Amateurfunker laden ein

Kurzwelle gegen Langeweile

Zum Jubiläum ihres Ortsvereins laden Mitglieder des Deutschen Amateur Radio Club (DARC) Teufelsmoor für Sonntag, 21. Juli, von 11 bis 17 Uhr auf dem Gelände von Gut Sandbeck zu einem Tag der offenen Tür ein.
16.07.2019, 16:35
Lesedauer: 3 Min
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Von Christian Valek
Kurzwelle gegen Langeweile

Die Amateurfunker des DARC-Ortsverbandes Teufelsmoor laden anlässlich des 50. Jahrestags der Gründung für Sonntag, 21. Juli, zum Tag der offenen Tür nach Gut Sandbeck ein. Unter anderem Mathias Dahlke (links) und Eckhart Suhling freuen sich auf Besucher.

Christian Valek

Osterholz-Scharmbeck. 50 Jahre nach der Vereinsgründung wollen die Funkamateure aus Teufelsmoor erneut ein Signal in die Welt schicken: Zum Jubiläum ihres Ortsvereins veranstalten sie einen Tag der offenen Tür. Die Mitglieder des Deutschen Amateur Radio Club (DARC) wollen am Sonntag, 21. Juli, von 11 bis 17 Uhr auf dem Gelände von Gut Sandbeck zeigen, wie vielfältig ihr Hobby sein kann. Wer noch kein Wellenjäger ist, kann es an diesem Tag werden.

Das Rauschen, Pfeifen und Gurgeln seines Empfängers bringt Eckart Suhling nicht aus der Ruhe. Der Kurzwellen-Freund kurbelt bedächtig am Regler auf der Suche nach Morselauten im Netz. Im Rauschen wird er fündig. Für den Laien kaum wahrnehmbar, hat Suhling in offenbarer Ferne einen rhythmischen Klang wahrgenommen. Die Szenerie erinnert ein wenig an Jodie Foster im Kinofilm „Contact“, die als Funkamateurin ein verschlüsseltes Radiosignal aus dem Weltall empfängt. „Da haben wir ja jemanden“, freut sich Suhling. Schnell steht fest: Der Funkfreund kommt aus Italien. Das gehe aus dem Rufzeichen, das aus einer Buchstaben- und Zahlenkombination besteht, hervor. Diese Kennung wird einem jedem lizenzierten Funkamateur zugeteilt.

„Das Hobby ist unfassbar vielseitig“, sagt Mathias Dahlke, stellvertretender Vorsitzender vom DARC-Ortsverband. Mit seiner Meinung ist er in guter Gesellschaft: Der Club vom Teufelsmoor hat insgesamt 48 Mitglieder. Er gehört damit zu den sechs großen Funkvereinen in der Region, wie er betont. „Normalerweise sind es im Durchschnitt zehn bis 15 Mitglieder.“

Beim Tag der offenen Tür wollen sie weiter Interessierte werben. Dazu sollen Sprechfunk- und Morsetelegrafie-Geräte im Betrieb auch unter freiem Himmel vorgeführt werden. Zudem ist eine Digitalfunkanlage auf dem Gelände von Gut Sandbeck aufgebaut, um Funkamateure in der Welt zuzuschalten. Ein besonderes Augenmerk legen die Aktiven auf Kinder. Sie können mit dem Lötkolben eine LED-Taschenlampe herstellen oder einen Schubladensirene basteln.

Im Herbst 2018 hatten sie schon einen großen Auftritt vor Schülern: Zusammen mit Jugendlichen der Integrierten Gesamtschule (IGS) Osterholz-Scharmbeck stellten die Amateurfunker eine Leitung zur Internationalen Raumstation (ISS) und Alexander Gerst her. Dahlke erinnert sich an diese aufregende Aktion. Alles sollte wie am Schnürchen klappen. Fast eineinhalb Jahre habe man sich auf dieses Event vorbereitet. Hinzu kam, dass durch den Flug der Raumstation und der Erdkrümmung ein nur gut zehnminütiges Zeitfenster für die Schüler zur Verfügung gestanden habe, um dem deutschen Astronauten ihre Fragen zu stellen.

Und dann das: Wenige Minuten vor dem Funkkontakt mit dem All brach die Stromversorgung am Boden zusammen. Wasser hatte den Weg in eine Kabeltrommel gefunden und dort einen Kurzschluss ausgelöst. Nur weil man eine Notstromversorgung gehabt habe, sei das Gespräch mit Gerst zustande gekommen, erinnert sich Dahlke. Offenbar war es eine Art Reifeprüfung für die Funker aus dem Teufelsmoor. Als Erinnerung an das Engagement wird am Veranstaltungstag in der Scheune auf Gut Sandbeck erneut der Film gezeigt, der das Gespräch mit Alexander Gerst dokumentiert.

Für sie ist es Hobby, das der Völkerverständigung diene. Als Beleg dieser These dienen zahlreiche Postkarten von Funkamateuren aus anderen Ländern, die die Teufelsmoor-Funker aus USA, Australien oder Japan zugeschickt bekommen haben. Die sogenannten QSL-Karten sind Sammlerobjekte, die bestätigen, dass der Funkkontakt bestanden habe.

Auch Suhling hat eigene Karten mit seiner Funk-Kennung, die er wiederum in ferne Länder verschickt. Und wie es sich gehört, tragen seine Karten ein Motiv der Landschaft um Teufelsmoor herum.

Wer Lust bekommen hat, die Funkamateure vom Teufelsmoor einmal persönlich kennenzulernen, hat nun Gelegenheit dazu. Die Mitglieder des DARC-Ortsverbandes aus dem Osterholz-Scharmbecker Norden präsentieren sich am Sonntag, 21. Juli, von 11 bis 17 Uhr auf dem Gelände von Gut Sandbeck.

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