Herdwick-Herde hat Hunger Volle Wolle am Erikaweg

In Heilshorn geht man andere Wege, um das dortige Regenrückhaltebecken zu pflegen: Ab sofort sind 60 englische Schafe im 24-Stunden-Einsatz unterwegs.
05.08.2020, 05:59
Lesedauer: 3 Min
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Von Christian Valek

Heilshorn. Gut 60 Schafe verleihen der Ortschaft Heilshorn neuerdings Modellcharakter. Die Tiere sind ab sofort als Rasenmäher im Regenrückhaltebecken am Erikaweg im Einsatz. Bei den Osterholzer Stadtwerken, die das Gelände der Stadt bewirtschaften, setzen die kuscheligen Tiere neue Gedankenspiele in Gang. Man könnte sie auch an anderer Stelle zur Landschaftspflege einsetzen.

Holger Heier war sofort Feuer und Flamme für die Wollknäuel. Auch die anderen Heilshorner hatten bei einem Ortstermin mit Schäfer Ralf Reinhardt im weitläufigen Regenrückhaltebecken sichtlich Freude. Kinder machten sich sofort über die blökenden Flauschgesellen her. Die aber hatten andere Pläne, als still zu halten und sich Kopf und Rücken kraulen zu lassen. Nur das Futter, das Hobbyschäfer Ralf Reinhardt mitgebracht hatte, zügelte kurz ihre Unruhe. Sobald es aufgefressen war, zogen sie wieder ab in Richtung Sonnenuntergang.

Schließlich haben sie eine Aufgabe: Die weitläufige Wiese mit dem kanalartigen Aussehen soll in spätestens vier Wochen abgegrast sein. Scheinbar ein Kinderspiel für die robuste Schafrasse von der britischen Insel. Davon konnten sich Frieder Lüße von der Stadtverwaltung und Daniela Rahn von den Stadtwerken ebenfalls überzeugen. In ihrem Beisein machten sich die Tiere ohne Unterlass über den satten Weidewuchs her. „Auch Disteln und Brennnesseln schmecken denen“, erläuterte Reinhardt ganz nebenbei. Wie die piekenden Gewächse den Weg schmerzlos über die feine Zunge in den Magen der Tiere finden, sei auch ihm ein Rätsel, bekannte er. Selbst an kleinen Sträuchern und zarten Bäumchen würden sie ihre Freude haben. „Sie haben hier auf der Wiese alles, was sie lieben und brauchen.“ Deshalb weist Reinhardt ausdrücklich darauf hin, dass die Tiere bitte nicht gefüttert werden.

Der Hobbyschäfer hat die Herdwick-Schafe vor mehr als zehn Jahre aus England erstmals nach Deutschland geholt, wie er betont. In Hoope haben die winterfesten Wolllieferanten ein neues Zuhause gefunden. Mittlerweile ist seine Herde auf knapp 60 Tiere angewachsen. Diese sollen zwei bis drei Mal im Jahr im Regenrückhaltebecken am Erikaweg zum Einsatz kommen. Für Ralf Reinhardts Tiere ist der Auftritt in der Region keine Premiere: Die Schafe sind bereits auf dem Gelände des Fotovoltaik-Kraftwerks in Bargten als genügsame Gäste bekannt.

Daniela Rahn hat weitere Pläne mit den Wollknäueln. Die Tiere könnten auch in anderen Regenrückhaltebecken helfen, den Wuchs im Zaume zu halten, ist sie überzeugt. „Wir haben bereits in Lintel Schafe im Einsatz gehabt“, sagt sie. Letztlich aber müssten auch die Bedingungen für die Halter stimmen. Nicht jeder Rückhaltebereich sei gut genug umzäunt. Zudem müsse man bedenken, dass Regenrückhaltebecken an sich technische Bauwerke sind. Demnach seien Einzelfallentscheidungen nötig. „Der Wille ist auf jeden Fall da.“

Frieder Lüße vom Bauamt der Stadt hat das Öko-Projekt angeschoben. „Wir mähen hier mit einem Gerät, dass kein CO2 ausstößt“, sagt er stolz. Damit erreiche man ein Stück weit Einklang mit der Natur. Auch in finanziellen Hinsicht sei das Projekt für alle Beteiligten lohnenswert. Denn bisher rückten Mitarbeiter eines Gärtnereibetriebs an, um das etwa 12 000 Quadratmeter große Wiesengelände zu mähen. Dafür brauchten sie mehrere Tage. Und Mähen alleine reichte nie aus. Das Schnittgut musste anschließend von Böschung und Beckensohle abgeharkt und abtransportiert werden. Andernfalls hätte loses Material die Zu- und Abflüsse verstopfen und damit die Funktion des Bauwerks einschränken können. Immerhin diene es dem Hochwasserschutz nach Starkregenereignissen. Auch deshalb müssen immer wieder Büsche und Sträucher aus dem Rückhaltebecken entfernt werden.

Inwieweit die Schafe das durch das Abweiden der Fläche gleich mit erledigen, muss die Zukunft zeigen. Ortsvorsteher Holger Heier jedenfalls ist glücklich, dass die Tiere am Erikaweg im Einsatz sind. Auch die Anwohner seien einverstanden, dass hin und wieder ein Schaf blöke, merkte er an. Das habe er bei einem Rundgang durch das Quartier so erfragt. Außerdem seien die Schafe nur wenige Wochen zu Gast. „Ich finde jedenfalls toll, dass Ralf Reinhardt Interesse hat mitzumachen“, sagte Heier.

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