American Football

Badgers' Drama mit Happy End

Geht es eigentlich noch spannender? Wohl kaum. In allerletzter Sekunde sicherten sich die Footballer der Ritterhude Badgers den 40:35-Sieg bei den Wolfsburg Blue Wings.
04.08.2019, 19:19
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Jan-Henrik Gantzkow
Badgers' Drama mit Happy End

Mit einem Touchdown in allerletzter Sekunde avancierte Franklin Slearer (links) zum Matchwinner für die Ritterhude Badgers.

Tobias Dohr

Ritterhude. Auf dramatischere und emotionalere Art und Weise hätten sich die American Footballer der Ritterhude Badgers nach ihrer knapp vierwöchigen Sommerpause in der Regionalliga Nord nicht zurückmelden können: Nach einem hochspannenden Spiel bei den Wolfsburg Blue Wings sahen die „Dachse“ schon wie der Verlierer aus, ehe Franklin Slearer mit einem spektakulären Touchdown in allerletzter Sekunde doch noch für den vielumjubelten 40:35-Auswärtssieg sorgte. „Ich bin schon seit vielen Jahren dabei, aber so etwas habe ich auch noch nicht erlebt. Wir sind unglaublich stolz auf das Team“, jubelte Defensive Coordinator Christian Buchholz im Anschluss an den denkwürdigen Schlussakt in der Autostadt. Zuvor lieferten sich die beiden Teams einen offenen Schlagabtausch, bei dem die Defensivreihen allerdings nicht ihren besten Tag erwischten.

Zwar gelangen Sebastian Lücker (Interception) und Thomas Vestal (Fumble) im Lauf der Partie zwei wichtige Ballgewinne, ansonsten machten sich aber die zahlreichen Ausfälle in der Verteidigung bemerkbar. „Wir sind nur mit 26 Spielern angereist. Viele Akteure mussten also auf beiden Seiten des Balles und auf ungewohnten Positionen spielen“, so Buchholz, der gerade einmal auf zwei etatmäßige Linebacker zurückgreifen konnte. Dementsprechend schwer taten sich die Gäste insbesondere mit dem starken Wolfsburger Laufspiel und rannten früh einem 0:7-Rückstand hinterher. Noch im ersten Abschnitt konnten die Hammestädter aber durch einen erfolgreichen Passversuch auf 6:7 verkürzen. Im zweiten Viertel rannte der bestens aufgelegte Quarterback Chasen Gempeler dann selbst in die Endzone, nach einer Two-Point-Conversion stand es somit 14:7 für Ritterhude. Auch im weiteren Verlauf ging es hin und her: Zunächst glichen die Gastgeber aus, noch vor dem Halbzeitpfiff kam dann aber der große Auftritt des Christian Heinke.

Der abermals bärenstarke Offensivspezialist bekam den Ball an der eigenen 10-Yard-Linie, entwischte den gegnerischen Verteidigern und lief fast über das gesamte Spielfeld zum Touchdown. So ging es mit einer 21:14-Führung in die Halbzeitpause, an Dynamik verlor die Partie aber auch in der zweiten Halbzeit nicht. Vor allem dank ihrer überragenden Offensive-Line gelang so den Badgers der nächste Touchdown. Wieder war es Spielmacher Gempeler, der einen schönen Drive erfolgreich abschloss. Die Hausherren schlugen aber umgehend zurück, verkürzten zunächst auf 22:28 und gingen kurz darauf sogar mit einem Zähler in Front. Lange freuen durften sich die Blue Wings darüber aber nicht, denn dieses Mal brauchten die „Dachse“ nicht lange für die passende Antwort: Durch starke Läufe arbeiteten sie sich bis an die 1-Yard-Linie, zum dritten Mal an diesem Tag war es dann Chasen Gempeler, der die Angriffsserie abschloss. Der ausgespielte PAT misslang aber, sodass die Wolfsburger in Reichweite blieben – und dies eiskalt ausnutzten. Auch dank einiger fragwürdiger Schiedsrichterentscheidungen marschierte die Heimformation das Feld hinunter, eine knappe Minute vor Ultimo gelang ihnen per Laufspielzug tatsächlich das 35:34.

Das Spiel schien gelaufen, doch trotz aller Ausfälle und Nackenschläge gaben die Ritterhuder nicht auf. Stattdessen sorgten sie für das wahnwitzige Ende eines echten Football-Thrillers. Christian Heinke retournierte den Kickoff bis an die Mittellinie, mit einigen kurzen Pässen arbeiteten sich die Schwarz-Gelben bis an die gegnerische 35-Yard-Linie. Allerdings tickte die Uhr schonungslos, letztlich blieb nur noch Zeit für einen einzigen Spielzug. Mit dem Mut der Verzweiflung donnerte Gempeler den Ball Richtung Endzone und fand Franklin Slearer. Ausgerechnet Slearer, der defensiv einen schweren Stand hatte, fing den Ball trotz enger Bewachung. Unter dem grenzenlosen Jubel seiner Teamgefährten kämpfte sich der US-Amerikaner hinter die Linie – und sorgte so für ein hollywoodreifes Happy End. „Die Mannschaft hat bis zum Ende gekämpft, da muss man den Hut ziehen“, strahlte Headcoach Benjamin Crljenkovic. Dieser verkündete im Anschluss überdies, dass er und nahezu der komplette Trainerstab der Badgers auch in der kommenden Spielzeit auf der Kommandobrücke stehen werden. Einen weniger positiven Abschluss hätte ein solch unglaublicher Tag aber nun auch wirklich nicht verdient gehabt.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+