Bogen-Schießen

Rambos Bogen als Fernziel

Seit fünf Jahren ist Justus Olschner begeisteter Bogenschütze. Und obwohl er erst 13 Jahre alt ist, stellten sich die Erfolge schnell ein. Der BSG-Schütze schrammte nur knapp an der DM-Qualifikation vorbei.
14.07.2020, 11:01
Lesedauer: 4 Min
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Von Karsten Hollmann

Osterholz-Scharmbeck. Ein Mittelaltermarkt hat Justus Olschner von der BSG Osterholz-Scharmbeck zu seinem Hobby inspiriert. „Dort schoss Justus mit Pfeilen auf Plastik-Wildschweine und war gleich total begeistert davon“, berichtet sein Vater Kai Olschner. Als sein Sohn der Bogenabteilung der BSG beitrat, war er gerade einmal acht Jahre alt. Und ziemlich schnell gab es erste Erfolge.

„Justus ist seit 2015 dabei. Wir haben meistens keine Kinder in seiner Altersgruppe in unserer Sparte. Deshalb konnte Justus oft nur mit Erwachsenen trainieren. Durch seine lebhafte Art bringt er immer Abwechslung in den Trainingsalltag“, stellt BSG-Spartenleiter Volker Dahm fest. Lange war nicht klar, bei welcher Sportart Justus Olschner mal landen würde. Dieser verbrachte einen Großteil seiner Kindheit in Gerasdorf bei Wien. Dort probierte er es erst einmal mit Fußball. Weil er in der F-Jugend beim FC Kapellafeld aber nicht immer erste Wahl war, wechselte Olschner zum Basketball. „Da hat Justus dann aber einen Ball auf die Nase bekommen und wollte deshalb auch diesen Sport nicht mehr ausüben“, teilt Papa Kai Olschner mit. Vor fünf Jahren zog die Familie dann aus Österreich zurück nach Deutschland, und zwar nach Osterholz-Scharmbeck. Hier schloss er sich schnell der BSG an. „Bogenschießen ist meine Leidenschaft und war schon immer mein Traum. Ich finde es einfach cool, wie es funktioniert“, schwärmt der 13-Jährige.

Justus Olschner tritt mit dem Recurvebogen an. Ein bisschen neidisch schaut er jedoch auch mal zu seinem gleichaltrigen Kumpel Jan Meyer herüber, der mit einem Compoundbogen aufläuft. „Der ist noch cooler“, urteilt der Youngster. Die Pfeile seien noch viel schneller als beim Recurvebogen unterwegs. „Es ist schon der Wahnsinn, wie viele Meter der Pfeil dabei pro Sekunde zurücklegt“, sagt Justus Olschner. Die Begeisterung für diesen Bogentyp verwundert Kai Olschner nicht besonders: „Dabei handelt es sich ja auch schließlich um den Bogen, mit dem Rambo in seinen Filmen schießt“, gibt der Vater zu bedenken. Als Justus Olschner anfing, war er noch so klein, dass es schwierig war, ihm einen geeigneten Bogen zur Verfügung zu stellen. Auch zahlreiche Fehlschüsse zu Beginn entmutigten den Schüler nicht. „Ich habe einfach so lange weitergeschossen, bis ich ins Ziel getroffen habe“, lässt der Sechstklässler wissen.

Mit seinem Klassenkameraden Jan Meyer hat Olschner einen Deal abgeschlossen. Während Meyer vor Kurzem für ihn mit dem Bogenschießen begann, so begleitet Justus Olschner diesen nun zum Handball beim VSK Osterholz-Scharmbeck. „Wir haben dort keine festen Positionen. Aber meistens laufe ich auf der rechten Seite oder auf Halbrechts auf“, berichtet der Allrounder. Während des Lockdowns im Rahmen der Corona-Krise musste Olschner aber sowohl auf den Handball als auch auf das Bogenschießen verzichten. „Da Laufen oder Gymnastik nicht so mein Ding sind, habe ich stattdessen häufig Spiele am Computer gespielt“, informiert der Sportler. Mittlerweile kann er aber zumindest wieder Pfeile auf der Anlage in Hülseberg abfeuern, während der Handball weiterhin pausiert. Richtiges Training mit seinem Coach Manfred Semke ist aber immer noch schwierig.

„Ich muss mich mit ihm wegen des Trainings genau absprechen“, sagt Olschner. Semke, der sich sowohl mit dem Recurve- als auch mit dem Blank- und dem Compoundbogen bestens auskennt, gebe ihm allerdings stets gute Tipps. „Manchmal fragt er mich aber auch etwas vorwurfsvoll, warum ich die Technik nicht angewandt habe, die er mir beibringt“, erklärt Justus Olschner. Ohne die Anweisungen seines Übungsleiters könne er nicht besser werden. Olschner trainiert jedoch auch ohne Coach. „Es ist aber schon eine große Herausforderung für einen 13-Jährigen, eineinhalb Stunden selbstständig zu trainieren“, teilt Kai Olschner mit.

Während Justus Olschner seine Meisterschaften bei den Schülern A aus einer Entfernung von 18 Metern bestreitet, so übt er auch schon, auf 40 Meter entfernte Scheiben zu schießen. „Das klappt auch schon ganz gut. 50 Meter sind mir dagegen noch etwas zu weit. Da muss ich hinterher zu viele Pfeile suchen, die daneben gehen. Da habe ich keine Lust zu“, räumt der Schüler der IGS in Buschhausen ein. Bei den Landesverbandsmeisterschaften in der Halle in Bersenbrück am Anfang des Jahres verpasste Justus Olschner die Qualifikation zu den Deutschen Meisterschaften nur knapp. „Die DM bleibt aber mein großes Ziel, auch wenn es für mich als Schüler nicht so leicht ist, mal eben für zwei Tage nach München zu fahren“, sagt der Werder-Fan.

Kai Olschner nimmt seinen Sohn, der auch immer noch große Sympathien für Austria Wien hegt, immer mal wieder mit ins Weserstadion. So langsam verliert Justus Olschner aber die Geduld mit den Grün-Weißen: „Auch wenn mein Papa ein riesengroßer Werder-Fan ist, kann ich mich nicht mehr so dafür begeistern. Werder ist einfach nicht mehr gut genug.“ Ansonsten fährt er in seiner Freizeit besonders gerne Co-Kart. „Auch wenn das ganz schön anstrengend ist, weil es kein mitlenkendes Steuer gibt, macht es mir unheimlich viel Spaß“, betont Olschner. Dass in diesem Jahr sämtliche Wettkämpfe wegen der Corona-Pandemie ausfallen, bedauert der 13-Jährige sehr.

„Ich will ja schließlich besser werden. Dafür brauche ich Wettkämpfe, vor denen ich immer nervös bin“, sagt Olschner, dessen Lieblingsfach in der Schule Deutsch ist. „Ich schreibe gerne Geschichten“, lässt der Gesamtschüler wissen. Beim Bogenschießen genieße er das faire Miteinander: „Ich hasse meine Gegner nicht. Wir haben eher ein freundschaftliches Verhältnis untereinander und gratulieren uns gegenseitig zum Sieg. Dennoch gibt es auch mal Sprüche.“

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