Beifall für städtebaulichen Entwurf Neuer Blick auf alten Bach

Der von Berliner Stadtplanungsbüros vorgelegte städtebauliche Entwurf für das innerstädtische Sanierungsgebiet ist vom zuständigen Fachausschuss mit einhelligem Beifall bedacht worden.
19.05.2021, 13:59
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Von Michael Schön

Osterholz-Scharmbeck. Der Scharmbecker Bach hat an seinen Ufern einst viele Menschen ernährt. Starkes Gefälle am Rande der Geest ermöglichte den Betrieb etlicher Wassermühlen sowie gutes Auskommen und hohes Ansehen für die Tuchmacher in der Stadt. Vernachlässigt, begradigt und in Rohren gebändigt, verschwand er in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts aber stellenweise aus dem Stadtbild. Für Philipp Rösner vom Bauforum Berlin "nicht genutztes Potenzial". Der Wasserlauf, andernorts schon wieder freigelegt und renaturiert, soll im Zuge der Innenstadtsanierung in Scharmbeck wieder an die frühere Bedeutung anknüpfen und vor allem beim Thema "Aufenthaltsqualität" eine Hauptrolle übernehmen. In ihrem städtebaulichen Entwurf, den Rösner und Philipp Quack am Dienstag im Ausschuss für Planung und Stadtentwicklung vorstellten, geben die  Architekten und Stadtplaner von der Spree folgendes Versprechen ab: "Durch die Öffnung des Scharmbecker Baches für die Stadt wird ein neuer, atmosphärischer Raum geschaffen, der in dieser Qualität eine Einmaligkeit für den Innenstadtbereich darstellt."

Brunhilde Rühl schlug für die städtische CDU-Fraktion einen ähnlich schwärmerischen Ton an ("Da geht einem das Herz auf!"), wie überhaupt der gesamte Fachausschuss den vom Sieger des Realisierungswettbewerbs präsentierten Entwurf mit großem Beifall aufnahm. Mit einem einstimmigen Votum wurden die nächsten Verfahrensschritte  eingeleitet, mit denen die Neuordnung des mit Fördertopf-Millionen gepäppelten Sanierungsgebietes weiter vorankommen wird. Auf den städtebaulichen Entwurf können die Änderungen der Bebauungspläne aufsetzen, die in den kommenden Jahren vorgenommen werden müssen, um die Stadt zukunftsfähig zu machen. Gleichzeitig stellt er die Grundlage für den hochbaulichen Realisierungswettbewerb dar, den die Kirchengemeinde St. Willehadi für das geplante Begegnungszentrum ausgelobt hat und dessen Ergebnisse für Oktober erwartet werden.

Aufwertung des Baches

Der 50 Seiten starke Entwurf widmet dem Scharmbecker Bach hohe Aufmerksamkeit und weist ihm Schlüsselaufgaben zu ("Innerstädtischer Naturerlebnis- und Erholungsraum"). Ökologisch und wasserbaulich aufgewertet, könne er wieder in das Stadtbild "integriert werden". Mit dem Fließgewässer, das sich in Nord-Süd-Richtung durch die Stadt zieht, und der Platzabfolge mit dem Herzstück Kirchenplatz haben die Architekten im aktuellen Bestand des bearbeiteten Bereichs zwei Hauptstränge identifiziert, auf denen sie ihr Konzept aufbauten. Der Kirchenplatz mit seinem dreieckigen Grundriss wird im Entwurf gründlich umstrukturiert. Das neue Begegnungszentrum bildet die nördliche Raumkante des Platzes, während der Jennersche Garten "auf die Flucht der Kirche eingekürzt" wird und mit Bestandsgehölzen und einer neuen Baumreihe neben der St. Willehadi-Kirche die östliche Platzkante bildet. Südlich und westlich werde die Bebauung erhalten. Weitere wesentliche Elemente sind der ehemalige Mühlenteich als "grüne Oase" und das neue Entrée zum Stadtpark hin, das den Verzicht auf das Pastorenhaus voraussetzen würde.

Wasserterrasse

Die Berliner brachten eine gehörige Portion Detailschärfe in ihre Vorstellungen: So schlugen sie für das in Marktplatz-Reichweite liegende Regenrückhaltebecken ein schwimmendes Holzdeck vor, "das als eine Art Wasserterrasse zum Verweilen und Erholen einlädt".  Es könne mit Liegestühlen ausgestattet und gastronomisch genutzt werden. Bauamtschef Frank Wiesner machte indes auf Nachfragen hin darauf aufmerksam, dass mit dem Votum für den Entwurf keine Festlegungen dieser Art getroffen würden. "Es handelt sich um eine strategische Planung, auf deren Basis dann weitergemacht werden kann."

Ungeachtet dessen riskierten die Sitzungsteilnehmer schon so manchen Blick mit der Lupe auf die Pläne. Während Wilfried Pallasch (Bürgerfraktionsgruppe) gelegentlich ein wenig Platzangst bekam, wenn er an Märkte, Feste und Konzerte dachte, erschien Anja Heuser (Grüne) der Platz vor der Kirche eher als zu groß, um ihn nachhaltig belebt zu bekommen. Jörg Monsees (SPD) mutete die Anordnung von Bäumen stellenweise "zu militärisch" an.

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"Unterschiedlicher zeitlicher Horizont"

Der städtebauliche Entwurf macht nicht nur Vorschläge für den Scharmbecker Bach, Kirchenplatz und  Portal zum Stadtpark, sondern auch für den Straßenraum "Hinter der Wurth" (Verlegung des Wendehammers und Verkehrsberuhigung). Er geht auf Themen wie  eine "Lichtbespielung" des Stadtraums, auf Fassaden- und Dachgestaltung sowie die Materialität der Pflasterung von Straßen, Wegen und Plätzen ein. So wird für die Umgestaltung der Straße "Hinter der Wurth" zum Shared-Space-Bereich ab Kreuzung "Am Hang" an die Verwendung von Klinkersteinen und einem "mittigen Streifen aus gesägtem Kopfsteinpflaster" für den neuen Straßenbelag gedacht. "Dieser Abschnitt sollte durch seine Gestaltung und Materialität klar als Teil der Innenstadt ablesbar werden."

In ihrem Ausblick weisen die Architekten aus Berlin darauf hin, dass der zeitliche Horizont für die Umsetzung einzelner Maßnahmen sehr unterschiedlich gesehen werden müsse und daher eine Realisierung in Einzelschritten notwendig sei. "Während die Planung des Begegnungszentrums unmittelbar bevorsteht, wird eine Entwicklung des Baufeldes südlich des neuen Parkeingangs erst deutlich später erfolgen."

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