Bühnenprojekt „Der Auftrag“

Die Hölle auf Erden

Jugendliche aus drei Nationen haben in Bredbeck an einem Projekt teilgenommen, das mit einer Aufführung endete. Thema war der Nationalsozialismus und der Holocaust.
30.07.2019, 17:30
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Von Lone Grotheer
Die Hölle auf Erden

Das internationale Projekt "Der Auftrag" endete mit einer Aufführung bei der die Darsteller, Jugendliche aus Deutschland, Polen und der Ukraine, von einer besseren Welt träumen.

Lone Grotheer

Osterholz-Scharmbeck. Eine Postkarte aus der Vergangenheit, von der Urgroßmutter, und dann taucht noch ein geheimnisvoller Mann auf. Er verspricht ihr, er könne ihr dabei helfen das Schicksal ihrer Ahnin zurückzuverfolgen, warnt sie jedoch auch: Sollte sie sich entschließen mitzukommen, so würde sie die Hölle erleben. Geleitet von ihrer Neugierde folgt die junge Frau dem Fremden.

Mit dieser Szene begann die Performance des internationalen Projekts „Der Auftrag“ das in der vergangenen Woche in der Bildungsstätte Bredbeck aufgeführt wurde. Der Fremde brachte die junge Frau in ein Archiv. Dort wurde sie mit Musik, Tanz und Texten konfrontiert, die tatsächlich keinen anderen Schluss zulassen: Dass das Schicksal ihrer Ahnin und vieler Abertausend anderer, ist die sprichwörtliche Hölle auf Erden.

Zehn Tage lang haben sich 24 Jugendliche und junge Erwachsene aus Polen, Deutschland und der Ukraine mit der Erinnerungskultur rund um den Nationalsozialismus und den Holocaust auseinandergesetzt. Sie besuchten unter anderem den Denkort Bunker Valentin und gingen von dort zur Baracke Wilhelmine in Schwanewede, nahmen dabei den Weg, den die Gefangenen der dortigen Lager tagtäglich gingen. Danach näherten sich die Teilnehmer in verschiedenen Workshops kreativ dem Thema und setzten sich weiter mit ihm auseinander. Die Ergebnisse brachten sie nun auf die Bühne. Dabei fanden Choreographien ebenso einen Platz wie Musik und Texte. Die verschiedenen Elemente arbeiteten oft zusammen und formten ganz unterschiedliche Bilder, die zum Nachdenken anregten.

Die Texte waren fast alle von den Teilnehmern selbst geschrieben worden – als Teil des Projekts –, wie Alexander Starostin, Leiter des Projekts, bemerkte. Sie zeigten die Vielfalt unter den Teilnehmern. Denn neben Texten in der gemeinsamen Sprache Englisch, wurden auch Texte in den jeweiligen Muttersprachen der Teilnehmer in die Aufführung eingebunden. Durch an die Wand projizierte Übersetzungen hatten die Zuschauer zusätzlich die Chance, der Handlung folgen zu können.

Nach dem Projekt waren sich alle einig: Die Erinnerung an dieses dunkle Kapitel der Geschichte dürfe nicht in Vergessenheit geraten, dass sei wichtig. Und es liege an jedem einzelnen, sie lebendig zu halten. Zu diesem Schluss kam schließlich auch die junge Frau, die auf der Suche nach dem Schicksal ihrer Ahnin zu Beginn des Stücks dem geheimnisvollen Mann ins Archiv gefolgt war.

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