Wettbewerb zur Stadtsanierierung in OHZ

„Erstaunliche Vielfalt der Ideen“

In einer Austellung auf dem Kirchenvorplatz werden Entwürfe für den städtebaulichen Realisierungswettbewerb präsentiert, mit denen Impulse für die weitere Innenstadtentwicklung gesetzt werden sollten.
08.05.2021, 07:30
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Michael Schön
„Erstaunliche Vielfalt der Ideen“

Eine Skizze, wie sich die Planer die "neue Innenstadt" vorstellen.

Christian Kosak

Osterholz-Scharmbeck. Bürgermeister Torsten Rohde dämpfte die Erwartungen ein wenig, als er gestern zusammen mit Superintendentin Jutta Rühlemann die Ausstellung mit den Beiträgen des städtebaulichen Realisierungswettbewerbes eröffnete. „Es sind lediglich Ideen, aber immerhin erste für die Öffentlichkeit sichtbare Zeichen dieses spannenden Prozesses.“ Die preisgekrönten Entwürfe sind zunächst bis zum 25. Mai auf dem Kirchenvorplatz zu begutachten. Jutta Rühlemann wünscht sich, dass sich möglichst viele Bürger für das „neue Gesicht“ (Rohde) der Scharmbecker Altstadt interessieren und auch Rückmeldungen an Stadt und Kirche adressieren, die ihre Partnerschaft bei der Entwicklung des „Sanierungsgebietes Innenstadt“ mit einem Letter of Intent besiegelt haben. Unter anderem beinhaltet sie den Tausch von Liegenschaften zwischen den beiden größten Grundstückseigentümern des in Rede stehenden Quartiers.

Berliner Arbeit preisgekrönt

Superintendentin und Bürgermeister gehörten zur Jury, die für die Bewertung der von den elf Planungsbüros eingereichten Arbeiten zuständig war. Das gilt auch für Peter Schnaars, Vorsitzender des Ausschusses für Planung und Stadtentwicklung, der sich wie Rühlemann erstaunt zeigte über die Vielfalt der Ideen und der Ansätze. Am stärksten - eindeutiges Votum - beeindruckte ein Entwurf des Berliner Architekturbüros Rintz und Quack. Torsten Rohde: „Die Arbeit überzeugt durch eine klare städtebauliche Haltung und gelungene Einzelmaßnahmen.“ Was darunter zu verstehen ist, illustriert die in der Ausstellung präsentierte Skizze: Scharmbecker Bach als gewissermaßen ins Stadtzentrum zurückgeholter Naturerlebnisraum, Kirchenvorplatz und Marktplatz als „Drehscheiben“ im Zentrum der Kreisstadt. Und als ein ganz wesentliches Element: das Begegnungszentrum, das im Entwurf die gesamte Länge der Straße „Hinter der Kirche“ einnimmt. Es soll, wie Rühlemann und Schnaars betonten, nicht nur für die Kirche da sein, sondern - so die Superintendentin - „Begegnungsfläche für die Zivilgesellschaft der Stadt“ werden. Das „Berliner Modell“ gibt allemal genug Raum her für Kinder- und Jugendhaus, Diakonie, Superintendentur und Gemeindehaus. Hinsichtlich der Entwicklung des Stadtgrundrisses sticht besonders die attraktive Öffnung zum Stadtpark hervor. Auch die Umgestaltung der Anlagen am Scharmbecker Bach fand bei den Preisrichtern besonderes Lob. Manuel Reichel, Baudezernent im Rathaus, fühlte sich besonders von der Art und Weise angesprochen, wie der „Teich erlebbar“ gemacht wurde.

Vor dem offiziellen Akt tauschten sich Rohde und Schnaars noch schnell darüber aus, wie bei bei der Verwendung des Straßenpflasters, bei der auf die Historie Scharmbecks Bezug genommen werden soll, eine Vereinbarung mit Barrierefreiheit herzustellen wäre. Rohde betonte dann, dass man die Öffentlichkeit bei allen Fragestellungen zum Thema gerne stärker einbezogen hätte. Das sei aber aus den bekannten Infektionsschutzverordnungen nicht möglich gewesen. Die Ausstellung sei nun dafür gedacht, dass die Besucher auf der Grundlage der gezeigten Entwürfe Rückmeldungen geben könnten. Daher würden Mitarbeiter der Stadt sich auf dem Kirchenplatz als Ansprechpartner zur Verfügung stellen. Die Einzelheiten werden noch bekannt gegeben.

Startschuss 2016

Der Bürgermeister machte darauf aufmerksam, dass der Startschuss für das Großprojekt bereits 2016 mit der Verabschiedung des Innenstadt-Rahmenplans gefallen sei. Ziel war und ist es, mit der städtebaulichen Neuordnung der als Sanierungsgebiet ausgewiesenen Innenstadtflächen die Aufenthaltsqualität zu verbessern. Dafür waren nun einmal schon vor dem ersten Spatenstich aufwendige Vorleistungen zu erbringen. Zum Beispiel die Sicherstellung einer Finanzierung des Projekts („Wir kriegen 9,5 Millionen aus Fördermitteln“). Dass die Planung sich so lange hinzieht, liegt jedenfalls nicht an mangelnder Harmonie zwischen Kirche und Stadt. Rohde und Rühlemann berichteten, dass die Zusammenarbeit auch an anderen Stellen ausdrücklich gelobt wurde. Der Bürgermeister glaubt sogar, dass das eine entscheidende Rolle bei der Bewilligung der Zuschüsse gespielt habe.

Wie geht es nun weiter? Der Ausschuss für Planung und Stadtentwicklung wird sich in seiner nächsten Sitzung am 18. Mai mit dem Thema befassen. Erst danach wird ein hochbaulicher Wettbewerb ausgeschrieben, in dem der beste Entwurf für das Begegnungszentrum gekürt wird. Rühlemann wies darauf hin, dass es nicht nur auf die Gestaltung des Gebäudes selbst ankomme, sondern auch auf die Art und Weise, wie es sich in die Umgebung einfüge.

Rohde warb noch einmal um Verständnis dafür, dass bei den Arbeiten für die Innenstadtsanierung die Bagger einstweilen noch außen vor bleiben. „Wir bauen schließlich für die nächsten 30 Jahre.“ Rühlemann scherzte, dass sie gelegentliche Nachfragen („Ist das Projekt denn schon beerdigt?“) mit dem Hinweis zu beantworten pflege, „dass der Kölner Dom bis heute noch nicht fertig ist“. Mit dem Bau der gotischen Kathedrale wurde 1248 begonnen. „So lange wird es bei uns nicht dauern“, versicherte die Superintendentin.

Lesen Sie auch

Lesen Sie auch

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+