Amtsgericht fällt Urteil

Badezimmer-Filme: 28-Jähriger zu Geldstrafe verurteilt

Er wollte heimlich im Badezimmer filmen und flog auf: Ein 28-Jähriger ist vor dem Amtsgericht zu einer Geldstrafe verurteilt worden.
18.01.2021, 05:32
Lesedauer: 2 Min
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Von Friedrich-Wilhelm Armbrust

Osterholz-Scharmbeck. Sie sind kleiner als ein Smartphone und machen perfekte Aufnahmen: Die Rede ist von Mini-Kameras. Mit genau einer solchen hatte ein 28-Jähriger aus Hockenheim heimlich versucht, bei einem Besuch in Osterholz-Scharmbeck seine Gastgeberin zu filmen. Später hätte er die Aufnahmen auf seinem Smartphone oder Computer anschauen können. Doch sein Plan schlug fehl: Das Vorhaben wurde entdeckt. Und nun hatte sich der Mann wegen Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs vor dem Amtsgericht Osterholz-Scharmbeck zu verantworten.

Ende Januar 2020 versteckte er das Gerät im Badezimmer zweier junger Frauen aus der Kreisstadt, bei denen er zu Besuch war. Eine von beiden hatte der Hockenheimer über das Internet kennengelernt. Bei zwei weiteren Frauen habe er das Ganze schon einmal in der Vergangenheit versucht, räumte er vor Gericht ein. „Da kam ich auf die Idee, es auch bei ihnen zu versuchen.“ Gerade bei seiner Internet-Bekanntschaft habe er zudem gewußt, dass er bei ihr "keine Chance hatte“.

Weiter gab der Angeklagte auf Rückfrage von Strafrichterin Johanna Kopischke etwas kleinlaut zu: „Ich wollte meine Gelüste stillen.“ Die Richterin bohrte nach, ob er es einmal mit einer Therapie versucht habe. Der Angeklagte erwiderte, dass er diese „mehr probemäßig“ bei einer Psychologin ausprobiert habe. „Es gab fünf Gespräche. Aber ich war nicht wirklich offen. Ich hatte Angst, war zurückhaltend und habe nicht viel Bereitschaft gezeigt." Doch er habe vor, es noch einmal mit Hilfe von außen zu versuchen.

Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft fragte, wie die Eltern des Hockenheimers auf die Anklage reagiert hätten. „Die waren enttäuscht. Aber sie halten zu mir.“ Daran fügte er an, dass er nicht vorgehabt habe, das Material im Internet hochzuladen. „Ich wollte niemanden Schaden zufügen.“ Auch habe er nur seine Internet-Bekanntschaft im Blick gehabt, aber nicht deren Freundin.

Im Strafgesetzbuch ist die Angelegenheit klar umrissen. „Mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer von einer anderen Person, die sich in einer Wohnung oder einem gegen Einblick besonders geschützten Raum befindet, unbefugt eine Bildaufnahme herstellt oder überträgt und dadurch den höchstpersönlichen Lebensbereich der abgebildeten Person verletzt“, heißt es dazu unter anderem. Eindringlich machte die Staatsanwältin dem 28-jährigen Angeklagten klar, dass die Wohnung „ein geschützter Rückzugsort“ ist. Das gelte besonders für das Bade- und das Schlafzimmer. „Da ist man angreifbar.“ Auch hinsichtlich der Aufnahmen hätten die betroffenen Frauen keinen Einfluss gehabt, „was Sie mit den Bildaufnahmen gemacht hätten“, stellte sie fest. Sie beantragte eine Geldstrafe von 70 Tagessätzen zu zehn Euro, 700 Euro.

Dieser Argumentation und dem Strafmaß schloss sich Strafrichterin Kopischke weitgehend an. Wegen Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs verurteilte sie den Angeklagten zu einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu zehn Euro, 600 Euro. Dabei hielt sie dem Hockenheimer zugute, dass es noch keine Eintragungen im Bundeszentralregister gab. Sie hob noch einmal hervor, dass sich ein Mensch in den eigenen vier Wänden geschützt wissen sollte.

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