteinander an meinem Arbeitsplatz ist super. Die Schulleiterin, Frau Kämena, legt Wert darauf, dass zum Weihnachtsessen des Kollegiums auch die Reinigungskräfte eingeladen werden. Ich schätze es auch, dass dieses Haus Geschichte hat. Manchmal muss ich älteren Damen und Herren die Tür aufschließen, die sich zu einem Ehemaligen-Treffen verabredet haben. Wenn die sich daran erinnern, wie es hier früher ausgesehen hat, bekommt man eine Gänsehaut.

Sie sind selbst Menckeschüler gewesen.

Und meine vier Geschwister ebenfalls. Ich bin in der sogenannten Amerikaner-Siedlung Am Voßberg aufgewachsen. Da war man quasi in Amerika.

Welche Erinnerungen haben Sie an Ihre Schulzeit?

Da ist der Schulweg in der Teichstraße, der damals eine Kastanienallee war. Ich habe die Früchte im Herbst aufgesammelt und in meinen Rucksack gesteckt. Von diesen schönen Bäumen ist leider nur noch ein Exemplar geblieben.

Wer war damals Hausmeister?

Herr Armbrust, der mit seiner Frau Irene die inzwischen abgerissene Hausmeisterwohnung neben der Schule bewohnte. Beide sehr liebenswerte Menschen, die aber auch streng sein konnten. Zum Beispiel, wenn man etwas vergessen hatte und über den frisch gewischten Boden lief. Ich weiß aber auch noch, dass sie mich einmal in ihrer Küche mit Nutella-Broten verköstigten, weil ich wohl zu wenig gegessen hatte und mir deshalb übel geworden war.

Haben Sie selbst Fußball gespielt?

Ja, aber ich habe erst in der U 32 damit angefangen. Als Stürmer bis zu einem Kreuzbandriss. Ich habe dann in Barsinghausen eine Trainerlizenz erworben.

Trainieren beim 1. FCO auch Menckeschüler unter ihrer Leitung?

Einmal waren es sogar sechs aus einer Klasse, darunter mein Sohn Joshua.

Was unterscheidet den Menckeschüler von heute von dem, der vor 14 Jahren die Schule besuchte?

Wenig. Was früher die Panini-Fußballalben waren, sind heute die Stikeez.

Das Interview führte Michael Schön.

Info

Zur Person

Meik Lindenau
ist seit 2004 Hausmeister der Menckeschule. Der gelernte Heizungs- und Lüftungsinstallateur hat dort selbst die Grundschule absolviert.

Info

Zur Sache

150 Jahre Menckeschule

Die Menckeschule feiert in diesem Jahr ihren 150. Geburtstag – unter anderem am Montag, 5. November, mit einem nicht öffentlichen Festakt. Schon in dieser Woche laufen Projekttage und eine große Ausstellung mit Chroniken, alten Zeugnissen und vielen anderen Exponaten. An diesem Donnerstag, 1. November, ist auch die Öffentlichkeit beim Schulfest willkommen. Ab 15.30 Uhr gibt es ein buntes Programm mit Brezeln, Bratwürsten und einer Tombola.

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