Neue Vorsitzende im Erntefest-Komitee

"Ich bin eine rheinische Frohnatur"

Die letzten Wochen vor dem Erntefest sind für die Organisatoren stressig. Laura Zaß, die neue Vorsitzende des Pennigbütteler Komitees, genießt das regelrecht. "Ich bin eine rheinische Frohnatur."
01.08.2018, 18:04
Lesedauer: 3 Min
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Von Michael Schön
"Ich bin eine rheinische Frohnatur"

Laura Zaß freut sich auf das Erntefest in Pennigbüttel. Als neue Vorsitzende des Komitees investiert sie viel Arbeit, um zum Gelingen der Veranstaltung beizutragen.

Christian Valek

Osterholz-Scharmbeck. Die Veränderung an der Spitze des Pennigbütteler Erntefest-Komitees ist eine einschneidende: Auf Lebenserfahrung folgte im April Jugend, auf eine männliche Besetzung eine weibliche. Bricht jetzt eine neue Ära an? Laura Zaß winkt ab: „Warum etwas ändern, was sich bewährt hat?“ Die 32-jährige Personalreferentin, bei einem Industrieunternehmen mit Hauptsitz Bremen beschäftigt, hat in der jüngsten Jahreshauptversammlung Hans-Heinrich Beyrich abgelöst und gerät so richtig ins Schwärmen, wenn sie auf das Pennigbütteler Erntefest angesprochen wird. „Weil es vom ganzen Dorf getragen wird.“

Ein Rad greife dort ins andere: „Die Feuerwehr nimmt die Absperrungen für die Umzüge vor, die Landjugend richtet das Tauziehen aus, und der Sportverein stellt das Gelände für den Festplatz zur Verfügung.“ Es gibt jede Menge Synergien. Feuerwehrleute sind zugleich Mitglieder in der Landjugend oder im Sportverein. Die Vereinswirtin schlüpft in die Rolle der Zeltwirtin.

Die Pennigbütteler kennen auch keine Nachwuchssorgen, wie sie als Folge des demografischen Wandels viele Vereine plagen. „Der Jüngste im Komitee ist 20 Jahre alt.“ Laura Zaß sieht ihre Aufgabe daher darin, „das fortzuführen, was Hans-Heinrich Beyrich aufgebaut hat“. Der Langzeitvorsitzende, der seinen Posten im Frühjahr zur Verfügung gestellt hat, hatte schon vor einigen Jahren versucht, seine Nachfolge zu regeln, von Laura Zaß aber einen Korb bekommen, weil die erst Klarheit über ihre berufliche Zukunft haben wollte. Beyrich stand dem Komitee 14 Jahre vor. Davor war übrigens der Männergesangsverein bei der Vorbereitung federführend. Unter Beyrichs Regie öffnete sich das Komitee für alle Mitbürger. Inzwischen gehören auch die Kinder und Enkelkinder des früheren Vorsitzenden dem Komitee an.

Obwohl das Komitee besonders in den Wochen vor dem Erntefest – in diesem Jahr wird vom 31. August bis zum 2. September die offiziell 105. Auflage gefeiert – viel zu tun bekommt, genießt Laura Zaß diese Zeit. „Es ist ja alles positiver Stress. Der Spaß ist schließlich Voraussetzung, um diese ehrenamtliche Arbeit verrichten zu können.“ Worauf sie sich am meisten freut? „Auf die Gespräche, mit den Menschen die ich kenne und mit den mir Unbekannten, die ich kennen lerne.“

Laura Zaß bezeichnet sich augenzwinkernd als „rheinische Frohnatur“. Tatsächlich ist sie in Moers geboren, einer Stadt im äußersten Westen des Ruhrgebiets. Dort führt am Karneval kein Weg vorbei. Ein Brauch, der im Nordwesten eine eher untergeordnete Rolle spielt. Dafür gibt es aber das Erntefest, "schon für uns Kinder der Höhepunkt des Jahres", so die spätere Komitee-Vorsitzende.

Die Familie zog in den Norden, als die Tochter fünf Jahre alt war. In Scharmbeckstotel besuchte sie die Grundschule. In Pennigbüttel lebt sie seit ihrem neunten Lebensjahr. Und zwar sehr gerne. „Ich mag mein Dorf.“

2008 musste sie es im Rahmen ihres Studiums für längere Zeit verlassen. In Brasilien schloss sie Bekanntschaft mit dem Karneval in Olinda, neben denen in Salvador und Recife der größte des südamerikanischen Staates. „Das war ein ganz anderer Karneval als der in Rio, nicht so sehr vom Kommerz geprägt, sondern noch ein echter Straßenkarneval für die dort lebenden Menschen.“ Und zwar mit Forró, dem Paartanz aus dem Nordosten des Landes.

Das Erntefest-Komitee in Pennigbüttel zählt 30 Mitglieder. Unter ihnen unterschiedliche Alters- und Berufsgruppen. „Wir versuchen, uns kontinuierlich zu verbessern“, versichert die Vorsitzende. Wenn etwas verändert werde, gehe es auf Gemeinschaftsentscheidungen zurück, die während der monatlichen Zusammenkünfte getroffen werden. Da geht es um Fragen wie jene, welche Band die Live-Musik für den Festball am Sonnabend liefern soll.

An bestimmten Traditionen will man in Pennigbüttel auf keinen Fall rütteln. Dazu gehört der Brauch, den Erntekarren des Komitees mit echtem Blumenschmuck zu dekorieren. „Das ist natürlich ein erheblicher Aufwand und wird daher nur noch selten gemacht. Wir legen aber eben gerade darauf großen Wert.“ Die Pennigbütteler haben eigens ein Feld gepachtet, auf denen sie die Dahlien für das Erntefest heranwachsen lassen. Komitee-Mitglied Horst Nest kommt jeden Tag, um es zu bewässern.

Auch Laura Zaß hat selbstverständlich keine Zeit, in diesen Tagen Urlaub zu machen. Sie nimmt sich ohnehin lieber im Winter eine berufliche Auszeit. Mit Freund und Snowboard zieht es sie in die Berge.

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