Neue Gewerbeansiedlung

Parkplatz wird zum Baufeld

An der Pennigbütteler Straße wollen sich weitere Gewerbebetriebe ansiedeln. Zuvor aber muss der Bebauungsplan geändert werden, damit auf dem ehemaligen Parkplatz einer Diskothek gebaut werden kann.
16.04.2021, 05:30
Lesedauer: 3 Min
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Von Christian Valek
Parkplatz wird zum Baufeld

Bewegung im Gewerbegebiet am Binnenfeld: Der ehemalige Parkplatz der Diskothek "Sehnsucht" soll bebaut werden. Zuvor wird das Thema im Planungsausschuss beraten.

Christian Valek

Osterholz-Scharmbeck. Das Planungsverfahren für das ehemalige Kellner-Gelände geht in die nächste Runde. Dort soll der ehemalige Parkplatz der Diskothek „Sehnsucht“ bald als Baufläche für die Gewerbeansiedlung dienen. Das Thema kommt im Planungsausschuss am Mittwoch, 21. April, zur Beratung auf den Tisch.

Eigentlich sollte das betreffende Areal einmal zu einem Einzelhandelsstandort werden. Nachdem diese Pläne scheiterten, stellte Immobilien- und Grundstücksbesitzer Frank Grotheer im Mai 2020 den Antrag, die Stellplatzfläche im Bereich Pennigbütteler Straße 56 zu einer gewerblich nutzbaren Baufläche umzuwandeln (wir berichteten). Nach Beratungen im Ausschuss für Planung und Stadtentwicklung im Juni 2020 und im Verwaltungsausschuss wurde im Juli 2020 beschlossen, dem Antrag zu entsprechen und den Bebauungsplan Nr. 30 „Am Binnenfeld“ entsprechend zu ändern. Nach etwa einjähriger Pause kommt nun wieder Bewegung in die Sache.

Klassisches Gewerbegebiet

Auf Initiative von Unternehmer Frank Grotheer ist an der K5 ist ein klassisches Gewerbegebiet geplant. Durch eine „abweichende Bauweise“ soll dort auch erlaubt sein, Gebäude mit mehr als 50 Meter Länge zu errichten. Die maximal zulässige Haushöhe orientiert sich an den umliegenden Gebäudehöhen, wie es in der Sitzungsvorlage heißt. Die Erschließung der Fläche soll direkt über die angrenzende Pennigbütteler Straße (K5) geschehen.

Grotheer hatte 2020 beschlossen, sich vom ehemaligen Kellner-Gelände zu trennen. Zugleich endete damit ein Tauziehen um die Weiterentwicklung des Areals zu einem Einzelhandelsstandort. Gut zehn Jahre hatte Grotheer immer wieder probiert, das Gelände neu zu beleben. Alle Versuche schlugen fehl. Die Interessenten kamen, nannten ihre Vorstellungen in Bezug auf die nötige Verkaufsfläche und winkten aufgrund der Vorgaben durch die Genehmigungsbehörden ab. Immer wieder stand der Schutz von vorhandenen Märkten und innenstadtrelevanten Sortimenten im Vordergrund. Der Misserfolg machte den Osterholzer Geschäftsmann mürbe. Am Ende standen alle Gebäude samt Grundstückanteile zum Verkauf.

Wie Grotheer auf Nachfrage der Redaktion betont, sei die Vermarktung mittlerweile abgeschlossen. Mit den neuen Eignern der Flächen seien Vorverträge geschlossen worden. Nun würden alle Beteiligten sehnsüchtig auf die mögliche Genehmigung hinfiebern, um am Standort loszulegen.

Pläne mit der Diskothek

Grotheers Pläne für das benachbarte Gebäude der Diskothek „Sehnsucht“ hingegen ruhen derzeit. Der Unternehmer wollte die dortige Diskothek verkleinern und um einen Restaurantbetrieb erweitern. Die Mitglieder des Stadtrats gaben dem Vorhaben bereits im Juni 2017 grünes Licht (wir berichteten). Grotheer wollte die Diskothek im Obergeschoss verkleinern, das Untergeschoss vergrößern und dort ein Restaurant mit 250 Sitzplätzen einrichten. Die Planungen sehen dazu vor, das 400 Quadratmeter große Erdgeschoss durch einen Anbau und eine angegliederte 130 Quadratmeter große Betriebswohnung auf insgesamt 850 Quadratmeter Größe zu bringen. Neben dem Disko-Betrieb waren auch Musikdarbietungen mit und ohne Tanzveranstaltungen vorgesehen. Kleinkunst- und Varieté-Vorstellungen, eine Spielhalle, ein Billardcafé oder einen Billardsalon sowie der Betrieb von Schank- und Speisewirtschaften sollten ebenfalls möglich sein.

Aufgrund der Corona-Pandemie aber lasse er weitere Planungen am Standort zurzeit ruhen, betont Grotheer. „Ich kann jetzt noch nichts machen.“ Er ist unsicher, wie es nach der Corona-Krise weitergeht. Die Zukunft sehe für Gastronomen alles andere als vielversprechend aus. „Es wird zu einem riesigem Umbruch kommen, wenn die Corona-Pandemie vorbei ist“, ist Frank Grotheer überzeugt. Das Gastrogewerbe sei doppelt gekniffen: „Es gibt keine Einnahmen und keine Perspektive.“

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Zur Sache

Blick zurück

Die Ratsmitglieder sind seit mehr als zehn Jahren mit einer möglichen Neuordnung am Binnenfeld befasst. Schon 2009 war Frank Grotheer mit dem Einzelhandelsriesen Edeka im Gespräch, um das etwa 10.000 Quadratmeter große ehemalige Kellner-Areal zu vermarkten. Es war geplant, unter anderem einen Supermarkt an der Pennigbütteler Straße anzusiedeln. Die Verkaufsfläche sollte 1500 Quadratmeter betragen, 131 Parkplätzen sollten angelegt werden. Der Markt sollte langfristig vermietet werden, so der Plan. Ein frühzeitiges Beteiligungsverfahren stoppte die Anstrengungen: Dem Nahversorger sollte aufgrund von Verträglichkeitsgründen mit bereits angesiedelten Firmen nur eine Verkaufsfläche von 800 Quadratmetern zugebilligt werden. Edeka winkte ab. Auch der Sonderpostenmarkt Jawoll wollte von der Industriestraße 5 an die Pennigbütteler Straße ziehen, benötigte aber eine Verkaufsfläche von in 2016 angefragten 2900 Quadratmetern. Letztlich sollten aber nur 1800 Quadratmeter freigegeben werden. Folglich scheiterte auch dieses Verfahren. Jawoll blieb in Sichtweite des Geländes, am alten Standort. Grotheer entschied sich daraufhin, die Gesamtfläche aufzuteilen, um die Grundstücke einzeln an Gewerbetreibende zu verkaufen.

Weitere Informationen

Die öffentliche Sitzung des Ausschuss für Planung und Stadtentwicklung findet am Mittwoch, 21. April, ab 16 Uhr in der Mehrzweckhalle der IGS statt. Die Kontaktdaten der teilnehmenden Bürgern werden erfasst, um bei einer möglichen Corona-Infektion alle Personen kontaktieren zu können. Nach drei Wochen werden die Daten gelöscht.

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