Klarheit im Kettensägenstreit Landkreis entlastet Landwirt

Kettensägen hatten die Anwohner vom Schnepfenweg im Januar aufgeschreckt. Die Nachbarn witterten Umweltfrevel. Die Waldbehörde sieht das anders, wie sich nun herausstellte.
27.03.2020, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Christian Valek

Heilshorn. Mitte Januar hatte eine Baumfällaktion am Schnepfenweg für Irritationen gesorgt. Anwohner hatten einem Landwirt, der mehrere Eichen am Straßenrand gefällt hatte, Naturfrevel unterstellt (wir berichteten). Die Waldbehörde des Landkreises war eingeschaltet worden, um den Sachverhalt zu klären. Nun liegt das offizielle Prüfungsergebnis vor: „Der Waldbesitzer durfte die Fällungen vornehmen“, teilt Landkreis-Sprecherin Jana Lindemann auf Nachfrage mit.
Der Landkreis Osterholz als zuständige Waldbehörde habe festgestellt, dass es sich im konkreten Fall um eine sogenannte ordnungsgemäße Forstwirtschaft handelt. Damit geht es beim betroffenen Flurstück um Wald im Sinne des Waldrechts. Die vorgenommenen Fällungen seien also nicht zu beanstanden.
Ein Landwirt hatte am Sonnabend, 18. Januar, mehrere Bäume auf seinem Grundstück am Schnepfenweg gefällt. Der Besitzer des Waldstücks war mit Traktor, Anhänger und Hilfskräften angerückt, um Holz zu schlagen. Das Rattern der Kettensäge hatte die Bewohner am Frühstückstisch aufgeschreckt. Kurz nachdem die ersten Bäume gefallen waren, stellten ihn die Anwohner zur Rede. Sie bezweifelten die Rechtmäßigkeit der Sägearbeiten, wollten die Fällgenehmigung einsehen und warfen dem Mann und seinen Helfern Naturfrevel vor. Die Emotionen schlugen hoch. Es habe zeitweise Aufregung geherrscht, wie Ortsvorsteher Holger Heier weiß.
Der Landwirt indes war sich keines Fehlers bewusst, kritisierte Anwohnerin Cornelia Plötz im Gespräch mit der Redaktion. Sie und andere Anwohner machten klar, dass mit den Fällarbeiten der Lebensraum von Eulen, Fledermäusen und Ameisen zerstört werde.
Heilshorns Ortsvorsteher Holger Heier wurde von den aufgebrachten Anwohnern telefonisch um Hilfe gebeten und schaute am Schnepfenweg vorbei. Vor Ort versuchte er, den Streit zu schlichten. Am Ende wurde vereinbart, dass die Arbeiten ruhen sollten, bis Klarheit über den Geländestatus herrsche.
In den Folgetagen hatten Mitarbeiter des Ordnungsamtes der Stadt die Fällstelle besucht, um sich ein Urteil zu bilden. Die Kreisbehörde wurde eingeschaltet; Landkreis-Mitarbeiter schauten sich ebenfalls am Schnepfenweg um. Auch ein Vertreter des Nabu war vor Ort.
Die Anwohner des Schnepfenwegs hatten schon damals im Gespräch mit der Redaktion zugesagt, die Fakten anzuerkennen. Trotzdem ärgere sie das Vorgehen des Landwirts. Niemand habe sie über die bevorstehenden Arbeiten in Kenntnis gesetzt, so ihr Vorwurf im Januar. Auch das vor Ort geäußerte Argument des Waldbesitzers, dass die Fällungen aus Sicherheitsgründen erfolgen würden, wollen sie nicht gelten lassen. „Wir müssen sensibel werden, was mit der Natur passiert“, sagte Cornelia Plötz.
Holger Heier rät dazu, bei Baumfällarbeiten in der Nachbarschaft besonnen zu reagieren. „Dieser Landwirt hat im konkreten Fall nichts Unrechtes getan“, betonte Heier im Gespräch mit der Redaktion.

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