Maibaum für Pennigbüttel

Landjugend pflegt alten Brauch

Trotz Pandemie: In Pennigbüttel hat die Landjugend einem alten Brauch neues Leben eingehaucht. Die Landjugendlichen setzten den ersten Maibaum in der 805-jährigen Geschichte des Dorfes.
02.05.2021, 14:05
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Von Christa Neckermann
Landjugend pflegt alten Brauch

Ein paar frische Birkenzweige schmücken den ersten Maibaum, der in Pennigbüttel aufgestellt wurde. Die Idee kam aus der Landjugend.

Christian Kosak

Pennigbüttel. „Jetzt vorsichtig! Noch ein wenig nach links! Langsam absenken! Ja, er steht!“ Mit Fingerspitzengefühl bedient Wilfried Schuckert den Joystick der Kran-Fernbedienung, um den ersten Maibaum in 805 Jahren Pennigbütteler Dorfgeschichte zu setzen. Die Halterung dafür, ein Loch im neu angelegten Dorfplatz, war von den Planern des neuen Dorfmittelpunktes gleich mit angelegt worden, freut sich Ortsvorsteherin Martina de Wolff.

Die Idee zur Aktion kam von der Landjugend Pennigbüttel, deren 60 Mitglieder sich im vergangenen Jahr mit ihren Aktivitäten sehr zurückhalten mussten. Am 16. April war über Zoom auf der Jahreshauptversammlung der neue Vorstand der Landjugend gewählt worden. Die neue Vorsitzende, Insa de Wolff, verlas als erste Amtshandlung einen eigens für die Maibaum-Aufstellung gedichteten Text: „…und feiert mit uns 2021 den Traum – vom allerschönsten ersten Maibaum!“ Das ließen sich etliche Pennigbütteler nicht zweimal sagen, verteilten sich auf dem großzügig angelegten Dorfplatz und genossen das neue Vereinsbier.

In Deutschland reicht die Tradition des Maibaum-Setzens viele Jahrhunderte zurück. Einst stand der Maibaum für Fruchtbarkeit, Wachstum und Standhaftigkeit, in vielen Dörfern war der Brauch mit Brautschau und „Heiratsmarkt“ verknüpft. Besonders in Bayern und Hessen diente der Maibaum auch als Zeichen des Wohlstandes und für bürgerliches und gemeinschaftliches Bewusstsein. Die Frauen schmückten den Stamm mit Rindenschnitzereien, dann wurden Wappen- und Zunftschilder der ortsansässigen Handwerksbetriebe aufgehängt. Je größer und prächtiger diese Wappen waren, um so reicher und einflussreicher das Dorf. In Pennigbüttel zeigten sich die Gestalter des Maibaumes norddeutsch-zurückhaltend. Statt einer Fichte wurde ein ausgedienter, zehn Meter hoher Lichtmast des Sportvereins „Komet“, den Erika und Rolf Herling in den Ortsfarben Orange und Weiß angemalt hatten, ihn die Höhe gehievt. Die Spitze zierte eine junge Birke aus der Pennigbütteler Umgebung. Am Vortag hatte noch das Kranzbinden stattgefunden: Ein Metallring wurde von emsigen Helfern mit frischem Grün und bunten Bändern verziert.

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