Pennigbütteler Zentrale Dienstleister der Einsatzkräfte

Die Feuerwehrtechnische Zentrale ist in die Jahre gekommen. Der Landkreis Osterholz will das Service- und Trainingszentrum der Ortsfeuerwehren schrittweise modernisieren; die Abgeordneten sahen sich vor Ort um.
23.05.2019, 16:53
Lesedauer: 4 Min
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Dienstleister der Einsatzkräfte
Von Bernhard Komesker

Landkreis Osterholz. Der Sitzungsort Pennigbüttel war mit Bedacht gewählt: In der Feuerwehrtechnischen Zentrale (FTZ) steht der Landkreis weiter vor größeren Ausgaben. Bevor die Abgeordneten Ende des Jahres über sechsstellige Investitionen beraten werden, sahen sie sich nun im Service- und Trainingszentrum der 52 Ortsfeuerwehren um. Frank Wöhltjen und seine drei Kollegen halten dort Schläuche und Atemschutzmasken, Gasflaschen und Funkgeräte in Schuss. Einige Gebäudeteile haben mehr als 45 Jahre auf dem Buckel, die Atemschutzwerkstatt wurde bereits modernisiert, die Funkwerkstatt soll folgen und danach die Schlauchpflegerei.

Neben einer komplett eingerichteten Kfz-Werkstatt mit Hebebühne, Digitaltechnik und Bremsenprüfstand für die Löschfahrzeuge beherbergt die Zentrale auch den Fitnessparcours für die Atemschutzgeräteträger. Einmal jährlich müssen ihn die Spezialisten in voller 25-Kilo-Montur absolvieren. Am Beginn des Leistungsnachweises stehen 20 Meter Treppensteigen auf der Endlosleiter und 40-maliges Betätigen des 25 Kilogramm-Hammers. Danach geht es auf die kameraüberwachte Teststrecke, die verdunkelt und vernebelt werden kann; sie enthält einen Irrgarten mit verstellbaren Trennwänden, damit sich die Übenden nicht auf einen Grundriss einrichten können. „Inzwischen gibt es dafür kaum noch Ersatzteile“, teilte Wöhltjen mit. Mittelfristig müsse also auch da investiert werden.

Für die Sicherheit und Gesundheit der Probanden gelten neue Vorschriften. Im Kontrollraum werden die Vitaldaten der Dreier-Teams erfasst, die sich durch den Übungsraum quälen. Der ist sozusagen vollgestellt mit quadratischen Gitterboxen von jeweils rund einem Kubikmeter, die neben- und übereinander liegen und miteinander verbunden sind. Ihre Böden sind mit Sensoren ausgestattet und höhenverstellbar, sodass der Durchgang für die Retter stellenweise kaum einen Meter hoch ist. „Der Kriechtunnel ist besonders beliebt“, grinste Wöhltjen. Dort müssen die Kandidaten die Gasflasche vom Rücken abschnallen, damit sie hindurch passen. Auch wer fit ist, kommt da ins Schwitzen. Die Atemluft geht nach rund 30 Minuten zur Neige.

930 digitale Funkgeräte werden in der FTZ mindestens zweimal jährlich mit Updates versehen, auch die Meldeempfänger der Einsatzkräfte werden in der Funkwerkstatt gewartet. 420 Exemplare Atemschutz-Geschirr mit jeweils 1000 Gasflaschen und Atemschutzmasken sind außerdem im Umlauf. Die Flaschen müssen nach dem Gebrauch neu befüllt, die Masken gewaschen und desinfiziert werden. Bei der Wartung wird jeder Handgriff penibel dokumentiert, schließlich kann es im Notfall um Leben und Tod gehen.

Auch wenn die Arbeit der Feuerwehrleute ehrenamtlich ist: „Brandschutz und die FTZ sind eine gesetzliche Pflichtaufgabe“, erläuterte Kreisdezernent Dominik Vinbruck. Einen neuen Einsatzleitwagen soll es in absehbarer Zeit ebenfalls geben; das alte Fahrzeug, Baujahr 1989, ist nämlich nicht mehr ohne Weiteres digitalisierbar.

Eine Besonderheit in der FTZ ist die noch immer intakte Einsatzleitstelle, die im Katastrophenfall jederzeit reaktiviert werden könnte, wie Ordnungsamtsleiter Björn Bödeker darlegte. Zwar sind das Personal und seine Aufgaben vor einigen Jahren komplett in die neue Zentrale nach Bremerhaven gegangen. Dennoch würden die Datensätze der Seestädter weiterhin in Pennigbüttel abgeglichen, aktualisiert und „eins zu eins gespiegelt“. Es sei gut, so etwas zu haben, und noch besser, wenn man es nicht brauche, meinte Vinbruck: Seit dem Schneewinter 1979 wurde kreisweit kein Katastrophenfall mehr ausgerufen; um größere Lagebilder wie etwa Sturmschäden kümmerten sich unterdessen die Kommunen vor Ort, ohne das Dach einer Landkreis-Zentrale.

Nach dem Rundgang wartete auf die Kreistagsabgeordneten eine besondere Ausstellung: Polizei und Feuerwehr, Jägerschaft und DLRG, DRK und Rettungshundestaffel präsentierten sich in Form einer kleinen Helfer-Messe. Die Kreisverwaltung hatte die Aussteller eingeladen, über ihre Arbeit und vor allem über die Anschaffungen zu informieren, die der Landkreis aus den Blitzergeldern bezuschusst; dabei handelt es sich um Überschüsse aus der kommunalen Verkehrsüberwachung.

Nachdem die AfD wiederholt die Erfordernis der meisten Beihilfen bezweifelt hatte, fehlte nun ausgerechnet das AfD-Ausschussmitglied beim Messerundgang übers FTZ-Gelände. Die übrigen Politiker äußerten darüber zunächst nur zurückhaltendes Bedauern, bis Kreisbrandmeister Jan Hinken deutlich Missfallen und Unverständnis kundtat.

Andreas Reddig vom Präventionsteam der Polizeiinspektion Verden/Osterholz informierte über geförderte Verkehrssicherheitsprojekte, die sich an Schulen oder Kindergärten richten, an Fahrschüler, Fahranfänger und Senioren. Hermann Spang und Volker Leopold vom DRK hatten zwei Fahrzeuge mit Sonderausstattung für Großschadenslagen mitgebracht. Der nächstgelegene Wagen dieser Art wäre sonst in Oldenburg stationiert, schilderten die Rotkreuzler. Auch die Kosten der Rettungssanitäter-Ausbildung werden aus den Blitzergeldern finanziert.

Edgar Schumacher von der Rettungshundestaffel klagte ebenfalls über hohe Ausbildungs- und Ausrüstungskosten. Da sei die Landkreis-Förderung ein Segen. Wegen fehlender Rechtsgrundlagen könnten die ehrenamtlichen „Mantrailer“ ihre Auslagen nirgends verlässlich geltend machen, hieß es. Dabei habe die Polizei selbst nur sehr wenig Hunde für die Vermisstensuche.

Jürgen Schindler von der Kreisjägerschaft stellte die Aufklärungsarbeit und das von Blitzergeldern modernisierte Info-Mobil ins Zentrum der Präsentation. Auch hätten die Jäger inzwischen mehr als 5000 Wildwarnreflektoren an den Kreis- und Gemeindestraßen angebracht, denn Wildunfälle seien die Unfallursache Nummer eins; und beim Rehwild falle etwa 45 Prozent der Strecke dem Straßenverkehr zum Opfer.

Die DLRG-Ortsgruppen Lilienthal, Osterholz-Scharmbeck und Schwanewede informierten über ihre Rettungstaucher, ein neues Fahrzeug und ihre mobile Küche; und Kreisbrandmeister Hinken stellte die Fahrsicherheitstrainings sowie Schulungen in psychosozialer Notfallversorgung vor.

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