Besonderes Hobby Mein Freund, der Vogel

Mit acht Jahren bekam Norbert Nowka seinen ersten Vogel, Jakob, den er großzog. Mittlerweile ist Nowka zwar im Ruhestand und hat schon viele Vögel aufgezogen. An Jakob erinnert er sich trotzdem noch genau.
09.01.2020, 17:52
Lesedauer: 3 Min
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Mein Freund, der Vogel
Von Maurice Arndt

Meinen allerersten Vogel habe ich mit acht Jahren bekommen. Damals fand ein Nachbar eine junge Dohle, die aus dem Nest gefallen war. Die hat mein Vater dann mir gegeben. Wir hatten zwar schon immer viele Vögel im Haus, weil mein Vater auch Falkner war, aber das war der erste, an den ich mich richtig bewusst erinnere. Den habe ich dann Jakob genannt: Jakob, die Dohle. Er war ein kleiner schwarzer Vogel und meine erste richtig große Beziehung mit einem Vogel.

Bei Dohlen wird das Verhältnis zwischen Mensch und Tier traditionell sehr eng – ein bisschen wie bei einem Papagei. Also das Tier erinnert sich an einen. Ich denke deswegen, dass nicht nur ich, sondern auch Jakob eine besondere Beziehung zu mir und meiner Familie hatte – also das hoffe ich zumindest.

Als er noch das berühmte flauschige Küken war, habe ich ihn eigentlich nur gefüttert: Eier, Insekten und Mehlwürmer hat er zum Beispiel bekommen. Dadurch gewöhnte er sich an mich und verlor die Scheu vor mir. Für Vögel ist diese frühe Zeit entscheidend, weil sie da sonst die Verbindung zu ihren Eltern aufbauen. Durch das Lernen mit Belohnungen, also Futter, können sie sich aber auch auf einen Menschen prägen. Ich finde dieses Verhältnis, das man mit dem Tier aufbaut, faszinierend und es ist ein Grund dafür, warum ich jetzt Falkner bin und Greifvögel aufziehe.

Irgendwann werden die Tiere dann flügge und es wird Zeit für den ersten großen Freiflug: Wenn man einen Vogel das erste Mal mit nach draußen nimmt, fliegen sie erst einmal weg, orientieren sich dabei und landen eventuell auf einem Baum. Währenddessen hofft man die ganze Zeit, dass er wirklich nur einmal eine Runde fliegt und wieder kommt, dass man in der Erziehung alles richtig gemacht hat und er nicht einfach die erste Chance ergreift und dem Entdecker-Reiz erliegt. Kommt der Vogel wieder zurück und landet das erste Mal wieder auf der Faust, ist das ein unbeschreiblich schönes Gefühl. Dann habe ich Herzklopfen. Respekt beim Anflug der Vögel habe ich nicht mehr, daran habe ich mich gewöhnt. Wobei der Schnabel und die Krallen natürlich beeindruckend sind. Aber erleichtert bin ich trotzdem, sobald er sitzt.

Bei Jakob war es sogar so, dass er irgendwann, als er frei in der Natur lebte, immer zu bestimmten Zeiten zu uns kam, wenn es Essen gab. Oder: Wenn ich von der Schule kam. Damals war ich ja erst acht Jahre alt und kam jeden Tag mit dem Rad von der Schule. Jakob wartete auf einem Baum und flog mir entgegen, sobald er mich sah. Dann setzte er sich auf meine Schulter und ist das letzte Stück mit geradelt.

Leider wurde er aber nur fünf Jahre alt. Eigentlich können Dohlen, wenn alles gut läuft, mindestens 15 Jahre alt werden. Aber Jakob war leider zu neugierig. Wir hatten neue Fenster bekommen und er hat dann an dem Fensterkitt herumgeknabbert, weil er das so interessant fand. Nur leider war da damals noch Blei drin und so hat er sich leider vergiftet.

Meiner Liebe zu den Tieren blieb aber bestehen. Kurze Zeit später hatte ich einen Habicht – mein erster Greifvogel. Mit dem habe ich das erste Mal kleinere Übungen gemacht. Irgendwann hatte ich auch meinen ersten Falken. Das sind für mich die schönsten Tiere, weil sie unheimlich ästhetisch sind und ihr Körper so perfekt an die Jagd angepasst ist. Was mich aber an allen Vögeln fasziniert, ist ihr Charakter. Nicht nur Männchen und Weibchen sind unterschiedlich, sondern auch die Geschwister. Wie bei einer richtigen Familie eben.

Aufgezeichnet von Maurice Arndt.

Info

Zur Person

Norbert Nowka ist 65 Jahre alt und zieht seit seinem achten Lebensjahr Vögel auf. Seinen ersten Vogel – eine Dohle – erhielt er von seinem Vater. Seit einem Jahr leitet er nun das norddeutschte Vogelmuseum in Osterholz-­Scharmbeck. Vor seinem Ruhestand war der ausgebildete Falkner Lehrer und zuletzt Schulleiter der Gundschule Uthlede.

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