Gemeinden haben unterschiedliche Verordnungen Viele Katzen sind noch immer unkastriert

In Osterholz-Scharmbeck und Hagen gilt bereits seit vielen Jahren die Kastrations- und Kennzeichnungspflicht für Katzen. Laut Tierschützerinnen halten sich viele Halter nicht daran. Über Gründe und Folgen.
15.02.2022, 08:00
Lesedauer: 4 Min
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Viele Katzen sind noch immer unkastriert
Von Judith Kögler

Landkreise Osterholz/Cuxhaven. Kastrieren, chipen und registrieren – ein Dreisatz, der für die meisten Tierbesitzer mit freilaufenden Katzen selbstverständlich sein sollte. Denn bundesweit gilt in mindestens 1046 Städte und Gemeinden (Stand: Februar 2022) die sogenannten Kastrations-, Kennzeichnungs- und Registrierungsverordnungen für Katzen. Allein in Niedersachsen sind es rund 178 Gemeinden, die eine solche Katzenschutzverordnung haben – darunter seit 2014 auch die Samtgemeinde Hagen und seit 2011 die Stadt Osterholz-Scharmbeck. Jedoch hält sich laut Laura Tolle vom Osterholzer Verein "Tiere in Not" nicht jeder Halter an sie.

Fehlende Hinweise über Herkunft

Die Fundkatzen, die in ihrer Auffangstation landen, seien nämlich zum Großteil immer noch nicht gechipt. "Wenn diese Tiere bei uns abgegeben werden, wissen wir aufgrund der fehlenden Kennzeichnung nichts über ihre Herkunft. Wir können nicht nachvollziehen, ob sie ausgesetzt wurden, ob sie entlaufen sind oder ob jemand nach ihnen sucht", sagt sie. Kastriert seien die Samtpfoten ebenso wenig. Dabei müssten Katzenhalter jene Tiere, die sich auch außerhalb der Wohnung bewegen, mittels Tätowierung oder Mikrochip kennzeichnen lassen.

Auch eine tierärztliche Kastration ist ab einem Alter von fünf Monaten laut der Verordnung vorgesehen. Gleiches gilt auch für Tierfreunde, die fremde Katzen beispielsweise in ihrem Garten regelmäßig füttern. Die einzige Ausnahmeklausel der Verordnung bezieht sich auf die Zucht von Rassekatzen, "sofern eine Kontrolle und Versorgung der Nachzucht glaubhaft dargelegt wird", heißt es darin. In der Samtgemeinde Hagen können zudem landwirtschaftliche Betriebe eine Ausnahme beantragen.

Freiläufer vermehren sich unkontrolliert

Ein Missachten insbesondere der Kastrationspflicht habe mitunter Folgen für den Tierschutz. "Wenn die Tiere unkastriert bleiben, steigt die Katzenpopulation an", erläutert Alexandra Theloy, Mitarbeiterin im Hagener Tierasyl "Heimatlos". In Niedersachsen gibt es mehr als 200.000 verwilderte Katzen, wobei eine unkastrierte Katze zweimal pro Jahr durchschnittlich drei bis fünf Junge zur Welt bringt. Das sei laut Laura Tolle problematisch, da sich das Katzenelend auf diese Weise noch verschlimmere. "Um die Elterntiere kümmert sich schon niemand und dann kommen auch noch die Jungtiere dazu". Insbesondere Krankheiten blieben unbehandelt.

"Viele dieser Katzen werden erst zu uns ins Tierheim gebracht, wenn bereits ersichtlich ist, dass bei ihnen etwas nicht stimmt – sei es durch einen Unfall oder eine Krankheit", sagt Tolle. Durch Kastrationen von Streunern könne hingegen die weiter anwachsende Katzenpopulation eingedämmt und so das Tierleid vermindert werden.

Mehr Aufklärung gefordert

Wenn es die Verordnung schon seit Jahren in Osterholz-Scharmbeck und Hagen gibt, was sind dann die Gründe für die gleichbleibende Anzahl an unkastrierten und ungechipten Tieren? "Oftmals informieren sich Tierhalter vor Anschaffung einer Katze nicht ausreichend über die geltenden Regelungen", sagt Volker Pfeil, Leiter beim Ordnungsamt Osterholz-Scharmbeck. Verstöße könnten jedoch teuer werden: Bis zu 5000 Euro Geldstrafe müssten Katzenbesitzer zahlen, wenn sie sich nicht an die Verordnung halten.

Leonie Toll vom Verein "Tiere in Not" nennt noch weitere Gründe: "Der finanzielle Aspekt wird auch dazu beitragen. Es kostet immerhin Geld, eine Katze kastrieren zu lassen". Auch die Bauernhöfe könnten eine Rolle spielen, "gerade in der ländlichen Region ist zu beobachten, dass Landwirte noch ein veraltetes Denken haben und Katzen als Nutztiere ansehen". Kitten würden günstig weiter verkauft werden – unkastriert, ungechipt und unregistriert.

Sigrid France vom Tierschutzverein Südkreis Cuxland kritisiert vor allem die in der Samtgemeinde Hagen geltende Ausnahmeregelung für landwirtschaftliche Betriebe. "Meiner Meinung nach kommt das meiste Katzenelend von den abgewanderten Katzen der Bauernhöfe. Die Landwirte wollen ihre Katzen aber nicht kastrieren lassen, weil sie dann für ihre 20 Tiere auch zahlen müssten." Gerade deshalb würde der Verein auf die Landwirte zugehen und ihnen kostenlose Kastrationen anbieten.

Für sie stelle sich zudem die Frage nach der Kontrollinstanz. "Es braucht jemanden, der überprüft, ob die Katzen nach einer Verwarnung dann auch wirklich kastriert werden". Laut Volker Pfeil vom Ordnungsamt würden gemeldeten Verstößen nachgegangen werden. "Es finden Überprüfungen und auch Nachkontrolle statt", sagt er.

Trotz der Probleme hätte die Verordnung nicht ihren Zweck verfehlt. "Sie ist total wichtig und ein guter Schritt in die richtige Richtung", betont Tolle. Die Lage wäre ohne sie vermutlich noch schlimmer. Trotzdem müsse noch weitere Aufklärungsarbeit geleistet werden. "Bei uns in der Auffangstation hängen zum Beispiel Flyer aus. Außerdem informieren wir auf den sozialen Medien wie Facebook und auf unserer Homepage". 

Zur Sache

Katzenschutzverordnung in der Gemeinde Gnarrenburg

Die Gemeinde Gnarrenburg hat eine eigene Katzenschutzverordnung gerade verschoben. Obwohl einige Ratsmitglieder emotional die Kastrationspflicht forderten, zögern andere mit einer Entscheidung. Sie führten unter anderem an, dass eine Überprüfung der Verordnung kaum machbar sei. Zudem müsse genau geklärt werden, wer für welche Katzen zuständig sei. Bei frei laufenden Tieren sei das schwierig. Da gebe es noch Klärungsbedarf. Nun sollen andere Kommunen kontaktiert werden, die bereits Erfahrung mit einer Verordnung haben. In der abschließenden Abstimmung im Rat wurde die Katzenschutzverordnung knapp abgelehnt.

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