„Spiel meines Lebens“: Hannes Windhorst

Ein Ü50-Double als fußballerischer Höhepunkt

Das Jahr 1999 ist das Jahr der Senioren 50 des SV Komet Pennigbüttel gewesen. In der Serie „Spiel meines Lebens“ berichtet der damalige Kapitän und heutige Ehrenpräsident des Vereins über ein umjubeltes Double.
07.12.2020, 10:05
Lesedauer: 6 Min
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Von Karsten Hollmann
Ein Ü50-Double als fußballerischer Höhepunkt

Heute ist Hannes Windhorst regelmäßig mit dem Rad unterwegs.

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Pennigbüttel. Das Jahr 1999 ist das Jahr der Senioren 50 des SV Komet Pennigbüttel gewesen. Der Staffelerste der Fußball-Seniorenliga West feierte zunächst mit einem 1:0-Erfolg über den Staffelgewinner der Seniorenliga Ost, SG Wahnebergen/Verden, den Gewinn der Meisterschaft und machte im Anschluss mit einem 2:1-Sieg über den MTV Wilstedt im Finale des Kreis-Pokalwettbewerbs das Double perfekt. Mittendrin befand sich jeweils Hannes Windhorst.

„Wir waren damals eine ziemlich eingespielte Truppe um die Brüder Heinz und Herbert Stelljes herum“, erinnert sich Windhorst. Die Basis des Teams bildeten diejenigen Akteure, die in der Saison 1964/1965 in die Bezirksklasse der Herren aufgestiegen waren. „Dabei handelte es sich um eine legendäre Mannschaft. Herbert Wohltmann war gerade 18 Jahre alt geworden“, teilt Hannes Windhorst mit. Heinz Stelljes sei für seinen strammen Schuss berühmt gewesen. „Erst viele Jahre später mit Malte Jaskosch sind wir dann wieder auf Bezirksebene zurückgekehrt“, gibt Windhorst zu bedenken. Im Juni des Jahres 1999 fuhren die Pennigbütteler nicht gerade mit riesigen Erwartungen zum Staffel-Endspiel.

„Wir sind als Außenseiter ins Match gegen Wahnebergen/Verden gegangen“, versichert der ehemalige Vorsitzende der „Kometen“. Das Spiel fand auf neutralem Platz in Quelkhorn statt. Auf diesem befand sich aber nicht der Spielgestalter und Goalgetter der Kicker aus dem Landkreis Osterholz, Mohammed Amiq. Dieser folgte Reiner Hollmann als Co-Trainer nach Saudi-Arabien. Die „Legende von Eintracht Braunschweig“, Reiner Hollmann, war zuvor unter anderem selbst als Co-Trainer Deutscher Meister mit dem 1. FC Kaiserslautern und später als Chefcoach Meister mit Galatasaray Istanbul in der Türkei geworden.

Mohammed Amiq genoss in Pennigbüttel den Ruf eines kleinen Schlitzohrs. „Der hat uns auch schon mal einen Satz neue Trikots und Hosen besorgt, die dann viel zu groß und viel zu teuer waren“, erinnert Hannes Windhorst. Plötzlich hätten die Pennigbütteler auch in schwarzen, statt in den traditionellen weißen Hosen antreten müssen. Unbestritten waren aber die fußballerischen Fähigkeiten des Marokkaners. Dieser galt als ehemaliger Zweitligaspieler des TuS Bremerhaven 93 eigentlich als unverzichtbar für die SV-Offensive. „Gerade deshalb waren wir ja dann auch nur Außenseiter“, betont Hannes Windhorst. Gespielt wurde seinerzeit noch anders als heute auf dem Großfeld. Es war erlaubt, auch drei Spieler, die sich erst im Alter von 48 bis 50 Jahren befanden, aufzubieten. „Da musste man also stets darauf achten, dass man keine vier Spieler einsetzt, die nicht älter als 50 Jahre waren. Ansonsten wären die Punkte weg gewesen“, sagt Hannes Windhorst.

Nach einer Überlegenheit der Kreis-Verdener in der Anfangsphase bekamen die Pennigbütteler die Partie beim Staffel-Finale immer besser unter Kontrolle und rangen ihren Widersacher dank einer starken kämpferischen Leistung mit 1:0 nieder. Das späte Siegtor gelang dabei Heinz Wellbrock. „Das war ein Kopfballtor auf Flanke von Herbert Stelljes“, erinnert sich Windhorst noch genau an diesen Treffer, als wäre er erst vor ein paar Tagen gefallen. Bester Mann auf dem Platz sei allerdings der Zwillingsbruder von Herbert Stelljes, Heinz Stelljes, gewesen. „Heinz ließ als eine Art Libero hinten nichts anbrennen und war ein begnadeter Fußballer“, schwärmt Hannes Windhorst über seinen damaligen Mitspieler.

Titelverteidigung gelungen

Somit verteidigten die Akteure um Torhüter Manfred Wagner ihren Titel aus dem Vorjahr. Ausschlaggebend für den neuerlichen Titelgewinn ein Jahr nach einem 4:1-Triumph über den VfL Visselhövede war nicht zuletzt die mannschaftliche Geschlossenheit. „Wir hatten auch mehrere gleichwertige Einwechselspieler auf der Bank“, verrät der Anhänger des Hamburger SV. „Eine meiner Schwestern hatte damals ihren Wohnsitz in Hamburg. Es war in den 1960er Jahren schon ein Erlebnis, in die Großstadt zu kommen und Uwe Seeler am Rothenbaum spielen zu sehen“, erklärt Hannes Windhorst. Vor allem die Partien der Rothosen gegen Werder Bremen ließ er sich in den folgenden Jahren nicht entgehen.

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In noch besserer Erinnerung als das Endspiel um die Senioren-Meisterschaft hat Hannes Windhorst das Pokalfinale in Brunsbrock gegen den TSV Wilstedt. Die Lila-Weißen fuhren mit dem Bus dorthin. Hannes Windhorst führte seine Mannschaft mal wieder als Kapitän auf das Spielfeld. Die Begegnung begann überhaupt nicht nach Wunsch für den SV Komet Pennigbüttel. „Mannek“ Börsdamm brachte den MTV Wilstedt mit 1:0 in Führung. „Das Tor fiel schon sehr früh“, berichtet Windhorst. Ausgerechnet Hannes Windhorst selbst sorgte noch vor dem Seitentausch für den 1:1-Ausgleich. „Ich war als defensiver Mittelfeldspieler nicht gerade ein Knipser“, erklärt der 73-Jährige. Nach einem Eckball von Herbert Stelljes war die Kugel über Peter Grunow irgendwie beim Abräumer vor der Abwehr gelandet. „Das war aus dem Getümmel heraus“, sagt Windhorst.

Mehr als 1000 Spiele

Gerade zu Beginn der zweiten Halbzeit hatten die Schützlinge von Spielertrainer Hans Winter auch ein wenig Glück, dass die Wilstedter nicht erneut einen Vorsprung verbuchten. Mit einer verunglückten Flanke zum 2:1 bescherte Gerhard Wagemann den Lila-Weißen dann den knappen Erfolg, den Manfred Wagner mit seinen Paraden sicherstellte. Feuchtfröhlich ging es im Anschluss wieder mit dem Bus zurück nach Pennigbüttel. „Dass wir hinterher im Bus eine Party gefeiert haben, ist ja wohl klar. Wir hatten auch schon einige Frohnaturen in der Mannschaft“, so Hannes Windhorst. Dieser habe die Bilder von damals noch in sehr lebendiger Art und Weise vor Augen. „Wenn man über 70 Jahre alt ist, ist das Langzeitgedächtnis ausgeprägter als das Kurzzeitgedächtnis“, gibt Windhorst zu bedenken.

So titelte das Osterholzer Kreisblatt/Wümme-Zeitung am 11. Juni 1999 nach der erfolgreichen Titelverteidigung der "Kometen".

So titelte das Osterholzer Kreisblatt/Wümme-Zeitung am 11. Juni 1999 nach der erfolgreichen Titelverteidigung der "Kometen".

Foto: Fr

Hannes Windhorst absolvierte mehr als 1000 Spiele für den SV Komet Pennigbüttel und hielt seinem Verein dabei immer die Treue. Dabei fungierte der HSV-Fan auch vier Jahrzehnte als Mannschaftsführer. „Es war aber nicht immer ein Zuckerschlecken, 15 Mann unter einen Hut zu bekommen. Auch die erwachsenen Spieler sind gerne einmal bockig“, sagt Hannes Windhorst. Ihm sei es aber immer wichtig gewesen, sich zu engagieren. Dies tat er auch im Jahre 1996, als Windhorst als Marketing-Beauftragter seines Vereins das Jubiläumsmatch der Herrenformation der „Kometen“ gegen den Erstligisten Werder Bremen organisierte. „Das war schon ein Erlebnis“, räumt der Pennigbütteler ein.

Kurz nach dem Gewinn der Europameisterschaft in England fehlten aber die Nationalspieler Dieter Eilts und Marco Bode. Werders Neu-Trainer „Dixi“ Dörner brachte dennoch einige sehr interessante Akteure wie Rodolfo Esteban Cardoso mit nach Pennigbüttel. Später agierte Hannes Windhorst dann auch noch ein paar Jahre als Vorsitzender des Klubs. „Meine größte Leistung als Vorsitzender war es, einen Nachfolger für mich zu finden“, verrät Hannes Windhorst.

Heute ist der 73-Jährige als Vorstandsmitglied der Kehler Stiftung immer noch ehrenamtlich im Einsatz. „Wir haben erst gerade sechs Sportvereine aus dem Landkreis Osterholz finanziell unterstützt“, frohlockt Windhorst. Eine solche Tätigkeit halte Geist und Körper fit. Hannes Windhorst ist auch immer noch selbst sportlich aktiv, jagt dabei aber mit jeweils einer neuen Hüfte und einem neuen Knie nicht mehr dem großen runden Leder, sondern der kleinen gelben Filzkugel nach. „Ballsport ist mein Hobby“, sagt der Routinier. Dieser war im Jahre 1979 Gründungsmitglied der Tennissparte der TuSG Ritterhude.

Während des Lockdowns darf Windhorst zwar weiter Tennis spielen, ist aber zum Einzel gezwungen. „In meinem Alter kann man nicht mehr volle Pulle geben“, versichert der zweifache Vater. Er tue sich deshalb auch schon damit schwer, eine ganze Stunde im Einzel durchzuhalten. Auch seine beiden Kinder, Pennigbüttels Fußball-Spartenleiter Olaf Windhorst und Britta Hüneke, spielen Tennis in Ritterhude. Hannes Windhorst erneuert auch regelmäßig das Deutsche Sportabzeichen. Dabei sind zum Beispiel 20 Kilometer mit dem Fahrrad zurückzulegen. „Aber nicht mit dem E-Bike“, betont er.

Info

Zur Person

Hannes Winhorst (73)

begann seine fußballerische Laufbahn vor knapp 60 Jahren beim SV Komet Pennigbüttel, dem dieser bis heute die Treue hält. Seit 48 Jahren ist Windhorst mit seiner Frau Ingrid verheiratet, mit der er die gemeinsamen Kinder Britta Hüneke und Olaf Windhorst hat. Während Olaf Windhorst Fußball-Abteilungsleiter der Lila-Weißen ist, stand dessen Schwester Britta Hüneke früher der SV-Badminton-Sparte vor und ist nun Mannschaftsführerin der Tennis-Damen 40 der TuSG Ritterhude. Windhorsts Enkel, Moritz Hüneke, ist Goalgetter der U14-Fußballer der JSG Moormannskamp und setzt damit die Familientradition fort. Hannes Windhorst war viele Jahre im Vorstand des SV Komet Pennigbütel aktiv und von 2012 bis 2018 auch Vorsitzender des Vereins, ehe er von Martin Wagener abgelöst wurde. Windhorst erhielt den ersten Stern der „Kometen“ für sein großes ehrenamtliches Engagement im Klub und ist zudem Ehrenvorsitzender bei den Lila-Weißen.

Info

Zur Sache

Der bejubelte Aufstieg oder ein tränenreicher Abstieg. Ein unvergessener Sieg, oder die bittere Niederlage in letzter Sekunde. In unserer Serie „Das Spiel meines Lebens“ erinnern sich Sportlerinnen und Sportler an den größten Moment ihrer Laufbahn – ganz egal, ob positiv oder negativ.

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