Sportvereine in der Pandemie Kampf dem Schwund

Der Sport verliert in der Pandemie Mitglieder, doch viele Vereine halten mit neuen Angeboten dagegen. Einigen gelang es im zweiten Jahr, das Zahlenniveau zu konsolidieren.
24.01.2022, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Michael Schön

Osterholz-Scharmbeck. Ausgeklügelte Hygiene-Konzepte und innovative Online-Angebote können nicht verhindern, dass Sportvereine in der Pandemie Mitglieder verlieren. Niedersachsenweit waren es rund 100.000 allein im ersten Corona-Jahr. Doch nicht alle Vereine mussten einen hohen Tribut zollen, und vielen gelang es offenbar, den Trend zu stoppen, wie beispielsweise Rückmeldungen einer nicht repräsentativen Umfrage des OSTERHOLZER KREISBLATT zeigen. So geschehen bei einem der großen Vereine im Landkreis Osterholz, der TuSG Ritterhude. „In einigen Sparten haben wir sogar wieder etwas aufgeholt“, zieht Vorsitzender Hans-Hermann Magerkurth Bilanz.

Vor knapp einem Jahr war sein Verein um fast 300 auf 1600 Mitglieder geschrumpft. Jetzt haben sich die Zahlen konsolidiert. Magerkurth führt exemplarisch die Tennisspieler („Dank unserer großen Halle sind wir da nicht so eingeschränkt“) und die Turner an, Letztgenannte mit ihrem Pilates-Angebotals das Home-Workout auch online funktioniert. Genaue Zahlen wird der Kreissportbund Anfang Februar präsentieren.

Neue Angebote

Noch ein wenig erfreulicher als in Ritterhude stellt sich die Situation beim VSK Osterholz-Scharmbeck dar. „Wir hatten doch einige Austritte, besonders im Erwachsenenbereich, zu verzeichnen, haben aber mit einigen neuen Angeboten gegensteuern können“, so Geschäftsführerin Tanja Motscha. Besonders die Leichtathletikabteilung trotzt dem Trend und kommt dank eines enormen Zulaufs im zweiten Pandemie-Sommer auf fast 100 Kinder in der entsprechenden Sparte. Im Frühjahr waren es noch 20.

Der VSK Osterholz-Scharmbeck, mit rund 2000 Mitgliedern kreisweit der größte Verein, ist professionell aufgestellt und verfügt allein in der Leichtathletikabteilung über fünf Trainer. „Wir haben ein ganzheitliches Bewegungskonzept, und die Leichtathletik-Kids gehen auch zum Fußballtraining“, verrät Motscha, die für die Läufer, Springer und Werfer auch als kommissarische Abteilungs- und Übungsleiterin fungiert. Trainer und Eltern, lobt sie, seien extrem engagiert: „Die Eltern wollen ihre Kinder nicht zu Hause rumsitzen sehen, sondern sehen im Sport die Chance zur Gesunderhaltung.“

Weniger Neuzugänge

Bei den Sportfreunden Heilshorn ist die Mitgliederzahl in den beiden vergangenen Jahren um rund zehn Prozent gesunken. „Wir hatten die eine oder andere Abmeldung, vor allem aber weniger Neuzugänge als gewohnt“, berichtet der Vorsitzende Holger Meyer. Viele Angebote könnten, wenn überhaupt, unter den verordneten Kontaktbeschränkungen nun mal nur mit Einschränkungen vorgehalten werden. Tests als Zugangsvoraussetzung für die Ungeboosterten sind nach seiner Erfahrung im Indoorsport eine Hürde, deren Überwindung „eher selten“ in Kauf genommen wird. „Auch Hometraining kann den normalen Übungsbetrieb natürlich nicht ersetzen.“

Kein Himmelfahrtslauf

Trotzdem sieht Meyer „positiv in die Zukunft“. Eine finanzielle Notlage sei bei den Heilshornern nicht entstanden, da die „Masse der Mitglieder“ dem Verein die Treue hält. „Wir stehen diese Situation gemeinsam durch.“ Der Vorsitzende bedauert besonders, dass durch das Infektionsgeschehen und die sich ständig aktualisierenden Verordnungen die Voraussetzungen für Planungssicherheit nicht mehr gegeben sind. Weder konnte das 50-jährige Vereinsjubiläum im vergangenen Jahr gefeiert werden, noch der Himmelfahrtslauf durchgeführt werden. 2020 war er ganz ausgefallen, und im Jahr danach gab es eine Online-Variante, bei der jeder für sich lief – nur im Kampf gegen die Uhr oder besser gesagt gegen den Fitness-Tracker.

Hans-Hermann Magerkurth findet es vor allem bedauerlich, dass Mädchen und Jungen in Ritterhude vom Schwimmsport ausgeschlossen waren, Tanja Motscha in Osterholz-Scharmbeck klagt über den akuten Mangel an Wettkämpfen. Die ganz jungen Fußballer hätten vornehmlich Freundschaftsspiele absolviert, bis es bereits im November in die Winterpause ging. „Dabei ist es im Sport gerade für Kinder wichtig, sich über den Erfolg zu definieren.“ 

Mangelnde Wettkampfpraxis

Mit fehlender Wettkampfpraxis kämpft auch der kleinere Nachbar 1. FC Osterholz-Scharmbeck. „Da ist es schon recht schwierig, alle bei Laune zu halten“, gibt Vorsitzender Dirk Briese zu. Der 1. FCO legt einen starken Akzent auf die Jugendarbeit: Er konnte im Sommer eine neue Bambini-Mannschaft anmelden und sogar einen Mitgliederzugewinn verzeichnen.

Dafür, so Briese, hat es sich gelohnt, dass der Vorstand allmonatlich Sitzungen abhält, um den Betrieb am Laufen zu halten – wegen der Kontaktbeschränkungen auch bei Wind und Wetter draußen. Im „Vereinsheim“, das sich in den Kellerräumen des Gebäudes bei den Sportanlagen an der Sandbeckstraße befindet, geht es spartanisch beengt zu; kein guter Ort für Treffen in pandemischen Zeiten.

Zur Sache

131 Vereine im KSB organisiert

Rund 2,5 Millionen Menschen, also knapp jeder Dritte, ist in Niedersachsen nach Angaben des Ministeriums in einem der 9400 Sportvereine organisiert. Im Kreissportbund (KSB) Osterholz waren es bei der letzten Bestandserhebung Anfang 2021 42.130 Mädchen und Jungen, Frauen und Männer, die von den 131 Vereinen im KSB Osterholz als Mitglieder gemeldet wurden. Das waren 1327 weniger als ein Jahr zuvor. Der Rückgang in den Mitgliedszahlen belief sich somit auf 3,05 Prozent und lag damit im Landestrend: Der Landessportbund (LSB) Niedersachsen hatte von einem Minus von 3,7 Prozent berichtet.

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