Versanddienstleister vor Weihnachten

Rekordmengen im Paketgeschäft

Wenige Wochen vor Weihnachten hat bei den Paketdienstleistern die heiße Phase begonnen. Wer noch etwas versenden und sichergehen will, dass es vor Weihnachten am Ziel ist, sollte die Fristen beachten.
10.12.2020, 05:03
Lesedauer: 4 Min
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Von Christa Neckermannund André Fesser
Rekordmengen im Paketgeschäft

Karin Bellmann arbeitet in der Postfiliale in Scharmbeckstotel und spürt die Folgen der Pandemie anhand steigender Paketmengen.

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Osterholz-Scharmbeck. Das Weihnachtsgeschäft brummt, aber anders als gewohnt. Angesichts von Abstandsregeln und Hygienevorgaben verzichten einige Menschen auf die Shoppingtour in der Fußgängerzone und bestellen ihre Weihnachtsgeschenke kurzerhand im Internet. Zu spüren bekommen das unter anderem die Mitarbeiter der Paketdienste sowie deren Filialen vor Ort.

Wie ist die Lage in der Region?

Schon seit Beginn der Corona-Pandemie habe es eine Zunahme an Paketlieferungen gegeben, berichtet Markus Dopmann, der die Postfiliale am Marktplatz 1 in Osterholz-Scharmbeck leitet. „Wir konnten zudem einen nicht unerheblichen Anstieg bei den Retouren feststellen“, sagt Dopmann. Sechs Mitarbeiter arbeiten in der Filiale am Marktplatz, allerdings schrieben die Hygienekonzepte vor, dass nur zwei der drei Schalter besetzt werden konnten. „Das hat zu langen Schlangen geführt, die manchmal sogar bis vor die Filiale reichten“, erläutert Dopmann. Er ist seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für deren großes Engagement dankbar, das sie manchmal bis an die Belastungsgrenzen geführt habe. Jetzt vor Weihnachten konnte aber auch der dritte Schalter wieder geöffnet werden.

Da aufgrund der Pandemie manche Länder nicht mehr angeflogen würden, rät Dopmann seinen Kunden, sich in den Filialen nach den internationalen Versandbedingungen zu erkundigen. „Es gibt keine Flugkapazitäten mehr; für Pakete müssen teure Frachtmaschinen angemietet werden. So können derzeit zum Beispiel nur Premium-Pakete in die USA verschickt werden, und die lohnen sich meist nur ab einem Gewicht von fünf Kilogramm“.

In der Postfiliale in Scharmbeckstotel hat Karin Bellmann ganz ähnliche Erfahrungen gemacht. Seit drei Jahren unterstützt sie Lars und Anja Murken, die die Postfiliale in ihrer Glaserei mit betreiben. „Weihnachten ist bei uns immer extrem“, sagt Bellmann. Besonders ärgern sie die vielen Rücksendungen, von denen viele Waren dann vernichtet würden. „Reine Verschwendung“, meint sie enttäuscht.

Bei „Freizeit und Camping“ an der Westerbecker Straße arbeitet Siegfried Richter. Ihm klagen viele DHL-Fahrer ihr Leid. „Für die Auslieferungsfahrer muss es jetzt schlimm sein“, vermutet Richter, die Belastungen hätten eindeutig zugenommen. Auch in der kleinen Filiale in Westerbeck boomen die online georderten Waren. Was Richter dabei besonders ärgert: Manche Kunden kommen in den Angelshop, begutachten die Ware – und bestellen sie dann im Internet.

Ist der Druck überall so hoch?

Nach Angaben eines Unternehmenssprechers geht die Deutsche Post DHL in diesem Jahr von Rekordmengen aus. So erwarte man, dass die Sendungsmengen im Dezember im Vergleich zum Vorjahresmonat bundesweit um rund 15 Prozent steigen. An Spitzentagen direkt vor Heiligabend dürften es Rekordmengen von mehr als 11 Millionen Paketsendungen täglich sein, an normalen Tagen seien es rund 5,2 Millionen Pakete. Für das Weihnachtsgeschäft habe man 10 000 Kräfte insbesondere für die Paketsortierung und Paketzustellung eingestellt.

Kommt mein Paket noch rechtzeitig an?

Wer sicher gehen will, dass Pakete oder Päckchen zum Weihnachtsfest ihre Adressaten erreichen, sollte es nach Angaben von Deutsche Post DHL bis zum 19. Dezember, 12 Uhr, in einer der Filialen aufgeben. Briefe und Postkarten mit Zielen in Deutschland haben bis zum 22. Dezember Zeit. Pakete ins Ausland sollten bis zum 14. Dezember (Nachbarländer) oder 10. Dezember (übriges Europa) eingeliefert werden. Bei einem ZIel auzßerhalb Europas könnte es sein, dass ein Paket nicht mehr bis Weinachten zugestellt wird. Post-Konkurrent Hermes garantiert die Zustellung von Paketen bis Heiligabend, wenn die Ware bis zum 21. Dezember, 12 Uhr, versendet wird. Bei DPD kann man die Pakete sogar bis zum 22. Dezember, 12 Uhr, aufgeben.

Tipps für den Versand

„Um zu verhindern, dass Pakete unterwegs stecken bleiben oder automatisch aussortiert werden, ist es wichtig, dass Name und Adresse vollständig und gut lesbar angegeben sind“, sagt Nicole Mertgen-Sauer von der Bremer Verbraucherzentrale. Wer eine Verpackung wiederverwertet, sollte vorhandene Barcodes entfernen. Und damit die Sendung nicht in der Sortieranlage hängenbleibt, sollte auf die Verwendung von Bändern und Schleifen verzichtet werden. Abgesehen von Preisunterschieden bieten die einzelnen Paketdienstleister Mertgen-Sauer zufolge unterschiedliche Dienste an. So sähen manche nur einen Zustellversuch vor, andere kämen bis zu drei Mal an die Tür, bevor das Paket zurück an den Absender geschickt oder in einen Paketshop umgeleitet wird.

Tipps für den Empfang

Die meisten Paketdienste behalten sich die Ersatzzustellung an Nachbarn vor. Grundsätzlich müsse kein Nachbar ein fremdes Paket annehmen, berichtet die Verbraucherzentrale Bremen: „Sobald der Empfang allerdings quittiert wird, muss das Paket sorgfältig verwahrt und darf dem Empfänger nicht einfach vor die Tür gestellt werden.“ Denn dann hafte der Nachbar unter Umständen dafür, wenn die Sendung wegkommt oder Schaden nimmt. Viele Unternehmen bieten auch die Angabe eines Wunschablageorts an. Wird das Paket dann aber gestohlen, haftet nicht mehr der Zusteller, so eine Rechtsexpertin der Verbraucherzentrale.

Was tun, wenn mal was schiefgeht?

Pakete sind in der Regel versichert. Die Höchstgrenze bewegt sich je nach Transportunternehmen zwischen 500 und 750 Euro. „Der Empfänger muss dem Verkäufer unverzüglich den Schaden melden, wenn die versandte Ware beschädigt wurde“, sagt Nicole Mertgen-Sauer. Wenn beim Verschicken also etwas zu Bruch ging, sollte der Empfänger dies dem Absender umgehend mitteilen. Bei sichtbaren Schäden sollte der Zusteller diesen gleich an der Haustür registrieren und bestätigen.

Bei allen Paketen kann mit Hilfe der Paketnummer im Internet verfolgt werden, wo sie sich befinden. Hilft das nicht weiter oder geht die Ware verloren, meldet der Absender das beim Kundenservice und stellt einen kostenlosen Nachforschungsauftrag. Dabei muss er den genauen Paketinhalt angeben und den Einlieferungsbeleg vorweisen. Päckchen verfolgt DHL laut Verbraucherzentrale nicht. Eine Verlustversicherung gibt es gegen Aufpreis. Die Verbraucherschützer empfehlen den Vergleich mit anderen Paketdienstleistern wie Hermes, GLS oder DPD.

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