American Football

Wechsel auf der Kommandobrücke der Badgers

Es war ein extrem turbulentes Jahr für die Footballer der Ritterhude Badgers. Das war auch auf der jüngsten Hauptversammlung deutlich zu spüren. Jetzt gibt es einen neuen Vorstand - und kritische Stimmen.
10.09.2020, 10:31
Lesedauer: 2 Min
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Von JAN-HENRIK GANTZKOW
Wechsel auf der Kommandobrücke der Badgers

Früher auf dem Feld für die Badgers aktiv, jetzt für den Gesamtverein verantwortlich: Thilo Neubert.

Tobias Dohr

Ritterhude. Die letzten Monate waren für die Ritterhude Badgers wirklich mehr als turbulent: Nach einem plötzlichen Lizenzentzug mussten die American Footballer Anfang des Jahres in einem wochenlangen Rechtsstreit gegen den Verband um die Teilnahme an der Regionalliga kämpfen. Als dieses Problem gelöst schien, riss die Corona-Krise dem kleinen Verein endgültig den Boden unter den Füßen weg.

Der Lockdown und seine Folgen bedeutete für die „Dachse“ nicht nur fehlende Einnahmen und eingeschränkten Trainingsbetrieb, die erste Mannschaft verlor mit Benjamin Crljenkovic zudem auch noch ihren Headcoach sowie einige Leistungsträger. Schließlich musste im Juni auch noch die komplette Nachwuchsabteilung abgemeldet werden – zu viele Nackenschläge für die bisherigen Vorstandsmitglieder Holger Bürger und Daniel Kallen. Auf der Jahreshauptversammlung am 30. August legten der bisherige Vorsitzende Bürger und sein Vertreter ihre Ämter nach zweieinhalb Jahren Amtszeit nieder. In einer öffentlichen Mitteilung bedankten sie sich bei den Mitgliedern nochmals für die gute Zusammenarbeit und die loyale Unterstützung.

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Allerdings lässt Bürger, der beim Kampf gegen den Verband an vorderster Front stand, zum Abschied auch kritische Töne verlauten. „Wir haben wirklich unheimlich viel investiert. Durch den Rechtsstreit und die Corona-Situation gab es unzählige Herausforderungen, die Zeit und Nerven gekostet haben. Leider sind wir aber auch immer wieder gegen Wände gelaufen und an alten Strukturen gescheitert. Es war schwer, Ideen umzusetzen und den Verein neu aufzustellen“, erklärt der ehemalige Vereinschef. Eine Aussage, die seine Nachfolger trotz aller Wertschätzung so nicht unterschreiben können.

„Der alte Vorstand hat super Arbeit geleistet. Die Einschätzung, dass Ideen schwer umzusetzen sind, teilen wir aber nicht. Es gibt natürlich immer mal verschiedene Ansichten, von alten Strukturen haben wir hier bisher jedoch absolut nichts bemerkt“, sagt der neue Vorsitzende Jan Koepke, der gemeinsam mit Thilo Neubert nun an der Spitze der Badgers steht. Dass sie diese verantwortungsvolle Rolle einnehmen wollen, war für die ehemaligen Spieler schnell klar – auch weil sich beide sehr mit dem Verein verbunden fühlen.

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Nichtsdestotrotz sind sich der 30-jährige Koepke, Inhaber einer Versicherungsagentur, und Neubert (35) der großen Herausforderungen bewusst: „Football ist eine Randsportart. Ohne einen geregelten Spielbetrieb und Zuschauereinnahmen haben alle Vereine mit Abgängen und der Finanzierung zu kämpfen“, erklärt Neubert.

Trotz dieser Sorgen blickt der neue Vorstand nun hoch motiviert in die Zukunft: Neben der Suche nach einem neuen Cheftrainer für die erste Formation soll der Fokus dabei in erster Linie auf die Jugendarbeit gerichtet werden, um den Football-Standort Ritterhude wieder nachhaltig voranzubringen und zu alter Stärke zu führen. Zu diesem Zwecke wurden bereits einige US-Coaches engagiert, mit Michael Pertzsch wurde außerdem ein erfahrener Fachmann als Jugendleiter installiert. Diese Herangehensweise könnte als Blaupause für die Arbeit des neuen Vorstands dienen – die zahlreichen Anforderungen sollen als Kollektiv bewältigt werden.

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„Wir sind ein sehr offenes Team. Unser Ziel ist es, allen Mitgliedern gegenüber kommunikativ aufzutreten und den Verein auf viele Schultern zu verteilen. Jeder wird gebraucht und wir freuen uns über mögliche Hilfe“, versichert Koepke. Dieser Weg soll dem Verein nun also aus der schwierigen Situation helfen. Und wer weiß, vielleicht hilft der frische Wind auf der Kommandobrücke ja tatsächlich dabei, den Verein nach schwierigen Zeiten wieder in ruhigere Fahrwasser zu manövrieren: Es wäre nicht nur Jan Koepke und Thilo Neubert zu wünschen – sondern allen Fans der Ritterhude Badgers.

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