American Football

Frauenpower am Moormannskamp: Badgers-Damen träumen vom ersten Pflichtspiel

Das Damenteam der Ritterhude Badgers trotzt sämtlichen Widerständen und befindet sich dank viel Herzblut auf einem guten Weg zum großen Ziel: 2021 in der 2. Bundesliga zu starten.
09.04.2020, 09:35
Lesedauer: 3 Min
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Von Jan-Henrik Gantzkow
Frauenpower am Moormannskamp: Badgers-Damen träumen vom ersten Pflichtspiel

Das sind nur vier der mittlerweile 16 Spielerinnen in der Frauen-Mannschaft der Ritterhude Badgers.

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Ritterhude. Gerade in der aktuellen Ausnahmesituation erscheint es wichtig, auch einmal schöne (Sport-)Geschichten zu erzählen – eine davon spielt sich seit geraumer Zeit am Moormannskamp ab. Dort wurde vor fast genau einem Jahr die Damenmannschaft der Ritterhude Badgers gegründet, ein American-Football-Team für Frauen. Seither trotzen die taffen Ladies sämtlichen Widerständen und befinden sich dank viel Herzblut auf einem guten Weg zu ihrem großen Ziel: 2021 in der 2. Bundesliga zu starten.

„Es ist ganz toll und absoluter Wahnsinn, was die Damen auf die Beine stellen. Darauf sind wir als Vorstand sehr stolz“, strahlt der Vereinsvorsitzende Holger Bürger über die positive Entwicklung. Eng verbunden ist diese mit dem Namen Anna Höppner (Bürger: „Was sie leistet, ist unglaublich“), die als spielende Teammanagerin großen Anteil am derzeitigen Aufschwung hat. Ob professionelle Social-Media-Auftritte, Besuche bei Radiostationen oder die Teilnahme an Großveranstaltungen wie dem Christopher-Street-Day und dem Hammefest – unter Höppners Leitung etablierten die Badgers-Ladies eine außergewöhnliche Öffentlichkeitsarbeit.

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„Wir haben wirklich sehr, sehr viel gemacht, damit wir präsent sind und die Werbetrommel rühren. Ich komme vielleicht oft mit Ideen um die Ecke. Das klappt aber auch nur, weil die Mädels richtig Bock haben. Sie geben wirklich alles“, gibt die 29-jährige Höppner das Lob an ihre Teamkolleginnen weiter. Deren unbändiger Einsatz trägt mittlerweile zur Freude aller Früchte: Der Kader wächst und wächst, mittlerweile haben 16 Spielerinnen ihren Pass abgegeben. Davon war vor zwölf Monaten nur zu träumen. „Am Anfang war es wirklich schwierig, teilweise standen wir nur zu zweit auf dem Trainingsplatz“, erinnert sich Höppner an den holprigen Start. Es schien, als würde das Projekt schnell scheitern, wie schon 2016 beim ersten Versuch, eine Damenmannschaft aufzubauen. Doch die Footballerinnen und Cheftrainer Sven Flade bewiesen Moral und ließen sich nicht von ihrem Weg abbringen. Bei Wind und Wetter wurden Kondition und Technik geschult, gerade für die Neueinsteigerinnen machte sich dies bezahlt.

Dieser unbändige Ehrgeiz sprach sich schnell herum, die bereits beschriebenen Aktivitäten taten ihr Übriges: Immer mehr sportbegeisterte Frauen aus der Umgebung wurden auf die „Dachse“ aufmerksam. Auch der stetig wachsende Hype um den faszinierenden US-Sport half mit, gerade nach dem vergangenen Super-Bowl im Februar kamen nochmals einige Neuzugänge dazu. Doch nicht nur der Kader wird immer größer, auch das Gemeinschaftsgefühl wächst stetig.

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„Die Mannschaft zeichnet sich durch einen unglaublichen Zusammenhalt aus, auch abseits des Spielfeldes unternehmen wir viel zusammen. Das geht vom Kekse backen bis zum Freimarktsbesuch“, strahlt Höppner. Selbst von der Corona-Krise lassen sich die Damen nicht stoppen, stattdessen organisierten sie eine Einkaufshilfe für Menschen, die zur Risikogruppe zählen. „Trainieren können wir ja nicht und haben daher Zeit. Daher stand für uns außer Frage, dass wir etwas zurückgeben wollen“, erklärt Höppner das soziale Engagement.

Wenn das Schlimmste überstanden ist, soll der Fokus aber natürlich wieder auf dem Platz liegen – und da hoffen die Badgers weiterhin auf Unterstützung. „Wir freuen uns wirklich über jeden Neuzugang. Es ist völlig egal, wie jemand aussieht, ob dünn oder dick. Bei uns wird jeder gebraucht und schnell integriert“, so Höppner. Wenn noch ein paar Spielerinnen motiviert werden, dann könnte im nächsten Jahr auch der Traum vom ersten Pflichtspiel wahr werden. Noch fehlen zwar sechs Pässe, um für die zweite Bundesliga zu melden, allerdings bleibt auch noch bis Dezember Zeit.

Angesichts der momentanen Entwicklung scheint dieser Schritt keineswegs unmöglich, entscheidend für die Zukunft der Badgers-Ladies ist er aber nicht. „Natürlich ist das unser Ziel und dafür arbeiten wir. Auch vom Verein werden wir wirklich super unterstützt und ernst genommen. Wir machen uns aber keinen unnötigen Druck. Schaffen wir es nicht, dann greifen wir halt im folgenden Jahr an“, zeigt sich Höppner optimistisch. Es scheint also nur eine Frage der Zeit zu sein, bis am Moormannskamp das erste Pflichtspiel einer weiblichen American-Football-Mannschaft stattfinden wird. Das wäre dann wohl das vorläufige Happy End einer ohnehin mehr als schönen Sportgeschichte.

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