Nachwuchsdichter ausgezeichnet

Die Rückkehr zur Dichtkunst

Bis 2013 ermutigte der ehemalige Deutschlehrer Wolfram Schott die Schüler des Gymnasiums Osterholz-Scharmbeck zu dichten. Nach mehrjähriger Pause hat die Schule nun den Lyrikwettbewerb wieder ausgeschrieben.
16.09.2020, 05:22
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Von Christa Neckermann
Die Rückkehr zur Dichtkunst

Ruben Rademacher (links) gehört zu den erfolgreichen Teilnehmern des wiederbelebten Lyrikwettbewerbs des Gymnasiums Osterholz-Scharmbeck.

Fabian Wilking

Osterholz-Scharmbeck. Das Land der Dichter und Denker – dieser Ausdruck wurde wahrscheinlich im frühen 19. Jahrhundert geprägt und bezog sich auf die Deutschen. 1993 kehrte der Aspekt der Dichtung ans Gymnasium Osterholz-Scharmbeck zurück. Anlass: Der Vater von Wolfram Schott hatte gelesen, dass ein Professor behauptete, die Jugend würde nicht mehr dichten. Wolfram Schott, damals selbst Deutschlehrer am Gymnasium, wollte das nicht so stehen lassen und rief den Schott-Lyrik-Preis ins Leben. Damit hatten alle Schüler der Bildungseinrichtung Gelegenheit, sowohl den unbekannten Professor als auch andere Zweifler eines Besseren zu belehren. Das taten sie 20 Jahre lang bis 2013. Und immer stiftete Wolfram Schott, selbst nachdem er 2005 in Pension gegangen war, den Preis.

Nun haben die Schulleitung und der Fachbereich Deutsch beschlossen, die Tradition des Literaturwettbewerbs wieder aufleben zu lassen. Als Sponsor der Preise konnte die Buchhandlung „Die Schatulle“ gewonnen werden. „Wir haben uns viel Mühe gegeben, für jeden Preisträger das passende Buch zu finden“, versicherte Sabine Gartmann.

Früher hatte Schott selbst die Preisträger ausgewählt. Nun fällte eine Jury die Entscheidung. Elke Hénocque, Dr. Burkart Roloff, Alexandra Seba und die stellvertretende Schulleiterin Ulrike Stepp hatten sich dazu durch 28 eingereichte Werke aus den Klassenstufen fünf bis 13 gearbeitet. In den fünften bis siebten Jahrgängen nahmen 14 Jugendliche am Wettbewerb Teil. Unter den Acht- bis Zehntklässlern beteiligten sich sechs Nachwuchs-Dichter, und in der Oberstufe waren es acht Lyrikbegeisterte, die sich auf die Suche nach Reim und passender Wortwahl machten. Das Motto des diesjährigen Wettbewerbs: „Wege“. Mein Weg – Fluchtweg – unterwegs – all dieses beschäftigte die Schüler.

„Wir haben über einige der Arbeiten recht hitzig debattiert und uns die Entscheidungen nicht leicht gemacht“, sagte Elke Hénocque, bevor die jungen Preisträger ihre Werke vortrugen. Jula Böschen, Delal Aba und Ruben Rademacher aus der Unterstufe machten den Anfang. Jula Böschen beschrieb ihren Weg als einen Traum, in dem sie Stimmen in die eine oder andere Richtung drängen wollen. „Doch ich muss ihn gehen, meinen eigenen Weg, auch wenn er nicht wirklich geschrieben steht.“ Dafür bekam sie den dritten Preis.

Ruben Rademacher hatte in seinem Gedicht einen Spaziergang durch Paris verarbeitet. Für seine liebevoll gezeichnete Skizze erhielt er den zweiten Preis. Delal Aba hatte die Jury mit einer dunklen Skizze ihrer Seelenlandschaft überzeugt. „Diese dunkle Phase hört einfach nicht auf, denn ich hab‘ innerliche Wut in meinem Bauch“. Diese ehrlichen Worte waren der Jury den ersten Preis wert.

In der Mittelstufe ging der dritte Platz an Julius Messerschmidt, der in seinem Werk feststellte, dass mit Mut alles möglich ist. Hannah Prigge nahm den zweiten Preis mit nach Hause. Ihr Werk beschrieb ein Fluchtszenario. Auf den ersten Platz kam Lis Zühlke mit ihrem Gedicht „Unterwegs“, in dem sie einen Ritt mit ihrem Pferd beschreibt.

Die Zeilen von Philipp Voß (Oberstufe) eignen fast zum Rappen: „Blick‘ nach vorne, doch wir wissen, es ist schwer gewesen. Manchmal ist das Leben wie als würd‘ man Fährten lesen…“. Die Jury belohnte seine Arbeit mit dem dritten Platz. Helin Bilan war mit ihrem Beitrag „Nicht mehr unterwegs“: „Zu viel Stille lässt mich schier ertrinken, Ruhe bringt mich oft um den Verstand.“ Dafür belohnte sie die Jury mit dem zweiten Preis. Mehriban Cakar (Oberstufe) tanzte auf den Sternen mit – „Ich suche Vollkommenheit in den Funken, das kreisende Nichts tanzt mit den Sternen…" – auf den ersten Platz.

Musikalisch Begleitetet wurde die Preisverleihung vom Schulchor.

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