Ritterhude Badgers

Neuanfang in Liga fünf

Turbulente Monate liegen hinter den Ritterhude Badgers. Nun hat der Football-Klub in Nico Morning einen neuen Headcoach gefunden, der den Gelb-Schwarzen in Liga fünf eine neue (alte) Identität verpassen soll.
11.11.2020, 08:36
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Neuanfang in Liga fünf
Von Tobias Dohr
Neuanfang in Liga fünf

Packt ab sofort wieder für die Badgers zu: Dennis Nestler (links) kommt zurück nach Ritterhude und wird außerdem das Trainerteam bei den Gelb-Schwarzen verstärken.

Tobias Dohr

Ritterhude. Viele werden froh sein, wenn das Jahr 2020 endlich vorbei ist – denn für die allerwenigsten Menschen kann der Auftakt des neuen Jahrzehnts mit positiven Dingen in Verbindung gebracht werden. Für alle, die es mit den American Footballern der Ritterhude Badgers halten, trifft dieses Fazit doppelt und dreifach zu.

Denn neben der allgemeinen Corona-Problematik hatten sich die unschönen Themen bei den Badgers in den vergangen zwölf Monaten mehrfach potenziert. Da war das nervenaufreibende Gerichtsverfahren mit dem Verband um die zunächst nicht gewährte Regionalliga-Lizenz. Da war dann später der ziemlich überraschende Rücktritt des damaligen Headcoaches Benjamin Crljenkovic, der im Nachgang zu einer kleinen Abwanderungswelle im Kader führte. Und da war – natürlich – die Problematik mit der komplett abgesagten Saison.

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Am Ende musste man sich ernsthafte Sorgen machen, wie und ob es überhaupt bei den Badgers weitergehen wird. Doch es geht weiter. Ende August wurde ein neuer Vorstand gewählt, und dieser hat nun die wichtigsten Positionen neu besetzen können. Und das auf eine Art, die die Verantwortlichen selbst überrascht hat: „Wir sind wirklich überglücklich mit dieser Lösung und hätten vor einigen Monaten nicht im Traum damit gerechnet, so ein Coaching Staff auf die Beine zu stellen“, sagt Thilo Neubert.

Allen voran spielt der 2. Vorsitzende der Badgers damit auf die Namen Nico Morning und Jens Pfennig an. Sie sind die Architekten der „neuen Badgers“, wie sie es intern gerne nennen. Denn sie wissen im Dachsbau, dass sich nach dem Katastrophenjahr 2020 einiges ändern muss. In der grundsätzlichen Herangehensweise an das Projekt Badgers, das in früheren Jahren gut und gerne 800 Zuschauer an den Moormannskamp lockte, in der letzten Zeit aber bereits Probleme mit der Außenwahrnehmung hatte.

Deshalb stand für Morning und Pfennig eine Sache ganz oben auf dem Anforderungsprofil: Alle Trainer sollten möglichst eine tiefer gehende Verbindung zu dem Verein haben, eine echte Beziehung zu den Gelb-Schwarzen. Und das ist mit Blick auf den neuen Coaching Staff weitestgehend auch tatsächlich gelungen: Jens Pfennig bleibt wie schon in diesem Jahr für die Defense Line zuständig, Kristoffer Kühn kümmert sich weiterhin um die Linebacker. Mit Nico Rathje (Linebacker Assistant Coach), Ole Johanssen (Defensive Line Assistant Coach) und Sven Flade (Defensive Back) komplettieren drei junge Akteure das Team der Defensiv-Coaches, die bereits selbst lange Zeit für die Badgers aufgelaufen sind.

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In der Offensive wird sich Nico Morning um die Wide Receiver kümmern. Außerdem ist es den Badgers gelungen, mit Dennis Nestler einen alten Bekannten von den Bremen Firebirds zurück an den Moormannskamp zu holen. Nestler, der sich um die Running Backs kümmern wird, war bereits zu Zweitligazeiten ein wichtiger Teil der Badgers und möchte nun noch eine letzte Saison aktiv auf dem Feld miterleben. Neben Nestler wechselt mit Maximilan van Laack ein weiterer extrem erfahrener Coach zu den Gelb-Schwarzen, der künftig als Offensive Coordinator tätig sein wird. „Wir führen zudem noch weitere Gespräche, um den Coaching Staff am besten noch etwas breiter aufzustellen“, verrät Nico Morning. Er selbst wird nach drei Kreuzbandrissen nicht mehr auflaufen, obwohl er mit 25 Jahren noch sehr jung ist. Bauchschmerzen hat deshalb aber niemand im Verein, wie Thilo Neubert feststellt: „Nico spielt schon sein halbes Leben lang Football, der hat so viel Erfahrung, da ist das Alter überhaupt nicht so entscheidend.“

Und außerdem steht Morning mit Jens Pfennig ja auch ein echter Routinier zur Seite. Einer, der den Verein von Anfang an begleitet hat. Zu Beginn des Jahrtausends war Pfennig bereits Spieler und Headcoach, im Jahr 2004 machte er sein letztes Spiel für die Dachse und blieb dem Verein auch danach immer verbunden. Der 54-Jährige war es auch, der den Kontakt zu Nico Morning suchte, als es um die Besetzung des neuen Headcoaches ging. Die beiden spürten sofort eine große Verbundenheit in ihren Ansichten und Ideen, ebenso war es dann beim Treffen mit dem Badgers-Vorstand. Thilo Neubert, Jan Koepke und Reinhold Scheithauer waren schnell überzeugt.

„Wir waren wirklich nicht auf eine interne Lösung beschränkt und hätten durchaus auch Geld für einen externen Trainer in die Hand genommen. Aber wir konnten uns am Ende einfach keine bessere Option als Nico Morning und Jens Pfennig mehr vorstellen“, erläutert Neubert. Und da es diesmal wirklich ein echter Neuanfang werden soll, beantragt der Verein auch keine Regionalliga-Lizenz für die Saison 2021 (siehe nebenstehender Text).

Für Nico Morning war es letztlich eine Entscheidung des Herzens. Eigentlich, daraus macht er keinen Hehl, war es sein Traum, sich noch einmal in der GFL2, also der zweithöchsten Liga, als Spieler zu beweisen. Denn die GFL2-Saison mit den Badgers hatte er 2016 aufgrund eines Kreuzbandrisses verpasst. Nun hätte er nach Oldenburg wechseln können und sich dieses verlorene Jahr unter Ex-Badgers-Coach Marcus Meckes zurückholen können. Doch ein neuerlicher Kreuzbandriss durchkreuzte diese Pläne. Das alles ist nun Geschichte. Stattdessen freut sich Morning ungemein auf die neue Herausforderung bei den Badgers, bei dem Verein, dem er schon seit acht Jahren angehört. Und dem er jetzt dabei helfen will, ein neues Gesicht zu geben.

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Künftig Verbandsligist – Badgers verzichten auf die Regionalliga

Nico Morning, Jens Pfennig und der gesamte neue Coaching Staff der Ritterhude Badgers sind sich darüber im Klaren, worauf es in den kommenden Monaten ankommen wird: „Wir wollen und brauchen einen Neuanfang.“ Und weil es diesmal wirklich ein echter Neuanfang sein soll, werden die Ritterhude Badgers keine Regionalliga-Lizenz beantragen. Stattdessen gehen die Gelb-Schwarzen freiwillig zwei Ligen zurück, nämlich in die Verbandsliga. Angesichts der neuen Kaderzusammensetzung sei das der einzig richtige Schritt, denn: „Wir haben sehr viele Rookies im Team“, sagt Headcoach Morning.

Etwas mehr als die Hälfte des Teams sind also Neuanfänger – da mache weder die Regionalliga noch die Oberliga wirklich Sinn. Mit Claus Kreie und Kai Binnemann stehen nur noch wenige Routiniers im Team. „Da ist die Verbandsliga besser geeignet, um das Team zu entwickeln“, begründet Nico Morning. Insgesamt sei es derzeit eine ziemlich anspruchsvolle Situation für alle im Verein. Gerade jetzt, im November, würden die Grundlagen gelegt und den Neuanfängern die Basis vermittelt. „Aber wie führt man Menschen an einen Sport heran, der nicht ausgeübt werden darf?“ fragt Thilo Neubert.

Je nachdem, was erlaubt ist, will Headcoach Nico Morning nun viel im Individualbereich arbeiten und Theorie vermitteln, notfalls mit Videokonferenzen. „Wir wissen, worauf es ankommt und ziehen wirklich alle an einem Strang“, ist der neue Badgers-Headcoach durchaus zufrieden mit seinen ersten Wochen im Amt.

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