Kunden bleiben gelassen Run auf Hefe, Seife und Nudeln

Es gibt Lücken in den Regalen vor allem beim Toilettenpapier, aber die Einzelhändler in Osterholz-Scharmbeck sind dennoch immer noch gut aufgestellt. Das ergab ein Rundgang durch die Supermärkte.
16.03.2020, 19:09
Lesedauer: 5 Min
Zur Merkliste
Von Christa Neckermann

Osterholz-Scharmbeck. Hüsnü Özalp wundert sich. Der Geschäftsführer des Orient-Marktes in der Bahnhofstraße hat mittags um 12 Uhr seine letzten Brote verkauft. „Am Freitag und Sonnabend habe ich über 700 verkauft. Ich weiß gar nicht, was die Leute damit machen!“ Auch Nudeln, Reis, Mehl und Desinfektionsmittel muss er nachordern und vor allen Dingen Einmal-Handschuhe, die er selbst an der Fleischtheke benötigt. „Viele unserer Kunden verstehen die deutschen Nachrichten nicht richtig“, vermutet Özalp. Und wenn dann in den sozialen Medien Falschmeldungen auftauchen, dass bekannte Discounter in dieser Woche ihre Geschäfte schließen, reagieren die Kunden panisch. „Ich habe einem Freund, der so eine Nachricht gepostet hat, gesagt, dass das nicht stimmt und er solche Nachrichten nicht weiterleiten soll“, berichtet Özalp.

Sein Geschäft ist mit gängigen deutschen und orientalischen Lebensmitteln gut bestückt. Noch. Denn inzwischen haben selbst Großhändler Schwierigkeiten, bestimmte Waren anzubieten. „Irgendwann werden wir Händler das Problem haben, keine Ware mehr zu bekommen“, vermutet Hüsnü Özalp. „Ich rate meinen Kunden, sich ganz normal zu verhalten. Solange wir Einzelhändler nicht auf Anweisung der Behörden schließen müssen, so lange können wir die Bevölkerung auch mit Lebensmitteln versorgen“, ist Özalp sicher.

So sieht es auch Matthias Richter vom Bio-Supermarkt Aleco. „Desinfektionsmittel sind aus, und auch bei den Nudeln sind wir knapp. Hefe haben wir gerade ebenfalls nicht, aber wir erwarten wieder eine Lieferung an Nachschub. Da könnte etwas dabei sein“, sagt Richter. Am vergangenen Wochenende, als auch bei Aleco ein Run auf Lebensmittel und, vor allen Dingen, Toilettenpapier einsetzte, konnte der Markt einen signifikanten Umsatzanstieg feststellen.

„Unseren Kunden raten wir schon zu einer gesunden Vorsicht“, so Richter. Das heißt, sich im vernünftigen Rahmen zu bevorraten, aber es nicht zu übertreiben. „Lebensmittel sind auch nicht unbeschränkt haltbar, daher sollten die Kunden auch die Haltbarkeitsdaten im Auge behalten“, rät der Marktleiter. „Kaufen Sie lieber öfter einmal weniger ein“, so sein Rat.

Die Regale bei Marktkauf, Famila, Aldi und Rewe ähneln sich sehr, das ergab ein Rundgang durch Osterholzer Supermärkte. Das übliche Angebot an Getränken, Molkereiprodukten und Aufstrichen. Schwieriger wird es schon bei Nudeln und Mehl, aber bei Dosen und Fertigprodukte sowie Papiertüchern und Toilettenpapier weisen die Regale teilweise klaffende Lücken auf. Toilettenpapier und Lebensmittel, die sich länger lagern lassen, waren in den vergangenen Tagen das erste Ziel der Einkäufer. Detailliert mochten sich die Marktleiter nicht äußern, sie verwiesen auf ihre jeweiligen Zentralen. „Wir bekommen Ware nach“, hieß es etwa bei Marktkauf. „Was dann aber genau auf dem Lkw ist, können wir selbst nicht ganz genau sagen.“

Gisela Meyer ist zufrieden. „Ich habe alles bekommen, weshalb ich zu Aldi gefahren bin“, sagt sie. Nur ihre Lieblingsbutter sei nicht vorrätig gewesen. „Da muss ich dann vielleicht in den nächsten Tagen noch einmal kommen“, meint sie ruhig. Über die Panik und Toilettenpapier-Hamsterkäufe dervergangenen Tage kann sie nur schmunzeln. „Toilettenpapier habe ich noch genug zuhause“, sagt sie. Weshalb gerade deswegen so eine Panik entstanden ist, kann sie nicht wirklich nachvollziehen. „Corona hat doch nichts mit Toilettenpapier zu tun.“ Gisela Meyer sieht die Viren-Situation derzeit ganz gelassen. Dass auch viele Sportveranstaltungen ausfallen, ist für sie nur von Vorteil. „Da muss ich nicht jeden Tag Fußball gucken“, meint sie verschmitzt.

Auch Sandra Marl war bei Aldi in Buschhausen einkaufen. „Ich komme gern hierher, sie haben oft eine bessere Auswahl als der Aldi in der Stadtmitte“, meint sie. Auch ihr Einkaufskorb ist gut gefüllt. „Ja, ich habe alles bekommen!“ Kein Toilettenpapier darunter? „Nein, nein, davon habe ich ausreichend zuhause“, lacht sie. Von Panikkäufen hält sie nichts. „Ich habe ein paar Vorräte zuhause, aber nur das übliche. Wenn ich etwas brauche, fahre ich eben wieder einkaufen. Solange die Einzelhändler ihre Geschäfte geöffnet haben, sehe ich keinen Grund zur Sorge.“

Anja Klee aus Loxstedt kauft vor allem bei Famila in Buschhausen ein, weil es dort ihr Lieblingswasser gibt, von dem sie aber auch gleich ein paar Gebinde ins Auto hievt. „Nein, das ist kein Hamsterkauf. Ich kriege das Wasser eben nur hier, und da bevorrate ich mich gleich ein bisschen, wenn ich in der Gegend bin“, meint sie. Ihre anderen Einkäufe entsprechen in Auswahl und Menge einem normalen Wocheneinkauf. Toilettenpaper ist auch bei ihr nicht darunter. „Nein, danke“, sagt sie, „das habe ich noch ausreichend zuhause. Ich finde nur keine Hefe“, klagt Anja Klee. „Kuchenmischungen habe ich auch keine gefunden. Ich backe gern, aber dass sogar Kuchenmischungen bevorratet werden, wundert mich schon.“ Einen Grund, mehr als gewöhnlich einzukaufen, sieht Anja Klee bisher nicht. „Wenn sich alle vernünftig verhalten, dürften wir das gut überstehen“, meint sie

Manfred Seidler war mit Frau und Tochter bei Marktkauf einkaufen. In seinem Einkaufswagen stapeln sich unter anderem Küchenpapier-Rollen. „Die braucht meine Tochter. Sie hat Hunde und eine Imkerei und verbraucht deshalb viel davon“, erzählt er. Er habe sich gewundert, dass nach seiner Rückkehr aus dem Urlaub kaum Toilettenpapier zu bekommen gewesen sei. „Aber jetzt sind wir wieder versorgt“, schmunzelt er. Weder er noch seine Ehefrau sehen Gründe, sich größere Lebensmittel-Vorräte anzulegen. „Wir haben etwas von allem da, und wenn wir mehr brauchen, gehen wir wieder los.“

Christina Fischer und ihre Tochter Anna haben bei Rewe am Bahnhof eingekauft. „Wir waren auf der Suche nach Seife und Shampoo“, erzählt Christina Fischer. „Bei Rossmann war ich auch schon – da gab es auch nichts mehr“, meint sie enttäuscht. Fischer sagt aber dennoch, dass sie auch weiterhin ganz normal einkaufen gehen wird. „Wenn jeder nur das einkauft, was er wirklich zu dem Zeitpunkt braucht, wird es sicherlich auch keine Lebensmittelengpässe geben.“ Über den Hype mit dem Toilettenpapier kann auch sie sich nur amüsieren. „Da gäbe es doch im Fall der Fälle noch Alternativen“, meint sie.

Schade, wenn auch verständlich, finden Mutter und Tochter nur, dass jetzt so viele Veranstaltungen ausfallen. „Jetzt können die Kinder in der schulfreien Zeit leider nicht wie sonst ins Schwimmbad oder Kino. Wir werden uns also etwas anderes überlegen müssen“, meint Mutter Christina.

Eine Passantin, die das Gespräch beobachtet hat, erzählt anschließend, dass sie in der Pflege tätig sei. „Wir werden jetzt wohl den Zugang zu unserem Haus beschränken. In den WCs und Waschräumen stehen nur noch kleine Mengen von Seife und Desinfektionsmitteln, sogar das Toilettenpapier wird von den Rollen gestohlen“, entrüstet sie sich. „Würden die Leute vernünftig mit den vorhandenen Produkten umgehen, wäre sicherlich auch genug von allem da!“

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+