Amtsgericht Osterholz-Scharmbeck Geldstrafe und Fahrverbot für Worpsweder

Vor dem Amtsgericht musste sich jetzt ein 38-jähriger Worpsweder wegen Nachstellung, Nötigung, Körperverletzung, Beleidigung und Bedrohung verantworten - Ergebnis eines Beziehungsstreits mit seiner Ex-Freundin.
28.01.2022, 10:00
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Von Fritz Armbrust

Osterholz-Scharmbeck. Gleich mit einer Handvoll an Anklagepunkten sah sich ein 38-jähriger Worpsweder bei einer Verhandlung vor dem Amtsgericht in Osterholz-Scharmbeck konfrontiert. Der Worpsweder hatte sich wegen Nachstellung, Nötigung, Körperverletzung, Beleidigung und Bedrohung zu verantworten. Die Nachstellung betraf seine Exfreundin, die Nötigung und Körperverletzung einen 21-Jährigen und die Beleidigung und Bedrohung einen weiteren 21-jährigen aus Grasberg.

Alle Delikte waren ineinander verwoben. Im Zentrum stand aber der Beziehungsstreit zwischen dem 38-Jährigen und seiner 37-jährigen Exfreundin. Sie sagte als Zeugin aus, dass der Worpsweder nicht damit zurecht gekommen sei, dass sie sich von ihm getrennt habe. Seit März 2020 habe es eine mehrmonatige Trennungsphase gegeben, so die 37-Jährige. Ab Anfang August 2020 sei endgültig Schluss gewesen. „Er hat mich aber immer wieder kontaktiert und versucht, mich umzustimmen. Ich habe mich immer wieder darauf eingelassen“, räumte die 37-Jährige ein.

Der Staatsanwalt fragte, ob der Worpsweder ihr „aufgelauert“ habe. „Der stand überall, auch im Garten. Es gab Klingelterror“, war die Antwort.

Zwischenfall an der Tankstelle

Mitte August 2020 kam es gegen 22 Uhr zu einem Zwischenfall an einer Tankstelle an der Worphauser Landstraße. Hier traf der Angeklagte auf seine Exfreundin und den 21-Jährigen. Die beiden wollten sich dem Worpsweder entziehen, setzten sich in ihre Autos und fuhren davon. Doch der 38-Jährige folgte ihnen. Dabei wurden laut dem als Zeugen gehörten 21-Jährigen er und die 37-Jährige von dem Worpsweder durch dessen Fahrweise in Bedrängnis gebracht, was als Nötigung ausgelegt wurde.

Mitte Februar 2021 kam es in einem Worpsweder Supermarkt zu einem Vorfall, bei dem es sich laut Anklage um eine Körperverletzung handelte. Der 21-Jährige berichtete, dass der Angeklagte ausgeholt, gegen seinen Oberschenkel getreten und ihm mit der Faust ins Gesicht geschlagen zu haben. Seine Oberlippe sei dadurch aufgeplatzt, und er habe eine Prellung auf dem Oberschenkel davongetragen. Die 37-Jährige sei bei der Auseinandersetzung „dazwischen gegangen“. Der Angeklagte bestritt den Vorwurf. „Das war eine einfache Backpfeife. Ich habe nicht mit der Faust geschlagen.“ Einen Tritt gegen das Bein habe es auch nicht gegeben, so der Worpsweder. Seine Verteidigerin Monique Radtke verwies darauf, dass es sich bei dem Aufeinandertreffen um „eine zufällige Begegnung“ gehandelt habe. Das sei keinesfalls eine zufällige Begegnung gewesen, hielt dem Anwalt Yunus Yigit entgegen. Er vertrat den 21-Jährigen.

Zeuge hat Angst um sein Leben

Zu einer Begegnung kam es Anfang März 2021 zwischen dem Angeklagten und dem 21-jährigen Grasberger, als der Worpsweder den Mann zu Hause aufgesuchte. „Ich wusste nicht, was er von mir wollte. Er hat mich tierisch angeschrien“, sagte der Grasberger als Zeuge aus. Er sei als Lügner bezichtigt worden. „Du wirst schon sehen, was du davon hast. Das wird ein Nachspiel haben“, habe der 38-Jährige zu ihm gesagt. Außerdem habe der Angeklagte eine Bewegung gemacht, ihm den Kopf abzuschneiden, was ihm den Vorwurf der Bedrohung und Beleidigung einbrachte. „Ich hatte Angst um mein Leben. Der hat mich tierisch auf dem Kieker.“ Der Grasberger war bei dem Vorfall Mitte August 2020 dabei gewesen und kam als Zeuge in Betracht. Auch im Gerichtssaal war ihm die Anspannung noch anzusehen.

Im Verlauf des Prozesses wurde immer wieder deutlich, dass Welten zwischen dem Angeklagten und seiner Exfreundin liegen. Angeklagte haben das Recht, in einem Prozess Zeugen zu befragen. Davon machte auch der Worpsweder Gebrauch. So fragte er, wie es sich damit verhalte, dass sich beide zwischen September und Dezember 2020 „einvernehmlich“ getroffen hätten.

Staatsanwalt hat keine Zweifel

Der Staatsanwalt sah den „Sachverhalt für erwiesen“ an. Er hielt alle Zeugenaussagen für glaubhaft. Er beantragte eine Gesamtstrafe entsprechend den fünf Anklagepunkten von 120 Tagessätzen zu 60 Euro, 7200 Euro. Außerdem sprach er sich für ein Fahrverbot aus. Anwalt Yunus wollte auf eine Freiheitsstrafe von nicht über neun Monaten hinaus.

Verteidigerin Radtke verwies darauf, dass es sich bei diesem Fall um „einen Trennungskomplex“ handele, der „sich hingezogen“ habe. Bei dem Aufeinandertreffen mit dem Grasberger im Februar 2021 müsse „die emotionale Aufgewühltheit berücksichtigt“ werden. „Im August 2021 war aber das letzte Aufeinandertreffen. Seitdem ist Ruhe“, gab Radtke zu bedenken. Von einem Fahrverbot sollte abgesehen werden, weil ihr Mandant aus beruflichen Gründen seinen Führerschein benötige. Sie bat um ein mildes Urteil.

Strafrichterin Johanna Kopischke verhängte eine Gesamtstrafe für alle fünf angeklagten Taten von 140 Tagessätzen zu 60 Euro, 8400 Euro. Weiter gab es ein Fahrverbot von zwei Monaten. Der Worpsweder habe „die Lebensgestaltung“ der 37-Jährigen „erheblich beeinträchtigt“, machte die Richterin unter anderem in ihrer Urteilsbegründung deutlich.

Zur Sache

Definition Nötigung

Nötigung beinhaltet, dass jemand durch Gewalt oder durch eine Drohung so unter Druck gesetzt wird, dass er Angst um Leib und Leben bekommt und dadurch zu einem bestimmten Verhalten gezwungen wird. Dies geschieht im Straßenverkehr, indem jemand  zum Beispiel drängelt, schneidet, ausbremst oder gewagt überholt, etwa bei Gegenverkehr. Deshalb muss der Betroffene möglicherweise gefährlich ausweichen oder schlagartig abbremsen. Nötigung im Straßenverkehr ist eine Straftat und keine Ordnungswidrigkeit. Sie ist mit einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder Geldstrafe belegt.

Darüber hinaus gibt es weitere Nötigungsdelikte wie zum Beispiel sexuelle Nötigung, oder wer eine Schwangere zum Schwangerschaftsabbruch nötigt oder seine Befugnisse oder seine Stellung als Amtsträger missbraucht. Diese Vergehen werden mit Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu fünf Jahren bestraft.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+