Gerichtsurteil

Gefunden oder gestohlen

Ein 57-jähriger Pennigbütteler ist vom Amtsgericht Osterholz-Scharmbeck zu einer achtmonatigen Freiheitsstrafe verurteilt worden. Er hatte sich wegen des Diebstahls eines Motorrollers zu verantworten.
13.03.2019, 17:59
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Von Friedrich-Wilhelm Armbrust
Gefunden oder gestohlen

Das Gericht schenkte der Version des Angeklagten keinen Glauben.

David-Wolfgang Ebener/dpa

Osterholz-Scharmbeck. Wegen zweier Straftaten hatte sich jetzt ein 57-Jähriger aus Pennigbüttel am Amtsgericht Osterholz-Scharmbeck zu verantworten. Zunächst ging es um Sachbeschädigung und versuchten Wohnungseinbruch. Außerdem stand der Angeklagte wegen des Diebstahls eines Motorrollers im Wert von etwa 500 Euro vor dem Kadi.

„An den 2. Juni 2018 hat er keine Erinnerung. Er war vielleicht da und wusste, dass das Haus seit mehr als zehn Jahren leer steht. Er hat unter erheblichen Alkoholeinfluss die Scheiben eingeschlagen. Das will er nicht bestreiten“, sagte Verteidiger Christian Rosse über seinen Mandanten. In der Beweisaufnahme stellte sich aber heraus, dass dem 57-Jährigen die Sachbeschädigung, vor allem die eingeschlagene Scheiben, nicht nachzuweisen war. Insofern waren sich Anwalt Rosse und Strafrichter Matthias Dittmayer darin einig, den Pennigbütteler vom Vorwurf der Sachbeschädigung und des versuchten Diebstahls freizusprechen. Als sicher galt, dass niemand an jenem Juni-Tag das Haus betreten hatte. „Da ist auch nichts wegzuholen gewesen“, sagte dazu die 64-jährige Miteigentümerin aus, die als Zeugin geladen worden war.

Beim Roller verhielt es sich komplizierter. Das lag vor allen daran, dass der 26-jährige Eigentümer bei der Polizei im November vergangenen Jahres angegeben hatte, dass sich der Diebstahl nach seiner Einschätzung zwischen 20.30 Uhr abends und 7 Uhr morgens abgespielt haben müsse. Dagegen war aber der Angeklagte am Tag des Diebstahls, es war der erste November-Sonntag 2018, nachmittags gegen 17 Uhr von einem Zeugen mit dem Roller beobachtet worden.

Dazu vernahm das Gericht auch den 26-Jährigen als Zeugen. Dieser schränkte nun seine ursprünglichen Angaben ein. Er habe sich bei seinem Schwager in Buschhausen am Sonntagnachmittag ein Werder-Spiel angeschaut, so der Student. Zu Hause kam er nach seinen Worten nicht vor 18.40 Uhr an. „Da habe ich aber nicht darauf geachtet, ob der Roller da ist. Ich bin auf den Hof gefahren und dann direkt ins Haus“, räumte er ein.

Auf jeden Fall stellte der 26-Jährige am Montagmorgen gegen 7 Uhr fest, dass der Roller verschwunden war. „Ich bin dann durch Pennigbüttel gefahren und habe den Leuten Bescheid gegeben.“ Mit Erfolg: Ein Landwirt hatte den orangefarbenen Roller beim Angeklagten entdeckt. Der 57-Jährige wiederum gab an, er habe den Roller nur gefunden und anschließend auch die Polizei verständigt.

Strafrichter Dittmayer jedoch hatte sich selbst darüber bei der Polizei informiert. Laut dem Richter war kein entsprechender Anruf bei der Polizei eingegangen. Er halte es für erwiesen, so der Richter, dass der Pennigbütteler den Roller stiebitzt hatte. Was um so schwerer wog, weil diese Straftat vom 57-Jährigen unter zweifach laufender Bewährung begangen worden war. Hinzu kam, dass inzwischen 33 Eintragungen im Bundeszentralregister stehen. Darunter befinden sich Diebstähle und Körperverletzung.

Für den Staatsanwalt stand fest: „Das ist Diebstahl im besonders schweren Fall.“ Es gebe keine Grundlage für eine Bewährung. Eine „günstige Sozialprognose“ sehe er nicht. Darum beantragte der Staatsanwalt eine Freiheitsstrafe von zehn Monaten, die nicht zur Bewährung auszusetzen seien. Dem schloss sich der Strafrichter weitgehend an. Er verhängte eine Freiheitsstrafe von acht Monaten.

Der Verteidiger wollte dagegen auch in diesen Fall auf einen Freispruch hinaus. In seinem sogenannten letzten Wort vor der Urteilsverkündung beteuerte der 57-Jährige noch einmal seine Unschuld: „Ich habe damit nichts zu tun. Den habe ich gefunden. Ich habe bei der Polizei angerufen.“

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