Corona-Krise

Run auf den digitalen Impfpass

Seit einigen Tagen gibt es ihn: den digitalen Impfpass fürs Handy, der beweist, dass der Handy-Besitzer entweder vollständig gegen Covid-19 geimpft oder genesen ist - und die Nachfrage ist groß.
20.06.2021, 18:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Klaus Grunewald bko
Run auf den digitalen Impfpass

Zum alten gelben Impfausweis ist ein neuer dazugekommen, der auch aufs Smartphone übertragen werden kann.

CARMEN JASPERSEN

Osterholz-Scharmbeck.  „Der Andrang ist immens“, sagt Burghard Nohns. Für den Chef der Alten Apotheke in der Marktstraße und seine Mitarbeiter bestimmt nicht mehr der Verkauf von Medikamenten vorrangig den Tagesablauf. Denn immer mehr Bürger wollen sich einen digitalen Impfpass ausstellen lassen. Zwischen 50 und 70 Kunden suchen deswegen zurzeit eine Apotheke in der Kreisstadt sowie im Umland auf, wie eine nicht repräsentativen Umfrage dieser Zeitung ergeben hat.

Menschen, die  vollständig gegen Corona geimpft worden sind, könnten sich seit 14. Juni in Apotheken ein digitales Zertifikat auf ihrem Smartphone oder Handy zulegen, lautete die Botschaft aus dem Robert-Koch-Institut und dem Gesundheitsministerium. Sie erwies sich als verfrüht, weil die Technik zunächst weitgehend versagte. Die Online-Plattform, über die der sogenannte QR-Code eingescannt werden musste, hakte. QR bedeutet Quick Response (schnelle Antwort).

Interesse nimmt zu

„Wir waren gut vorbereitet und wollten sofort loslegen“, erläutert Stephan Glogisch von der Apotheke am Bahnhof der Kreisstadt. Doch es habe offensichtlich ein Serverproblem gegeben. Ebenso wie Glogisch konnten auch seine Kollegen erst gegen Montag- beziehungsweise Dienstagabend „so richtig loslegen.“

Seitdem ist der Andrang groß, nimmt die Zahl der Interessenten zu. Klar, dass sie sich auf Wartezeiten einstellen müssen, obgleich der eigentliche Arbeitsvorgang mit dem Einscannen des vom Robert-Koch-Instituts gelieferten QR-Codes nur wenige Minuten dauert. Weil es momentan keine technischen Probleme gebe und alles wie am Schnürchen laufe, freut sich Norbert Lanwehr von der "Max & Moritz"-Apotheke am Marktplatz. Lanwehr spricht von rund 50 Kunden pro Tag, die sich den digitalen Impfpass auf dem Handy zulegen wollen. Doch es dürften noch mehr werden, weil der Zulauf gerade richtig Fahrt aufnehme.

Das bestätigt auch die Inhaberin der Findorff-Apotheke in Grasberg, Birgit Landwehr. Nach den „Abstürzen zu Wochenbeginn“ funktionierten die technischen Abläufe inzwischen fast reibungslos. Und das ist für die Grasbergerin Voraussetzung, um täglich 50 bis 70 Bürgerinnen und Bürger mit dem digitalen Impfpass versorgen zu können. Zudem nimmt sie täglich noch 20 bis 30 Corona-Tests vor auf die Menschen angewiesen sind, die noch nicht geimpft wurden, aber zum Beispiel Familienangehörige im Krankenhaus besuchen möchten und deshalb na- chweisen müssen, dass sie sich nicht mit dem Virus angesteckt haben.

Problem für Genesene

Der digitale Impfpass ermöglicht vollständig geimpften Menschen, ihre Immunität per Handy zu belegen. Darauf allerdings müssen noch diejenigen warten, die eine Corona-Erkrankung überstanden haben  und deshalb nur einmal geimpft worden sind. Jörn Stelljes von der Pressestelle des Landkreises Osterholz verweist in diesem Zusammenhang auf eine Erklärung des Bundesministeriums für Gesundheit. Danach wird an einer „zeitnahen Lösung“ gearbeitet. Solange für die Betroffenen kein digitales Angebot zur Verfügung stehe, müssten sie jedoch den Impfpass in Papierform beziehungsweise einen Nachweis mitführen, genesen zu sein.

Möglicherweise nicht mehr lange. Der digitale Impfpass soll ab 1. Juli nicht nur das grenzüberschreitende Reisen in Europa erleichtern. Darüber hinaus dürfte nach Mitteilung des Bundesgesundheitsministeriums bis Ende des Monats eine weitere Entwicklungsstufe des digitalen Impfpasses realisiert worden ein. Dann  sollen auch Negativ-Testergebnisse und Genesenen-Zertifikate auf ihm zu hinterlegen sein.

Und schließlich wartet auf die Apotheken und Ärzte im Landkreis eine Entlastung. Denn in den „kommenden Tagen und Wochen“, könnten alle Personen, die im Impfzentrum in der Stadthalle ihre Zweitimpfung erhalten haben, sofort einen QR-Code für ihren digitalen Impfausweis erhalten, teilt Landrat Bernd Lütjen in einer Presseerklärung mit. Alle anderen Bürger, die schon beide Pikse überstanden haben, müssten allerdings weiterhin eine Apotheke aufsuchen. Für das nachträgliche Ausstellen eines digitalen Impfausweises sei der Landkreis nämlich technisch nicht ausgestattet, heißt es.

Zahl der Geimpften

Daraufhin auf die Zahl der Geimpften angesprochen, teilt der Landkreis mit, dass bis einschließlich 16. Juni 75.482 Impfungen vorgenommen worden seien. Das entspreche einer Quote von 42 Prozent. Mit einer Zweitimpfung seien 27.509 Bürgerinnen und Bürger versorgt worden.

Zur Sache

Der Weg zum digitalen Impfpass:

Nach Auskunft des Landkreises Osterholz können sich Geimpfte im Internet unter www.mein-apothekenmanager.de darüber informieren, welche Apotheke in der Region den kostenlosen Service - den QR-Code für den digitalen Impfausweis aufs Handy zu speichern - bietet. Voraussetzung für den QR-Code-Scan aufs Handy ist, dass sich auf dem Smartphone die aktuelle Version der Corona-Warn-App befindet oder der eigens fürs Ausland entwickelte CovPass, der ebenfalls vom Bund entwickelt wurde. Das digitale Impfzertifikat ist eine Alternative zum gelben Impfausweis in Papierform. Dieser - oder die Ersatzbescheinigung des Impfzentrums - ist in der Apotheke neben dem Personalausweis vorzulegen. In Kürze soll das Ausstellen des digitalen Impfausweises auch bei den niedergelassenen Ärzten möglich sein, die Corona-Schutzimpfungen vornehmen. Wer seit Wochenbeginn einen Termin im Impfzentrum hat, kann den QR-Code gleich nach der Impfung erhalten. Im Zevener Zentrum des Landkreises Rotenburg ist dies seit Mittwoch möglich, das Impfzentrum Cuxhaven bietet den Service erst in Kürze an. Auch sollen das Impfportal des Landes Niedersachsen (www.impfportal-niederachsen.de) und die Hotline des Landes (08 00 / 9 98 86 65) demnächst die Möglichkeit bieten, entsprechende QR-Codes zu erzeugen und diese per E-Mail oder postalisch zu erhalten. Für Genesene mit oder ohne Einfachimpfung arbeitet der Bund noch an einer digitalen Lösung; diese Menschen sind einstweilen auf Quarantänebescheinigung und analogen Ausweis angewiesen.

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