SG Platjenwerbe

Online-Training zwischen Couch und Fernseher

23 Frauen haben die Yogamatten ausgelegt, blicken auf den Bildschirm des Laptops und folgen den Anweisungen von Dörte Buer. Yogilates heißt das spezielle Fitnessprogramm, das die SGP anbietet.
09.02.2021, 14:29
Lesedauer: 3 Min
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Von Klaus Grunewald
Online-Training zwischen Couch und Fernseher

Sportliche Betätigung im Winter 2021 sieht in vielen Haushalten derzeit so aus. Wohn- und Kinderzimmer werden um- oder freigeräumt, damit dort ein Online-Training möglich ist.

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An einem Werktag um 18.45 Uhr: 23 Frauen haben die Yogamatten in ihren Wohnzimmern ausgelegt, blicken auf den Bildschirm des Laptops und folgen den Anweisungen von Dörte Buer. Yogilates heißt das spezielle Fitnessprogramm, das die SG Platjenwerbe (SGP) anbietet und das in den eigenen vier Wänden absolviert wird, weil das Coronavirus Training in der Halle noch immer nicht zulässt.

Seit März 2020 lähmt die Pandemie den normalen Sportbetrieb und die ausreichende Bewegung. Sie aber sei wichtig, um die Abwehrkräfte zu stärken und etwas für das psychische Wohlbefinden zu tun, wird Professor Ingo Froböse von der Sporthochschule Köln in einer Mitteilung des Bundesministeriums für Gesundheit zitiert. Deshalb nutzen auch Vereine im Norden der Hansestadt und des niedersächsischen Umlands die digitale Technik, um „Workout“ zu Hause zu betreiben. Es soll das bisherige Training in der Sporthalle oder auf dem Rasen ersetzen, sowie Herz und Kreislauf in Schwung halten.

Regelmäßig 35 bis 40 Nutzer

Yogilates nennt die Fitness-Trainerin Dörte Buer ihr Angebot. Eine Mischung aus Yoga und Pilates mit körperstraffenden und -entspannenden Elementen. Claudia Winkler und Martina Bittkow von der SG Platjenwerbe haben den Kurs kreiert, den Buer nun insgesamt zehn Mal leiten soll. Jeweils mittwochs von 18.45 bis 19.45 Uhr. Auch, um die durch Corona gestörten sozialen Kontakte mit Hilfe von Zoom zu erhalten, sagt Martina Bittkow. Für die RSG-Sportlerinnen der SG Platjenwerbe ist das Heimtraining dank der digitalen Technik nach den Worten von Übungsleiterin Sabrina Tietjen indes schon Routine. Seit dem ersten Lockdown werde es praktiziert, und zwar in allen Altersklassen von acht bis 19 Jahren und regelmäßig mit 35 bis 40 Teilnehmerinnen.

Zum Sport im Wohnzimmer rufen unter anderem auch der TV Schwanewede, der Blumenthaler Turnverein (BTV) oder der TSV Lesum-Burgdamm auf. Die Sparte Rhythmische Sport-Gymnasik beim TV Schwanewede (TVS) in allen Altersklassen von fünf bis 30 übt wöchentlich zwei Mal über Skype, teilt Linda von der Heyde mit. Nach einer Aufwärmeinheit mit Dehnung folgten Kraft- und Ausdauerübungen. Außerdem werde an Körperelementen und kleineren Gerätetechniken gearbeitet, erläutert die Spartenleiterin und ergänzt: „Anleitungen erhalten die Sportlerinnen direkt über Videochat.“

Zusätzlich zu den Trainingseinheiten, zu denen auch spezielle Videoaufträge wie das Einüben bestimmter Fangtechniken gehören, veranstaltet die Schwaneweder RSG-Sparte „kleine Wohnzimmerwettkämpfe“. Auch dabei zeigten viele Familien vollen Einsatz und räumten schon mal das Wohnzimmer leer, um der Tochter besseres Training zu ermöglichen, berichtet von der Heyde. Für alle Beteiligten gehe es schließlich auch darum, Kontakt untereinander zu halten.

Die „Tuesdance Showgruppe“ des TVS trainiert ebenfalls über Videoanruf, und die Gruppe „Dance for kids“ nutzt kleine Übungsvideos. Dennoch, eine gleichwertige Alternative zur Turnhalle ist das Skype- und Videotraining nach den Worten von Linda von der Heyde nicht. Allen fehle das gemeinsame Training, und alle fieberten darauf, das es endlich wieder losgehen dürfe.

Eine möglichst baldige Hallenöffnung wünschen sich auch die Sportlerinnen des Blumenthaler TV, wie die Abteilungsleiterin für RSG, Gymnastik, Tanz, Aerobic, Turntalentschule und Geräteturnen, Margret Gerdes, bekräftigt. Bevor es so weit ist, bietet der BTV ebenfalls Online-Training an. Und um es möglichst attraktiv zu gestalten, wird die Teilnahme mit kleinen Wettbewerben sowie mit Urkunden, Pokalen und Medaillen belohnt. Gerdes: „Die Sportlerinnen können sich mindestens zweimal die Woche sehen, gemeinsam nach Anweisung trainieren und sich natürlich auch zuwinken.“

Ebenfalls über Online-Plattformen, wie zum Beispiel Zoom, offeriert der TSV Lesum-Burgdamm aktuell Aerobic, Zumba, Pilates, spezielles Training für Osteoporose-Betroffene sowie Rhythmische Sportgymnastik. Weitere Kurse, etwa Gymnastik und Yoga, sollen nach den Worten von Turn-Abteilungsleiter Wolfgang Schlosser in Kürze folgen. Dafür werde momentan ein Übertragungsraum eingerichtet.

Turnbox fürs Heimtraining

Um den Lockdown zu überbrücken, aber auch danach von ihr zu profitieren, ist beim SV Aschwarden und Umgebung (SVA) eine besondere Idee geboren worden. Dort erhalten die aktiven Turnkinder nach Mitteilung des Vereinsvorsitzenden Uwe Hotes eine Turnbox für das Heimtraining. Sie enthält unter anderem Jonglierbänder, Springseile, Gymnastikbänder und Tennisbälle. Mit Hilfe dieser Utensilien sollen die Kinder einmal in der Woche unter Anleitung per Videoclip oder Whatsapp eine Turnstunde im Wohnzimmer absolvieren. Später, wenn wieder gemeinsames Training in der Halle möglich ist, können die Sportartikel aus der Box zum Aufwärmen vor dem Training benutzt werden. Und weil dann jedes Kind über eigene Utensilien verfüge, sei ein besonderer Hygieneeffekt gewährleistet, heißt es beim SVA.

Derweil wirbt der Niedersächsische Fußballverband bei seinen Mitgliedsvereinen für die Teilnahme an einem fußballspezifischen „Online-Fitness-Workout“. Bis einschließlich 22. Februar sollen jeweils montags ab 19 Uhr die Übungen live auf YouTube gestreamt werden. Der NFV spricht von einem Bewegungsangebot insbesondere für junge Spielerinnen und Spieler, deren körperliche Aktivitäten in den zurückliegenden Monaten stark abgenommen hätten...

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