Wandel in der Stadt

Gastgewerbe weicht dem Wohnungsbau

Osterholz-Scharmbeck verliert weitere Lokale. Dort, wo sich Menschen zum Essen, Schnacken und Feiern trafen, soll bald neuer Wohnraum enstehen.
10.04.2021, 05:52
Lesedauer: 3 Min
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Von Christian Valek
Gastgewerbe weicht dem Wohnungsbau

Nach einem Todesfall in der Familie haben sich die Betreiber entschieden, das Restaurant an der Loger Straße 19 aufzugeben. Bald wird das Haus abgerissen. Am Platz soll ein Mehrfamilienhaus entstehen.

CARMEN JASPERSEN

Osterholz-Scharmbeck. Im Stadtgebiet von Osterholz-Scharmbeck verschwinden zwei weitere Gastronomiebetriebe. So schließt das Restaurant Zeus an der Loger Straße 19 nach 32 Jahren die Türen, und auch das ehemalige Gasthaus Zum weißen Schwan in Scharmbeckstotel ist längst verkauft worden. Beide Lokale sollen zugunsten von Neubauwohnungen abgerissen werden.

Die Geschäftsaufgabe an der Loger Straße habe nichts mit der Corona-Krise zu tun, betont Niko Alikotsi auf Nachfrage der Redaktion. Die Entscheidung seiner Schwiegermutter, das Restaurant aufzugeben, beruhe vielmehr auf dem Tod ihres Ehemanns Georgios Alikotsis. Der Firmengründer war im Mai 2019 überraschend verstorben. Nach dem schmerzlichen Verlust hat seine Ehefrau Athina das Restaurant zunächst weitergeführt. Alles in allem sei das für eine alleinstehende Person sehr viel Arbeit gewesen, erläutert ihr Schwiegersohn. Somit sei irgendwann die Entscheidung gereift, das Geschäft aufzugeben.

Abriss geplant

Das Grundstück, das einen Steinwurf vom Marktplatz entfernt liegt, hat mittlerweile ein Investor gekauft, um dort ein Mehrfamilienhaus zu errichten. Das Restaurant soll abgerissen werden, so viel steht schon fest. Weitere Einzelheiten möchte man zurzeit nicht nennen.

Seit 1989 haben die Zeus-Betreiber „original griechische Küche“ angeboten, wie es auf der Homepage heißt. Bei einem Besuch sollte sich „ein Hauch von Urlaubsgefühlen“ einstellen. Das klappte offenbar: Die Kunden kamen gerne auf einen Besuch vorbei, wie ein Blick in die Kommentarliste in den sozialen Medien zeigt. Die Kunden bedanken und verabschieden sich von den Gastronomen. „Wir werden Euch vermissen.“

Viele Stammgäste

Die Inhaber sind gerührt. Zig Kunden hätten sich bei der Familie gemeldet, sagt Niko Alikotsi. Aber man sei ja nicht aus der Welt, versucht der Schwiegersohn zu beruhigen. Die Familie wohne weiter in Osterholz-Scharmbeck. „Wir leben ja alle hier.“ Trotzdem gehe die Anteilnahme den Beteiligten nahe, räumt er ein. „Natürlich gibt es immer zwei Seiten einer Medaille“, sagt Alikotsi. „Wir sind traurig.“ Denn viele Osterholz-Scharmbecker seien Stammgäste gewesen und hätten dem Haus und der Familie mehr als 30 Jahre die Treue gehalten. Dafür sei man dankbar. „Aber nun ist Zeit für ein Neuanfang.“

Ehe es soweit ist, wird das Haus ausgeräumt. Spätestens Anfang Juni soll die Übergabe erfolgen. „Wir müssen jetzt in die Zukunft schauen“, sagt Niko Alikotsi. Er denke vor allem an die Entlastung seiner Schwiegermutter. „Und Osterholz-Scharmbeck braucht ja auch neuen Wohnraum“, steht für ihn fest.

Projekt in der Vorplanung

Gaststätte "Zum weißen Schwan" soll abgerissen werden

Die Gaststätte "Zum weißen Schwan" soll einem Neubau weichen. Auf dem Grundstück sollen drei Stadtvillen entstehen.

Foto: CARMEN JASPERSEN

Ein Neuanfang deutet sich auch an der Hauptstraße in Scharmbeckstotel an. Dort ist das ehemalige Gasthaus „Zum weißen Schwan“ samt 2600 Quadratmeter großem Grundstück verkauft worden. Die ehemalige Besitzerin ist schon vor Monaten ausgezogen.

Vor gut einem Jahr, in der ersten Welle der der Corona-Pandemie, hatte die Redaktion Gelegenheit, mit der Gastronomin Renate Beißner zu sprechen. Sie habe das Rentenalter erreicht, und eine Nachfolgerin oder ein Nachfolger seien nicht in Sicht, sagte Beißner damals. Aus diesem Grund suche sie nach einem Käufer für die Immobilie, der Monate später dann gefunden wurde.

Scharmbeckstotels Ortsvorsteher Peter Schnaars hatte im März 2021 in einer Rundmail zum Werkstatt-Gespräch darauf aufmerksam gemacht, dass Gebäude und Grundstück an einen Investor verkauft worden seien. Ein Bauantrag, aus dem Einzelheiten zum Vorhaben hervorgehen, lag im März noch nicht vor.

Nach Informationen des OSTERHOLZER KREISBLATT gibt es die Absicht, an der Hauptstraße drei Stadtvillen zu bauen. Vor dem Bau der Mehrfamilienhäuser soll die einstige Gaststätte abgerissen werden. Mehr ist derzeit nicht zu erfahren. Das Projekt befindet sich in der Vorplanung. Aufgrund des nötigen Vorlaufs dürfte der Bau erst im kommenden Jahr beginnen.

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