Ärger in Pennigbüttel

Kahlschlag an der Bahntrasse

Plötzlich waren dicke Eichen weg und der ungefilterte Lärm da: Eine Pennigbüttelerin hat nach einem Kahlschlag an der Bahntrasse jetzt auch den Bürgermeister eingeschaltet.
04.11.2019, 16:42
Lesedauer: 3 Min
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Von Christian Valek
Kahlschlag an der Bahntrasse

In Höhe Lookstraße in Wiste hat die Deutsche Bahn AG an derTrasse zwischen Osterholz-Scharmbeck und Bremerhaven etliche große Bäume gefällt.

CHRSITIAN VALEK

Ulrike Eykamp ist entsetzt. Die Deutsche Bahn AG hat in Wiste dicke Eichen entlang der Bahntrasse fällen lassen. Nun dringt der Schienenlärm von ihrer Grundstücksgrenze ungefiltert bis ans Schlafzimmerfenster. Zudem sei sie vorab nicht über die Fällarbeiten auf ihrem Grundstück informiert worden, betont sie. Bürgermeister Torsten Rohde hat sich in die Debatte eingeschaltet. Und auch die Untere Naturschutzbehörde der Kreisverwaltung ist aktiv geworden.

Ulrike Eykamp hat sich vor 14 Jahren entschieden, ihr Haus an den Bahngleisen zu kaufen. Zuvor habe sie lange überlegt, sagt sie im Gespräch mit dem OSTERHOLZER KREISBLATT. Zwar fahre die Deutschen Bundesbahn „durch ihren Garten“. Dafür aber habe sie viel Grün ringsherum – und hohe Eichen am Kopfende des Grundstücks. „Dadurch musste ich nicht dauernd auf die Gleise

schauen.“

Eichen schützten vor dem Lärm

Die belaubten, hohen Eichen hätten sie immerhin im Sommer ein wenig vor dem Lärm geschützt. Auch, wenn der Betrieb auf dem Gleisen in den vergangenen 15 Jahren deutlich zugenommen habe. Mittlerweile halten lange Güterzüge immer wieder mit quietschenden Bremsen an der Signalanlage hinter Ulrike Eykamps Haus. Auch dieses Qietschen hallt nun ungebremst zum Gebäude herüber. Und Lärmschutzwände wird sie nicht bekommen. „Die werden dort drüben erst aufgestellt“, erzählt sie und zeigt nach Nord-Osten. „Da sind aber nur Felder.“

Bei der Maßnahme geht es nach Auskunft der Bahn um den Erhalt des Regellichtraumprofils, um Signalsichten und Schutzabstände.

Bei der Maßnahme geht es nach Auskunft der Bahn um den Erhalt des Regellichtraumprofils, um Signalsichten und Schutzabstände.

Foto: CHRSITIAN VALEK

Mit den Eichen ist es nun vorbei. In einer umfangreichen Aktion hat die Bahn kürzlich am Bahndamm in Höhe Pennigbüttel zig große Bäume fällen lassen. Die kettenbetriebenen Räumfahrzeuge seien ohne Anmeldung über Ulrike Eykamps großes Grundstück gefahren und hätten das Erdreich an vielen Stellen tief aufgewühlt, moniert die Pennigbüttelerin. Sie ärgert vor allem, dass sie vorab nicht per Brief informiert worden war. „Es hatte kurz vorher jemand an der Tür geklingelt und gefragt, ob er unser Grundstück betreten kann“, erinnert sich ihr Mann. Aber zwischen Betreten und Befahren mit Kettenfahrzeugen sei für sie ein bedeutender Unterschied, betont Ulrike Eykamp. Vor allem, wenn der Garten hinterher so aussehe. Auch das Astwerk und die Stämme müssten ja irgendwo gelagert werden, betont sie. „Die Arbeiter haben nur ihre Arbeit getan“, sagt sie. Ihr Zorn richte sich nicht gegen sie, betont die Pennigbüttelerin.

Freier Blick auf die Gleise

Nun ist der Blick frei auf den Gleisstrang in ganzer Breite. Nur vereinzelt waren Bäume stark beschnitten worden, damit sie stehen bleiben konnten. Die meisten Bäume fielen der Kettensäge zum Opfer. „Ich höre die Züge in ungefilterter Lautstärke und bin erschüttert, dass so etwas möglich ist.“

In ihrer Wut hat Ulrike Eykamp sich an Bürgermeister Torsten Rohde gewendet. Der hat seinerseits bei der Bahn nachgefragt. Ergebnis: Die zuständige DB Fahrwegdienste GmbH beruft sich auf die Verkehrssicherungspflicht auf dem Sechs-Meter-Bereich am Gleis. Es gehe unter andrem um den Erhalt des sogenannten Regellichtraumprofils, wie das Unternehmen mitteilt.

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In der E-Mail, die dem OSTERHOLZER KREISBLATT vorliegt, werden darüber hinaus der „Erhalt der Signalsichten“ sowie „Schutzabstände zu spannungsführenden Teilen“ angeführt. „Da diese Bäume bereits vor eine paar Jahren radikal halbseitig ausgeastet wurden und daraufhin einen starken Schrägstand bildeten und nun erneut die Schutzabstände unterschritten, wurden diese gesamthaft entnommen“, heißt es im E-Mail-Text.

Die „Bearbeitung der Strecke“ sei bereits im April/ Mai 2019 der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises angezeigt worden, teilt die DB-Gesellschaft mit. Damals habe man den Hinweis gegeben, dass im Oktober, in der Fäll- und Schnittzeit, weitergehende Maßnahmen erfolgen würden.

Ortstermin mit Bahn-Vertretern

Torsten Rohde weist darauf hin, dass es aufgrund der „geschilderten Umstände“ in dieser Woche einen Erörterungstermin mit Vertretern der Deutschen Bahn und der Stadtverwaltung geben soll. Auch die Untere Naturschutzbehörde wird darüber beraten, ob eine „Zuständigkeit der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Osterholz gegeben ist“, hat die Kreisverwaltung Ulrike Eykamp auf Nachfrage mitgeteilt.

Die Pennigbüttelerin schimpft über „die Vernichtung wertvoller Bäume ohne Rücksicht auf Verluste“. Und sie glaubt, dass in diesem Fall mit zweierlei Maß gemessen wird. Als sie als Privatperson eine kranke Kastanie am Haus fällen musste, habe sie für die Genehmigung und eine angemessene Ersatzpflanzungen viel Geld bezahlen müssen. „Die Bahn aber darf alte, gewachsene und gesunde Eichen ohne Absprache und Information an die Eigentümer der anliegenden Grundstücke fällen“, ärgert sie sich. „Da stimmt doch irgendetwas nicht?“

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