100 Jahre Reit- und Fahrverein Pennigbüttel Pferdefreunde setzen auf Traditionen

Der Reit- und Fahrverein Pennigbüttel feiert seinen 100. Geburtstag. Das Jubiläumsturnier über Pfingsten dauert deshalb erstmals vier Tage.
04.06.2019, 16:54
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Monika Fricke

Pennigbüttel. Sein 100-jähriges Bestehen feiert der Reit- und Fahrverein Pennigbüttel im Rahmen seines traditionellen Pfingst-Reitturniers. „Erstmals veranstalten wir ein Viertages-Turnier zum Vereinsjubiläum“, berichtete Susanne Greinert aus dem Vorstand des Vereins. Zusammen mit ihrem Mann, dem Vereinsvorsitzenden Ulrich Greinert, und dem ehemaligen langjährigen Vorsitzenden Fritz Armbrust hielt sie Rückschau auf die Entwicklungen und Veränderungen der Vereinsstrukturen in den vergangenen Jahrzehnten.

Drei alte Protokollbücher mit ersten Eintragungen aus dem Jahre 1932 liegen vor und dokumentieren markante Ereignisse. Aus einer Notiz über eine Versammlung mit dem Vorsitzenden Hinrich Lütjen aus Teufelsmoor mit Hinweis auf einen Ausritt nach Garlstedt ist beispielsweise zu entnehmen: „Reiter müssen im steifen Hut erscheinen, widrigenfalls nimmt sie der Rittmeister in Strafe, für den Reiter 1 Mark“. An anderer Stelle ist im gleichen Jahr zu lesen: “Die Beiträge sollen nicht in Geld, sondern in Naturalien geliefert werden (in Roggen und Kartoffeln), die vom Cassierer Johann Tietjen eingezogen werden sollen.” Lütjen war von 1932 bis 1939 und von 1951 bis 1961 Vorsitzender des damaligen Reitsportvereins. In den Kriegsjahren 1939 bis 1945 ruhten die Vereinsaktivitäten. Sein Nachfolger von 1947 bis 1951 wurde Richard Becker. Willi Jäger übernahm den Vorsitz 1961 und hatte ihn bis 1970 inne. Dann folgte Fritz Armbrust, der 25 Jahre lang den Verein anführte. 1994 nahm Uwe Steuer die Wahl als Vorsitzender an und leitete den Verein bis zu seinem Tode im Jahre 2010. Seit der Zeit ist Ulrich Greinert 1. Vorsitzender.

„Früher waren es gute Arbeitspferde, mit denen die Reiter zum Turnier kamen“, berichtete Fritz Armbrust im Gespräch. Der 82-jährige Pferdefreund erinnert sich an die Höhepunkte der Turniere, wie zum Beispiel an das Flachrennen. Es wurden Jagdreiten und Fuchsjagden durchs Gelände veranstaltet. Das sei heute mit den hochgezüchteten Reitpferden kaum noch möglich, bemerkte Susanne Greinert, die mit ihrem Mann edle Trakehner züchtet und reitet.

Dass sich ehemals der Turnierplatz in Hülseberg „Vor der Elm“ befand, wusste Armbrust noch. Er kam durch seinen Schwiegervater, Hinrich Wehmann, zum Reitsport. Wehmann gehörte zu den Gründungsmitgliedern des Reitvereins, war zu erfahren.

Nach dem Krieg, im Mai 1947, genehmigte die englische Militärregierung wieder Pferdesport im Verein in Pennigbüttel. Das erste Reit- und Fahrturnier fand Pfingsten 1947 auf dem Reitplatz „Vor der Elm“ in Hülseberg statt und lockte 4000 Pferdefreunde zu diesem sportlichen Ereignis. Pfingsten 1951 konnte dann der neue Turnierplatz in Pennigbüttel hinter dem Gasthaus “Zum Lindenhof” mit einer zweitägigen Pferdeleistungsschau eingeweiht werden. Im selben Jahr wurde aus dem „Reitsport Verein Pennigbüttel“ der „Reit- und Fahrverein Pennigbüttel u. Umgegend e.V." mit Eintragung beim Landesreiterverband Hannover. Ein weiterer Höhepunkt in der Vereinsgeschichte war der Bau einer Reithalle im Jahre 1966.

Fritz Armbrust erinnert sich noch gut an den Reitsport in vergangenen Jahrzehnten: Auswärtige Reiter seien “hoch zu Ross” oder mit Treckern und Pferdeanhängern zum Pfingstturnier angereist und hätten Quartier bei Bauern im Dorf bezogen. Sie seien bis zum Ende des Reiterfestes gebelieben, und abends habe man gemeinsam beim Reiterball gefeiert. Heute reisen die Reitsportler mit Geländewagen und Pferdetransportern an, absolvieren ihre Prüfungen und fahren gleich wieder nach Hause. „Die Geselligkeit hatte früher mehr Bedeutung", sagt Armbrust.

Das Vereinswesen sei allgemein schwieriger geworden, meint Ulrich Greinert. Zum Beispiel falle die öffentliche Förderung erheblich geringer aus. Bürokratische Hürden belasteten das Ehrenamt sehr, und es werde immer schwieriger, Posten im Vorstand zu besetzen. Trotzdem blicken Susanne und Ulrich Greinert durchaus hoffnungsvoll ins neue Jahrzehnt des Reitvereins: „Wir wollen Traditionen im Verein erhalten“, versichert Ulrich Greinert. Dazu gehört unter anderem das Königsreiten, das seit 1919 als Ringreiten veranstaltet wurde.

Nun konzentrieren sich die Pennigbütteler Reiterinnen und Reiter auf das traditionelle Pfingstturnier, das bereits am Donnerstagmorgen mit einer Springprüfung Klasse A beginnt.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+