Fußball-Bezirksliga Lüneburg 3 Das neue Wir-Gefühl des VSK Osterholz-Scharmbeck

Es gab einiges aufzuarbeiten in den vergangenen drei Monaten für Thorsten Westphal. Aber das hatte der neue Coach des VSK Osterholz-Scharmbeck aber auch nicht anders erwartet.
12.07.2020, 16:07
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Das neue Wir-Gefühl des VSK Osterholz-Scharmbeck
Von Dennis Schott

Osterholz-Scharmbeck. Es gab einiges aufzuarbeiten in den vergangenen drei Monaten für Thorsten Westphal. Das hatte der neue Coach des VSK Osterholz-Scharmbeck aber auch nicht anders erwartet. „Es ist doch klar, dass so eine Saison an den Jungs nicht spurlos vorbeigeht“, sagt der 49-Jährige. Die vergangene Spielzeit in der Fußball-Bezirksliga Lüneburg 3 war für die Grün-Weißen in der Tat eine besondere. Eine besonders ernüchternde. Mit vielen Vorschusslorbeeren gestartet, konnte das Team unter dem inzwischen zurückgetretenen Coach Oliver Schilling nie die Erwartungen erfüllen. Die Ergebnisse blieben trotz vieler passabler Auftritte aus, und so fand sich die als geheimer Aufstiegskandidat gehandelte Mannschaft auf einmal unverhofft im Abstiegskampf wieder. Eine Abwärtsspirale, aus der zu befreien für sie nicht möglich war und nur deshalb nicht mit dem Gang in die Kreisliga endete, weil die Saison Corona-bedingt vorzeitig abgebrochen und ohne Absteiger gewertet wurde.

Die Nachwirkungen dieser verkorksten Saison sind nicht von der Hand zu weisen. Das erfuhr Thorsten Westphal sofort, als er im April seinen neuen Posten antrat. Für ihn, den ehemaligen A-Junioren-Coach, der wiederum vom ehemaligen Herren-Coach Oliver Schilling beerbt wurde, galt es erstmal, sich ein ein eigenes Bild von der Lage innerhalb der Mannschaft zu machen. „Ich habe mit jedem Spieler fast eine Stunde lang telefoniert“, berichtet der neue VSK-Coach. Das Ergebnis verwunderte ihn keineswegs.

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„Die Stimmung war nicht gut. Die Spieler waren unzufrieden. Aber das ist auch ein Stück weit normal. Wenn man unten drin steht, obwohl man sich etwas ganz anderes vorgenommen hatte, dann kann die Stimmung nicht gut sein“, sagt er. Er kennt dieses Gefühl aus eigener Erfahrung. In seiner aktiven Zeit war er selbst einmal abgestiegen, die sich daraus ergebenden Begleitumstände waren ganz ähnlich wie nun beim VSK. Er rechnet es den Spielern aber hoch an, dass sie mit ihrer Enttäuschung nicht hinterm Berg hielten, sondern sie frei aussprachen. „Es ist gut, dass sie es gesagt haben. Die Gespräche waren alle in Ordnung“, erzählt Westphal, der zumindest wieder etwas mehr Zuversicht verbreiten konnte.

Freilich nicht überall. Der VSK hat einige Abgänge zu verzeichnen, teilweise gravierende. An erster Stelle ist Patrick Hirsch zu nennen. Mit ihm hätte Thorsten Westphal liebend gerne weitergemacht, ihn als zentrale Figur im Spiel der Grün-Weißen etablieren wollen. Doch trotz der ursprünglichen Zusage schloss sich der Mittelfeldspieler dem Landesligisten TSV Ottersberg an. „Darüber sind wir traurig, das will ich gar nicht verhehlen. Ich wünsche ihm trotzdem alles Gute und hoffe, dass er sich in der Landesliga durchsetzt“, sagt Westphal.

Ebenso hätte der neue VSK-Coach Luca Mischnick gerne im Team behalten, allerdings wurde er bereits vor vollendete Tatsachen gestellt, ehe er mit ihm telefonierte. „Bei ihm war ich zu spät, da stand sein Wechsel zum FC Hambergen schon fest. Ich habe ihm nur gesagt: Wenn du bereits zugesagt hast, dann halte dein Wort. Mit dem FC Hambergen gab es auch überhaupt keine Probleme, da ist alles sauber abgelaufen“, stellt Westphal klar. Gleichwohl: Einen technisch versierten Spieler wie Mischnick, auch wenn ihm laut Westphal „das Körperliche noch etwas fehlt“, hätte seinem Team gut zu Gesicht gestanden.

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Genau wie Ali Dag, der es jedoch vorzog, künftig „mit seinen Kumpel“ beim Bremen-Ligisten SG Aumund-Vegesack zu spielen. Mit Jelto Gerken und Christoph Wittmershaus, die beide zum Kreisligisten TSV Wallhöfen wechseln, sowie Azad Kurnaz (Ziel unbekannt) stehen beim VSK Osterholz-Scharmbeck somit insgesamt sechs Abgänge zu Buche. Dem gegenüber steht: kein einziger Neuzugang.

Thorsten Westphal habe zwar einige Gespräche geführt, aber es sei auch schwer gewesen, neue Spieler für den VSK zu gewinnen. Die Vorsaison habe ihren Teil dazu beigetragen, aber eben auch Corona. Und trotzdem: Als Rückschlag betrachtet der 49-Jährige dies mitnichten, eher als Chance für die übrigen Spieler, sich zu beweisen. Westphal ist überzeugt von seinem Kader, und er tut dies nicht als Zweckoptimismus ab. „Ich habe einige Spiele in der letzten Saison gesehen. Da steckt etwas in der Mannschaft“, sagt er. Nur habe sich dies eben nicht in den Ergebnissen widergespiegelt. Aber grundsätzlich sei das Potenzial vorhanden.

"Wir haben richtig gute Jungs im Team", meint der VSK-Coach und zählt mit Dustin Hirsch ("Er stand im Schatten seines Bruders, wird aber seinen Weg machen"), Moritz Helmke ("Der wird noch viele überraschen"), Dennis Riemer ("Bringt athletisch alles mit"), Benjamin Knecht ("Er kann viel mehr als er letzte Saison gezeigt hat"), Malte Vollstedt ("Wenn sein Rücken mitspielt, ist er einer der besten Keeper in der Bezirksliga) oder Johua van Osten und Fabian Thiel ("Sie werden mehr Verantwortung übernehmen müssen") exemplarisch nur einige Namen auf. Thorsten Westphal ist jedenfalls weit davon entfernt, aufgrund fehlender Neuzugänge vom ursprünglichen Plan abzuweichen und bereits jetzt A-Junioren aus seinem ehemaligen Team hochzuziehen. Sie sollen ihren Weg in der U19 fortsetzen, auch wenn dies (leider) in der Landesliga sein werde (siehe nebenstehenden Text). Westphal: "Sie brauchen auch die Zeit, um sich an das Körperliche zu gewöhnen."

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Nach bisher erst zwei Trainingseinheiten wird der VSK Osterholz-Scharmbeck am 22. Juli in die Vorbereitung für die neue Saison gehen – sofern ein Spielbetrieb im September möglich sein wird. Gegebenenfalls wird der Trainingsstart nach hinten verschoben, weil „acht Wochen Vorbereitung zu lang wären“. Dem neuen Coach schwebt eine „vernünftige Mittelfeldrolle“ vor. In erster Linie gilt es aber, die Mannschaft zu einen und den Spaß in den Vordergrund zu stellen. Die Formel lautet dabei: Teamspirit plus Spaß gleich Erfolg. Westphal: „Wir wollen einfach eine andere Grundstimmung erzeugen. Für mich steht der Spaß auch vor der Taktik. Keine Taktik bringt etwas, wenn es im Team nicht funktioniert.“

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