Verkehrsentwicklungsplan

Wege in die Komfortzone

Städtischer Verkehrsraum soll nicht nur Drehscheibe sein, sondern Komfortzone werden. In Osterholz-Scharmbeck soll dies nun mit der stufenweisen Realisierung des Verkehrsentwicklungsplans glücken.
29.03.2021, 15:26
Lesedauer: 2 Min
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Von Michael Schön
Wege in die Komfortzone
Hans-Henning Hasselberg

Städte und Gemeinden machen sich auf den Weg, um ihre von der Kraftfahrzeug-Orientierung geprägte Verkehrsinfrastruktur umzubauen. Es ist ein Weg aus der Sackgasse. Dabei geht es freilich nicht nur um Themen wie Klimaschutz und Sicherheit, sondern auch um Aufenthaltsqualität. Straßen sind Teil des urbanen Lebensraumes, in dem sich möglichst alle Bürger gut aufgehoben fühlen sollen. Städtischer Verkehrsraum soll nicht nur Drehscheibe sein, sondern Komfortzone werden. Das geht aber nur, wenn die verschiedensten Interessen unter einen Hut gebracht werden können. In Osterholz-Scharmbeck soll dies nun mit der stufenweisen Realisierung des Verkehrsentwicklungsplans glücken.

Das Rathaus hat in der Vergangenheit besonders vom ADFC viel Kritik einstecken müssen. Die Klage über einen Investitionsstau hat ihre Berechtigung. Hinter diesen scheinbaren Versäumnissen steckt aber auch die der Vermeidung von Stückwerk dienende Idee, einen Plan zu schmieden, in dem alles aufeinander abgestimmt wird: Pkw- und Schwerlastverkehr, Verkehrswege für Fußgänger und Radfahrer sowie der Öffentliche Personen-Nahverkehr (ÖPNV).

Die Bürgerbeteiligung hat ergeben, dass neben der Forderung nach Barrierefreiheit für in der Mobilität eingeschränkte Mitbürger und einem ÖPNV, der den Namen auch verdient, vor allem ein besseres Angebot für Radfahrer gewünscht wird, was die Ergebnisse des ADFC-Klimatests bestätigt haben. Die Architekten des Verkehrsentwicklungsplans haben aufgezeigt, dass Rollstuhlfahrer, Kinderwagen schiebende Personen, Schüler und andere Fußgänger an Platz, Komfort und Sicherheit gewinnen, wenn der Radfahrer auf der Straße unterwegs ist. Dazu muss ihm allerdings eine erkennbare Infrastruktur angeboten werden: zielführende Verkehrsachsen, Sharrows, Piktogramme, vorgezogene Fahrradaufstellflächen an den Ampeln und so weiter.

Die Planer aus Hannover haben einen dicken Maßnahmenkatalog präsentiert. Kreisel für die Kreisstadt - das hört sich gut an, ist aber sehr teuer. Es bleibt abzuwarten, was davon umgesetzt werden kann. Millionen Euro sind da schnell verbaut, hat der Chef des Unternehmens gewarnt. Da nimmt sich die Summe von nicht einmal 50.000 Euro, die der Bedarfskommunenhaushalt für dieses Jahr noch an Mitteln für Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur hergibt, ziemlich bescheiden aus. Das Geld, so ist es gedacht, soll eingesetzt werden, um die Fahrbahnmarkierungen auf den Hauptrouten in der Innenstadt zu verbessern.

Das ist erst mal nicht viel, aber immerhin der kleine Anfang eines großen Prozesses, in dem der Aufbau einer zukunftsfähigen Verkehrsinfrastruktur mit dem Umbau der Innenstadt verknüpft werden kann. Gerade in dieser Konstellation steckt ja eine Menge Potenzial.

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