Geschäftsbericht Trauer-Leben: Wenn der Tod ins Leben tritt

Stefanie Garbade ist Trauerbegleiterin: Sie hilft nicht nur Hinterbliebenen, mit ihrem Verlust klar zu kommen; sie erklärt Firmen auch, was ein Todesfall in der Familie für einen Mitarbeiter bedeutet.
20.04.2021, 05:30
Lesedauer: 3 Min
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Von Christa Neckermann

Osterholz-Scharmbeck. Es geschieht jeden Tag, in jedem Alter: Menschen sterben. Zurück bleiben Familienangehörige, Freunde und auch Kollegen. Trauer setzt ein. Doch wie geht man mit Trauernden um? „Eine ehemalige Kollegin, deren Ehemann kürzlich verstarb, erzählte mir, dass manche 'Freunde' sogar die Straßenseite wechseln, wenn sie spazieren geht. Diese 'Freunde' wissen nicht, wie sie mit der jungen Witwe sprechen oder sich verhalten sollen“, berichtet Stefanie Garbade. Durch diese Unwissenheit brechen Beziehungen auseinander und Menschen werden in eine Isolation gedrängt.

Stefanie Garbade geht als zertifizierte Trauerbegleiterin einem ungewöhnlichen Beruf nach. In Osterholz-Scharmbeck hat sie Trauer-Leben gegründet, nachdem sie zuvor 25 Jahre in verschiedenen Unternehmen der Sparkassen-Finanzgruppe tätig war. Nicht nur unterstützt sie Trauernde jeden Alters bei ihrer Rückkehr in ein Leben ohne den geliebten Menschen. Sie hat ihre Arbeit aufgrund ihrer eigenen Erfahrungen auch auf die Arbeitswelt ausgedehnt.

Die Pandemie erschwert heutzutage die Trauer der Hinterbliebenen. Die Trauerfeiern und das Treffen mit Angehörigen und Freunden müssen in engstem Rahmen ohne die sonst üblichen Begegnungen und Umarmungen stattfinden.

Trauer am Arbeitsplatz

„Auch am Arbeitsplatz treffen wir auf Trauer. Das können Kollegen sein, aber auch die Angehörigen von Kollegen, die versterben. Wie schnell wird dann erwartet, dass der Kollege oder die Kollegin wieder vollständig funktioniert, den Arbeitsplatz ausfüllen kann?“ Die Situation ist für die Trauernden genauso schwierig wie für die Kollegen. Viele Trauernde befinden sich nicht nur in einer emotionalen Ausnahmesituation. Sie müssen plötzlich auch all die Aufgaben übernehmen, die der verstorbene Partner ihnen vorher abgenommen hatte. Zusätzlich wird am Arbeitsplatz nach kurzer Karenzzeit wieder volle Leistung erwartet. Stefanie Garbade hat daher für Unternehmen Präventiv-Schulungen vorbereitet, wie Kollegen und Vorgesetzte mit trauernden Mitarbeitern und Kollegen umgehen können.

„Die meisten Trauernden wünschen sich im Grunde einen Menschen, mit dem sie über ihren Verlust reden können“, weiß Stefanie Garbade aus ihrer Arbeit als Trauerbegleiterin. Nicht nur ist eine langjährige Bezugsperson gegangen, bei den Trauernden können auch negative Gefühle hochkommen: „Warum gerade jetzt? Nun muss ich mich allein um die Kinder, unseren Hausbau, das Firmenprojekt kümmern!“ Und: Menschen in Trauer können wegen Stigmatisierungen und Schuldzuweisungen Schamgefühle entwickeln, hat Garbade erkannt.

Es sei wichtig, den Trauernden jetzt nicht mit den üblichen „Kopf hoch! Das Leben geht weiter“-Floskeln abzuspeisen, rät die Trauerbegleiterin. Die Kollegen könnten neben den üblichen Kartengrüßen und Beileidsbekundungen auch ehrlich ihre eigene Sprachlosigkeit ansprechen: „Ich weiß nicht, was ich sagen soll, es ist so traurig.“ Jemandem, der untröstlich ist, kann kein Trost gespendet werden, erklärt Stefanie Garbade. „Aber einfach da sein und gemeinsam schweigen, kann schon viel helfen“. Die Vorgesetzten können die Trauernden, die doch im allgemeinen geschätzte Kolleginnen und Kollegen sind, die man nicht verlieren will, damit unterstützen, dass sie ihnen – zum Beispiel - die Möglichkeit eröffnen, auch einmal außerhalb der üblichen Pausenzeiten einen Spaziergang zu machen.

Trauer kann krank machen

„Trauer, die keine Gestaltungsmöglichkeit und keinen Ausdruck findet, kann psychisch krank machen und am Arbeitsplatz zu langfristigen Krankschreibungen und Fehlzeiten bis hin zur inneren Kündigung führen“, hebt Stefanie Garbade hervor.

Als Trauerbegleiterin befolgt Stefanie Garbade einige Verhaltensregeln, die auch auf den Arbeitsplatz anzuwenden sind. „Zunächst achte ich darauf, keine Floskeln zu verwenden“, sagt die erfahrene Trauerexpertin. Wichtig sei auch, ehrlich zu sein und einmal die eigene Hilflosigkeit im Angesicht des Todesfalles einzugestehen. „Ein weiterer Punkt ist, den Trauernden, den Kollegen oder die Kollegin, nicht auch noch zu ignorieren. Deren Einsamkeit ist ohnehin schon immens!“, mahnt Garbade.

Auch das gemeinsame Schweigen gehört für die Trauerberaterin zur Unterstützung. „Sitzen Sie beisammen, halten Sie vielleicht einfach nur die Hand“, rät Stefanie Garbade. Auch das Angebot, den Trauernden bei anstehenden Besorgungen oder Behördengängen zu unterstützen, ist wichtig und hilfreich.

Aufmerksamkeit ist wichtig

Als weiterer Punkt ist Geduld sehr wichtig, sagt die Trauerexpertin. „Vielleicht möchte der Trauernde noch nicht reden, möchte sich lieber zurückziehen. Bleiben Sie aufmerksam, ohne aufdringlich zu sein“, rät Stefanie Garbade.

Ganz wichtig sei auch, nachzufragen: „Was tut dir gut?“ – „Wie geht es dir heute?“ – „Möchtest du reden?“ Und zu guter Letzt rät die Expertin, dem oder der Trauernden gegenüber achtsam zu sein. „Laden Sie immer mal wieder auf eine Tasse Kaffee ein, bringen Sie ein Stück Kuchen mit oder stellen Sie eine kleine Aufmerksamkeit auf den Schreibtisch oder vor die Wohnungstür.“

Mehr zu Stefanie Garbades Angebot als Trauerbegleiterin, Trauerrednerin und Trauer-Kursleiterin für Unternehmen ist im Internet unter der Adresse www.worpswede-tipps.de/trauerleben zu finden. Termine können unter der Handy-Nummer 01749254557 vereinbart werden.

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