Faun-Erweiterung Eine Frage des Ausgleichs

Die Fima Faun will in Heilshorn eine neue Stellfläche bauen. Das Vorhaben beansprucht mehr Zeit als geplant, weil Ausgleichsflächen in der Umgebung knapp sind.
11.02.2019, 17:41
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Von Christian Valek

Osterholz-Scharmbeck. Die Erweiterungspläne von Faun Umwelttechnik haben eine weitere Hürde genommen: Die Mitglieder des Planungs- und des Verwaltungsausschusses haben einer Änderung des Bebauungsplanes Nr. 161 „Industriepark Heilshorn-Süd“ gestimmt.

Faun möchte mehr Stellfläche für Fahrgestelle am Werksgelände vorhalten (wir berichteten). Dazu hatte die Firma im August 2016 einen Antrag bei der Stadtverwaltung eingereicht. Der Hersteller von Entsorgungsfahrzeugen möchte auf rund 6700 Quadratmetern weiteren Abstellplatz für Fahrgestelle schaffen. Das neue Areal grenzt an die bestehenden Hallen. Dort sollen gut 100 gepflasterte Stellplätze entstehen, die jeweils 10,20 mal 3,50 Meter groß sind. Zur Erschließung soll auch eine Asphaltstraße gebaut werden. Zudem werden Laternen aufgestellt.

Das Vorhaben setzt eine Bebauungsplan-Änderung voraus. Denn im rechtsgültigen Bebauungsplan Nr. 161 „Industriepark Heilshorn-Süd“ ist die betreffende Fläche als „Fläche für Maßnahmen zur Entwicklung von Natur und Landschaft“, „Flächen für die Wasserwirtschaft“ (offener Entwässerungsgraben) sowie als Anpflanzfläche festgesetzt. Nun soll daraus ein Industriegebiet mit Stellplatzanlage werden. Dass das Verfahren nach gut zweieinhalb Jahren noch nicht abgeschlossen ist, liegt vor allem an der Suche nach einer Kompensationsfläche. Denn für den Eingriff in die Natur muss Faun an anderer Stelle Bäume pflanzen, einen Mischwald entstehen lassen. In unmittelbarer Nähe zum Werksgelände wurde die Firma nicht fündig. Ein benachbartes Gelände, auf dem Ausgleichspflanzungen hätten umgesetzt werden können, konnte nicht angekauft werden. „Aufgrund der nicht mehr vorhandenen Flächenverfügbarkeit des angrenzenden Grundstückes für externe Ausgleichsmaßnahmen musste nach der Erstellung der Entwurfsfassung des Bauleitplanes die Ausgleichskonzeption aktualisiert werden“, heißt es dazu in der Sitzungsvorlage seitens der Stadtverwaltung.

Kompensation im Heidhof-Forst

Die Ausgleichsmaßnahmen finden nun in der Gemeinde Schwanewede statt. Eine sogenannte Erstaufforstung soll in der Revierförsterei Heidhof, etwa vier Kilometer Luftlinie entfernt vom Plangebiet stattfinden. Der Kompensationsbedarf wird mit knapp 19 000 Quadratmetern angegeben. Ein Vertrag mit den Niedersächsischen Landesforsten über die Nutzung sei bereits unterschrieben, hieß es in der Sitzung.

Wegen der neuen Sachlage hat der nicht-öffentliche Verwaltungsausschuss der Stadt in der vergangenen Sitzung am 7. Februar die erneute Auslegung des Entwurfs für den Bebauungsplan Nr. 161 „Industriepark Heilshorn-Süd, 2. Änderung“ beschlossen. Vertreter verschiedener Fraktionen hatten zuvor im Planungsausschuss Faun als bedeutenden Arbeitgeber in der Region gelobt. Zugleich wiesen sie darauf hin, dass das Unternehmen zugesagte Anpflanzungen auch vornehmen müsse.

Faun möchte auf rund 6700 Quadratmetern insgesamt Abstellplatz für etwa 100 Fahrgestelle schaffen. Das neue Areal grenzt an die bestehenden Hallen. Geplant sind gepflasterte Stellplätze, die jeweils 10,20 mal 3,50 Meter groß sind. Auch eine Asphaltstraße zur Erschließung soll gebaut werden. Zudem sollen Laternen aufgestellt werden.

Auf Luftaufnahmen vom Werksgelände war ersichtlich, dass nach einer früheren Erweiterung auf einer Fläche von gut 4200 Quadratmetern einige Auflagen für den Naturschutz nicht umgesetzt worden waren (wir berichteten). Es geht unter anderem um das Anpflanzen einer zweireihigen Hecke im südlichen Bereich der Maßnahmenfläche (momentanes Intensivgrünland). Zudem war das Pflanzschema nicht beachtet worden, hieß es in einem Bericht zur Ausschusssitzung im Februar 2018. Für Faun ist es die dritte Erweiterung der Firma: Bereits im Jahr 2000 und 2009 waren Erweiterungen beantragt und anschließend von Stadt- und Landkreis-Behörde genehmigt worden.

Für Anja Heuser von der Grünen-Fraktion gibt es an der Bedeutung des Unternehmens für die Region keinen Zweifel. „Wir sind froh, dass es Faun in Heilshorn gibt“, sagte Heuser in der Sitzung des Ausschusses für Planung und Stadtentwicklung. „Baumreihen und Hecken sollten aber dieses Mal gepflanzt werden“, forderte sie. Die Entfernung zur neuen Kompensationsfläche ist aus ihrer Sicht vertretbar. „Vier Kilometer sind ein vernünftiger Abstand.“ Die Grünen-Fraktion setzt sich dafür ein, Ausgleichsflächen unweit eines Bau- und Planungsgebietes auszuweisen, anstatt Kompensationsmaßnahmen in anderen Landkreisen umsetzen zu lassen.

Zustimmung und Enthaltung

Zustimmung signalisierte auch Sozialdemokrat Jörg Monsees. Die Mitglieder in der SPD-Fraktion seien froh, dass Faun in Heilshorn sein Gelände erweitere. „Die Ausgleichsmaßnahmen müssen auch umgesetzt werden“, schob Monsees sofort hinterher.

Wilfried Pallasch von der Bürgerfraktion Osterholz-Scharmbeck erinnerte daran, dass seine Fraktion immer wieder „massiv“ dafür geworben habe, Kompensationsflächen in der Stadt zu haben. In diesem Fall liege die Fläche zwar in Schwanewede, trotzdem stimme man dem Vorhaben zu.

Auch Michael Rolf-Pissarczyk von der CDU-Fraktion war mit Erweiterungsidee und der Entfernung zwischen Auftraggeber und Kompensationsort einverstanden. „Die Ausgleichsmaßnahme ist sehr raumnah“, bescheinigte der Fraktionsvorsitzende. Am Ende stimmten fast alle Ausschussmitglieder der Beschlussvorlage zu. Lediglich Axel Kook (FDP) enthielt sich seiner Stimme.

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