Auftakt bei „OHZ mit Herz“

So lief der Start der Osterholzer Youtube-Plattform

Die Osterholzer YouTube-Plattform „Mein OHZ mit Herz“ ist mit einem live gestreamten Afterburner-Konzert in der Stadthalle gestartet. Ohne Publikum vor Ort, aber mit umso größerem Elan.
08.06.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Christa Neckermann
So lief der Start der Osterholzer Youtube-Plattform

Die Techniker haben beim ersten Livestream-Konzert in der Stadthalle Osterholz-Scharmbeck alles im Blick und im Griff.

Christian Kosak

Der Techniker in der Stadthalle hält die Hand hoch. „Wir sind live in fünf, vier, drei, zwei, eins…“ Kamera und Licht richten sich auf Landrat Bernd Lütjen. Er steht vor der Bühne, auf der sich das ganze technische Equipment ausbreitet, das heute zum Standard einer Top-Band gehört. Lütjen hat ein T-Shirt der Initiative „Mein OHZ mit Herz“ übergestreift. Das Projekt will Initiativen aus der Bevölkerung aufgreifen und Angebote machen, „um den Bewohnern des Landkreises ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern“. Lütjen: „Ich begrüße Sie, euch, ganz herzlich – leider nicht persönlich - hier in der Stadthalle, aber dafür an den Bildschirmen, vor den Rechnern, IPads, IPhones – wo auch immer.“

Zum Auftakt war es den Initiatoren gelungen, die Rocklegenden aus dem Landkreis Osterholz, die Afterburner, für ein live gestreamtes Konzert aus der Stadthalle zu gewinnen. In nur drei Wochen – von der Idee bis zur Bühnenshow – schafften es die „Möglichmacher“, wie Landrat Lütjen das Team um Stadthallen-Projektmanager Jan-Dirk Jung nannte, eine anspruchsvolle Veranstaltung samt eigenem YouTube-Kanal auf die Beine zu stellen.

Tische voll mit technischer Ausrüstung

Dort, wo seit 1997 gern 1000 Gäste und mehr mit den Afterburnern „Burning Christmas“ feiern, standen nun Tische mit allerhand technischer Ausrüstung vom Feinsten. Mathias Boschen hatte extra noch so einiges an Ausrüstung beschafft, um der Herausforderung gerecht zu werden. „Die Techniker, die sich hier um Licht und Sound kümmern, stehen sonst Künstlern wie Versengold, Xavier Naidoo oder Andrea Berg zur Seite“, erzählt Boschen. „Aber sie sagten, sie fänden das Projekt spannend und wollten unbedingt hier dabei sein!“

Spielfreude auch ohne Publikum: Die Afterburner geben trotz leerer Ränge alles.

Spielfreude auch ohne Publikum: Die Afterburner geben trotz leerer Ränge alles.

Foto: Christian Kosak

Nun aber Ruhe. Bernd Lütjen hat seine einleitenden Worte beendet. Aus dem Off ertönt die Einlauf-Hymne der Afterburner, der Titelsong des A-(fterburner)Teams. „A church house gin house, a school house outhouse. On highway number nineteen…” röhrt Leadsänger Tjalf Hoyer dann in das Mikrofon, leider im Saal fast nicht hörbar. “Das Mikro wird ja nicht wie sonst bei einem Konzert über die Lautsprecher ausgegeben, sondern ins Internet gestreamt“, erklärt Jan-Dirk Jung. Vor der Bühne fangen zwei E-Kameramänner, Tino Gäfke und Patrick Schulte, die Bewegungen der Band auf der Bühne ein, während Kameramann Adrian Leu von einem bühnenhohen Podest aus die ganze Bühne im Blick hat. Marcel Gerken und Markus „Mao“ Boos halten ihren Blick konzentriert auf das Lichtpult gerichtet und sorgen im richtigen Augenblick für farbenprächtige Lichtexplosionen auf der Bühne.

Zuhörer aus Brasilien und Bayern

Am Schlagzeug der Afterburner verausgabt sich Ulrich Wortmann, Felix Weidenhöfer und Maximilian zur Jacobsmühlen bearbeiten die Gitarren, Sebastian Ascher, erst seit 2018 dabei, lässt dem Bass keine Zeit zur Ruhe und Wilhelm Kandt hat das Keyboard voll im Griff. Am Soundpult sorgt Timo Hollmann dafür, dass der Klang der Afterburner in bester Qualität beim Publikum an den Endgeräten ankommt. Das Audio Mastering haben Oliver Sroweleit und Gunnar Maatz vom Studio Nord in Bremen übernommen. Sroweleit war zudem für den Livestream-Mix verantwortlich, und Reinhard Schwedes kümmerte sich um die Netzwerktechnik.

Stadthallen-Geschäftsführer Matthias Renken murmelt, ein kühles Bier in der Hand haltend: „Es ist so toll, endlich wieder Musiker auf dieser Bühne zu haben.“ Bernd Lütjen, der nach seiner kurzen Ansprache jetzt auf dem Weg zu seiner eigenen Afterburner-Party im heimischen Garten ist, bestätigt: „Es ist Wahnsinn, was hier geleistet wurde.“ Auch Stadtwerke-Geschäftsführer Christian Meyer-Hammerström hat es sich nicht nehmen lassen, zusammen mit seinem Sohn die Auftaktveranstaltung von Mein OHZ mit Herz vom Hintergrund der Stadthalle aus zu verfolgen. „Es ist großartig, mit welcher Geschwindigkeit das hier auf die Beine gestellt wurde. Da kriegt man Gänsehaut von innen.“

Leere Tische und Stühle in der Osterholzer Stadthalle, aber auf der Bühne rockt die Band. Wichtig auch beim Streamen über den Youtube-Kanal: Alles muss ins richtige Licht gesetzt werden.

Leere Tische und Stühle in der Osterholzer Stadthalle, aber auf der Bühne rockt die Band. Wichtig auch beim Streamen über den Youtube-Kanal: Alles muss ins richtige Licht gesetzt werden.

Foto: Christian Kosak

„Es ist wichtig, euch zu sehen. Wir stellen uns vor, wie ihr jetzt tanzt“, spricht Sänger Tjalf in sein Mikro und meint damit sowohl das imaginäre Publikum vor der Bühne als auch die Zuhörer an ihren Geräten. Die Techniker an ihren Pulten können ihren Bewegungsimpulsen immerhin insoweit nachgeben, als dass Hüften gewackelt und Fußspitzen gewippt werden. Landkreissprecherin Jana Lindemann zeigt Matthias Renken ihr IPad: „Es sind schon 500 Aufrufe! Sogar aus Brasilien, Florida und Bayern.“ „Wenn man rechnet, dass mindestens zwei Personen pro Aufruf sich den Stream ansehen, kann man sagen, dass wir mindestens so viele Leute erreicht haben, wie sonst zum Konzert in die Stadthalle gekommen wären“, freut sich Renken.

Seit 1997 dabei

Zugeschaltet sind auch zwei Freundinnen, die in Osterholz-Scharmbeck zusammensitzen. Bei Rotwein und Chips lauschen Sonja und Susanne den Afterburnern. „Ich bin seit 1997 bei jedem Afterburner-Konzert in der Stadthalle dabei“, erzählt Sonja. Sie sei mit den Jungs zur Schule gegangen, berichtet sie weiter. „Findest du nicht, dass sich Tjalf ein wenig erschöpft anhört? Oder liegt das an der Technik?“, fragt sie die Freundin. „Kann ich nicht sagen, aber die Jungs sind ja jetzt auch schon fast 25 Jahre dabei.“ Auf dem großen TV-Schirm rocken die Afterburner. Die „Kids in America“ und „Baby, one more time” fahren auch Sonja und Susanne in die Füße. Mit dem Weinglas in der Hand tanzen die beiden zur Musik ihrer Jugend.

Auf der Bühne der Stadthalle geben die Afterburner alles. Ohne Pause, ohne Publikum. Nach „Joyride“ und „The Joker“, die die Band als Zugabe spielen, legen die Mannen ihre Instrumente zur Seite. Normalerweise würde jetzt in der Stadthalle langanhaltender Applaus aufbranden. Der Applaus, der von den wenigen nicht mit technischen Aufgaben Beschäftigten kommt, ist lang und herzlich, aber doch bedeutend leiser als sonst gewohnt. Nach dem Konzert bekennt Tjalf Hoyer, die größte Herausforderung sei tatsächlich die Abwesenheit des Publikums gewesen. Die Rückmeldung, die sonst vom Publikum komme, sei nicht da gewesen, sodass sich die Band mehr habe konzentrieren müssen. „Aber es war ein großartiges Erlebnis.“

Das Konzert ist auf YouTube unter „Mein OHZ mit Herz“ abrufbar.

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