Osterholzer Messe-Sommer abgesagt

Die Messe ist gelesen

Impfen statt Konzerte, und auch die großen Messen fallen aus: 2021 wird es keine Publica in der Osterholzer Stadthalle geben. Welche Einnahmen die Halle durch das Impfzentrum erzielt, will niemand verraten.
25.02.2021, 05:50
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Die Messe ist gelesen
Von Felix Wendler

Osterholz-Scharmbeck. Keine Musiker im schillernden Bühnendress, dafür Ärzte in weißen Kitteln. Die Instrumente: Spritzen statt Gitarren. Konzerte hat es in der Osterholzer Stadthalle schon länger nicht mehr gegeben. Mittlerweile herrscht dort anderweitig reges Treiben. Seit Ende Dezember ist in den Räumlichkeiten das Impfzentrum des Landkreises Osterholz angesiedelt. Bis Ende Juni soll in der Halle gegen das Coronavirus geimpft werden – vielleicht sogar länger. Die weitere Entwicklung werde auch davon abhängen, ab wann Impfungen in Arztpraxen stattfinden können, so eine Sprecherin des Landkreises.

Unabhängig von dieser Entwicklung steht schon jetzt fest: Großveranstaltungen in der Osterholzer Stadthalle wird es auch im Sommer nicht geben. Nachdem bereits reihenweise Konzerte in das Jahr 2022 verschoben wurden, sind die Betreiber der Stadthalle jetzt auch endgültig davon abgekommen, die geplanten Messen auszurichten. Die Verbrauchermesse Publica, zunächst vom Juni auf den August verschoben, fällt aus. Auch die Autobörse könne nicht stattfinden, teilen die Organisatoren mit. „Wir haben uns schweren Herzens für eine Absage entschieden“, sagt Stadthallen-Manager Matthias Renken. Sein Team habe drei oder vier Szenarien entwickelt, und geprüft, was unter welchen Umständen möglich sei. Letztendlich seien die Absagen und die damit verbundene Planungssicherheit am vernünftigsten gewesen, so Renken. Die Entscheidung sei in engem Austausch mit den Behörden und den Ausstellern getroffen worden. Renken: „Auch von deren Seite kam überwiegend die Rückmeldung, dass es so keinen Sinn hat.“

Hoffnung auf Open-Air-Sommer

Eine Durchführung sei höchstens unter großen Einschränkungen möglich – zum Beispiel mit weniger Besuchern und Ausstellern. Die Fixkosten allerdings, die würde es dann trotzdem geben, sagt Renken. Nicht rentabel, so sein Resümee. Gleiches gelte für eine digitale Messe, wie sie einige Veranstalter in Pandemie-Zeiten etabliert haben. Für eine Endverbrauchermesse wie die Publica rentiere sich das nicht, meint der Stadthallen-Manager. Verschieben auf den Herbst oder Winter? Das sei auch nicht möglich, da der Rückstau an verschobenen Veranstaltungen bereits zu groß sei.

Schlecht für die Publica, aber andererseits ein Hoffnungsschimmer. Denn: Es besteht zumindest die Möglichkeit, dass im Herbst und Winter in der Stadthalle noch Kulturveranstaltungen stattfinden können. Die ersten Konzerte in der Halle sind für Anfang Oktober terminiert, im September soll die Band Silbermond ein Open-Air-Konzert spielen. Renken zeigt sich optimistisch, dass es wie im vergangenen Jahr laufe, in dem man „möglich gemacht habe, was möglich war“. Er meint damit vor allem die Veranstaltungsreihe Frischluft-Kultur, bei der im Spätsommer mehrere Künstler unter freiem Himmel rund um die Stadthalle auftreten konnten. Die Resonanz sei sehr gut gewesen, weshalb man versuchen wolle, ähnliches auch in diesem Jahr zu organisieren. „Aber, auch wenn diese Formulierung mittlerweile wahrscheinlich keiner mehr hören kann: Wir müssen auf Sicht fahren“, sagt Renken.

Ob sich mit den behelfsmäßigen Kulturveranstaltungen die finanziellen Einbußen ausgleichen lassen, ist fraglich. Natürlich gingen durch den Ausfall der Messen und Konzerte Einnahmen verloren, so Renken. Zudem fielen die Kosten für die Wartung der Halle auch dann an, wenn diese ungenutzt bliebe. Wie viel finanzieller Schaden der Stadthalle, die ohnehin jährlich Verluste schreibt, durch die Corona-Pandemie bislang entstanden ist, könne er zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht beantworten. Renken zufolge bereite die Stadtmarketing-Gesellschaft gerade den Jahresabschluss vor.

Geheimnis um das Impfzentrum

Ein Geheimnis wird um mögliche Einnahmen gemacht, die die Stadthalle mit dem angesiedelten Impfzentrum erzielt. Zur Erinnerung: Das Land Niedersachsen finanziert die Impfzentren; die Landkreise wiederum sind für die Errichtung und den Betrieb zuständig. Der Kreis Osterholz hat mit der Stadtmarketing-Gesellschaft (Betreiber der Stadthalle) einen bis zum 30. Juni laufenden Mietvertrag für die Nutzung der Räumlichkeiten geschlossen. Wie hoch die Miete ist, will auf Anfrage unserer Redaktion niemand verraten. Renken bittet um Verständnis, dass er dazu keine Zahlen nennen könne. Der Landkreis teilt mit: „Hierbei handelt es sich um einen privatrechtlichen Vertrag, zu dem der Landkreis Osterholz keine Auskünfte geben kann.“ Bedeckt hält sich der Landkreis auch in einer anderen Sache, die ebenfalls die Stadthalle betrifft. Im vergangenen Jahr haben dort coronabedingt drei Kreistagssitzungen stattgefunden. Was diese Anmietungen den Kreis gekostet haben? Auch das verrät die Kreisverwaltung nicht.

Bundesweiter Protesttag

Mit einem bundesweiten Protesttag wollen Veranstalter am 28. Februar auf ihre Lage in der Corona-Pandemie aufmerksam machen. Die Initiative #Alarmstufe Rot ruft zu einer Aktion in den sozialen Medien und der Teilnahme an Auto-Demos auf. Anlass sei der Lockdown, der für die Branche seit einem Jahr durchgehend gelte, teilen die Organisatoren mit. „Mit Beginn der Maßnahmen heißt es für uns First In – Last out“, steht in einem Aufruf der Gruppe. In dem Schreiben bitten sie Künstler und Fans darum, am 28. Februar ein Bild oder Video des zuletzt besuchten Konzerts mit der Beschriftung #FirstIn365 zu posten. Die Auto-Demos sollen unter anderem in Berlin, Frankfurt, Mainz und Erfurt an den Landesregierungen vorbeiführen. Die Initiatoren fordern vor allem mehr finanzielle Unterstützung für die Veranstaltungsbranche.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+