OHZ - Eine Stadt räumt auf

Frühjahrsputz am Straßenrand

Bei der Aktion„OHZ – Eine Stadt räumt auf“ wurden auch in diesem Jahr wieder mehrere hundert Teilnehmer gezählt. Angesichts der gesammelten Müllmengen kam bei einigen motivierten Helfern auch etwas Frust auf.
12.04.2021, 05:15
Lesedauer: 4 Min
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Von Friedrich-Wilhelm Armbrust
Frühjahrsputz am Straßenrand

Nach kurzer Zeit waren schon viele Säcke gefüllt. Selbst Fahrräder und Koffer wurden achtlos in der Natur zurückgelassen.

Florian Sulzer

Osterholz-Scharmbeck. Thorsten Gebhardt und Peter Dörre vom Dorfgemeinschaftsverein Pennigbüttel hatten sich am Sonnabendmorgen nach Wiste aufgemacht. Der Grund: Sie beteiligten sich an der Aktion „OHZ - Eine Stadt räumt auf“. Es sei schnell gegangen, sagte Dörre, für den die Teilnahme schon Tradition habe: „Nach einer Stunde waren die Säcke voll.“ In die 200-Liter-Säcke wanderten Gebhardt zufolge Joghurtbecher, ein Handstaubsauger und eine große Menge an Fast-Food-Verpackungen. „Für ein mit Wasser vollgesogenes Großpaket mit alten Zeitungen mussten wir extra eine Schubkarre anfordern“, so Gebhardt. Transportiert wurden die Säcke zum Dorfplatz. Von dort sollten sie von der Abfall-Service Osterholz GmbH (Aso) zur endgültigen Entsorgung abgeholt werden.

Organisiert hatten die stadtweite Sammelaktion Thomas Kahnwald, Gabriele von Lessel-Drettmann und Kai Hardi Käppel vom Lions Club Osterholz. Der Aso stellte Container, Entsorgungsfahrzeug und Müllbeutel, Kahnwalds Architekturbüro zudem Handschuhe und Zangen. Die Stadt war mit zwei Bauhof-Mitarbeiter und einem Pritschenwagen dabei. Sie fuhren die vorgegebene Strecken ab, um Sperrmüll aufzuladen. Das war in Pennigbüttel auch nötig: Dort fiel den Sammlern ein Schlauchboot in die Hände.

Achtlosigkeit außerorts

Ortsvorsteherin Martina de Wolff zeigte sich angetan vom Engagement der Bürgerinnen und Bürger. „Ich bin total begeistert“, sagte sie. „Bei uns haben um die 90 Leute mitgemacht.“ Auch Kinder hätten sich beteiligt. „Die waren alle hochmotiviert.“ Diejenigen, die Müll und Unrat zusammentrugen, kamen de Wolff zufolge vor allem aus den Vereinen der Ortschaft, darunter der Reit- und Fahrverein, der SV „Komet“ Pennigbüttel und die Landjugend. „Wir fühlen uns verantwortlich“, waren sich Marleen Brockmann und Bea Hollenbeck in Pennigbüttel einig. Die beiden 22-Jährigen vom Reit- und Fahrverein stopften Flaschen, Verpackungen und auch Blumentöpfe in ihre Müllsäcke.

Die Siedlungen seien zwar sehr sauber gewesen, bilanzierte Ortsvorsteherin de Wolff. „Dagegen waren besonders die Ortsausgänge verdreckt“, setzte sie bedauernd hinzu. Thorsten Gebhardt teilte die Beobachtung: „Da werden einfach Gartenabfälle in der Landschaft entsorgt, statt sie zur Aso zu fahren.“ „Traurig“ fand es Helferin Heidi Wehmann, dass ausgerechnet dort Flaschen hingeworfen würden, wo auch Tiere liefen.

Doch nicht nur Vereine beteiligten sich an der Saubermach-Aktion. Vom Tiergarten Ludwigslust über Heidkrug bis zur Schwaneweder Straße arbeitete sich eine Frauengruppe durch. Zweieinhalb Stunden waren die Aktiven unterwegs. „Wir kennen uns noch aus der Schulzeit und haben den Kontakt bis heute gehalten“, sagte Berenice Scharf. „Und jeder hat dann noch seine Leute mitgebracht.“

Sie sei von Lisa „angesteckt“ worden, sagte die Kreisstädterin. Die 31-jährige Lisa heißt Knief mit dem Nachnamen und wohnt inzwischen in Bremen. „Ich sammle überall. Umwelt ist Umwelt“, so ihr Standpunkt. „Bei Kippenstummeln kann man sich totsammeln“, ärgerte sie sich. Darüber hinaus hat die Umweltaktivistin ausgemacht, dass To-Go-Becher und Fast-Food-Verpackungen „massiv“ an den Straßenrändern entsorgt würden, dazu viele entleerte Alkoholflaschen.

„Fast-Food-Verpackungen gab es auch bei uns eine ganze Menge“, bestätigte der Pennigbütteler Gebhardt. „Das ist erschreckend.“ Organisatorin von Lessel-Drettmann freute sich über das Interesse der Menschen, sich um eine saubere Stadt zu kümmern. „Die Rückmeldungen waren sehr gut. Da waren jetzt viele private Haushalte dabei.“ Bis Freitagabend habe es noch Anmeldungen gegeben. „Wir haben bis Donnerstag 500 Zangen ausgegeben. Aber viele haben noch ihre Zangen vom letzten Jahr gehabt.“ Neben den Familien hätten auch viele Vereine mitgemacht wie die Jugend des Deutschen Roten Kreuzes oder die Rotarier. „Zum ersten Mal waren auch Angehörige von ,Fridays for Future‘ mit dabei“, lobte Lessel-Drettmann.

SPD knöpft sich Bahnhofstraße vor

Unterdessen hatte sich der SPD-Ortsverein die Bahnhofstraße vorgenommen. Die Mitglieder fischten unter anderem ein Fahrrad aus dem Scharmbecker Bach. Auch Jeans und ein Autoreifen seien entdeckt worden, sagte Werner Schauer. „Immerhin haben wir dieses Mal keine Windeln gefunden“, zog er einen unappetitlichen Vergleich zu 2019.

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Bei der elften Auflage der Aktion wurden auch viele medizinische Masken und Desinfektionstücher gefunden.

Foto: Florian Sulzer

Auch Kai Hardi Käppel und Thomas Kahnwald hatten zu Zange, Sack und Handschuhen gegriffen. Käppel fiel die Menge an weggeworfenen Desinfektionstüchern auf. „Die Landschaftsvermüllung ist übel, übel“, ärgerte sich Kahnwald. Das sei beschämend. Er vermute, dass wieder zwischen fünf und sechs Tonnen Abfall zusammengekommen seien.

Info

Zur Sache

Als Schulprojekt angefangen

Im Jahr 2010 startete die Aktion „OHZ - Eine Stadt räumt auf“. Die Idee kam von Schülern der Integrierten Gesamtschule Osterholz-Scharmbeck. In einem Projekt des Fraunhofer-Instituts in Bremen hatten Zwölftklässler ein Konzept zur Sauberkeit und Verschönerung der Stadt erarbeitet. Seinerzeit machten etwa 300 Kreisstädter mit. Sie trugen insgesamt eine Tonne Müll von Plätzen, aus Gebüschen und vom Straßenrand zusammen.

Ein Jahr später waren es schon rund 650 Aktive von 31 Organisationen und Vereinen aus sämtlichen Ortschaften. „Inzwischen sind es fünf bis sechs Tonnen Müll, die da zusammenkommen“, sagt Thomas Kahnwald vom Lions Club Osterholz, der mit Gabriele von Lessel-Drettmann die Müll-Sammel-Aktion seit 2016 organisiert. Zuvor lag sie in den Händen von Björn Pfrommer und Wilfried Kalski, die sich in Stadtentwicklungsbeirat und Klosterholz-Verein engagierten.

Schirmherr ist Bürgermeister Torsten Rohde. Nach seinen Worten hat sich die Aktion als fester Termin im Kalender der Stadt etabliert. „Jeder weiß: So ein Frühjahrsputz kann sehr befreiend wirken.„ Rohde hofft, dass die Aktion auch sensibilisierend wirke, “damit der Müll im Sinne der Nachhaltigkeit nicht achtlos weggeworfen wird“.

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