Der Traum vom Spielfeld Baufirma händeringend gesucht

Seit Jahren setzen die Mitglieder der SG Platjenwerbe alle Hebel in Bewegung, eine Sportfläche vor der eigenen Haustür zu bekommen. Eine Baugenehmigung haben sie inzwischen. Nur gebaut wird immer noch nicht.
19.09.2018, 18:05
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Baufirma händeringend gesucht
Von Brigitte Lange

Ritterhude. Seit gut 20 Jahren arbeitet Lüder Hoppe als Landschaftsarchitekt. So manches Sportstadion hat er in der Zeit geplant. Aber das, was gerade in Ritterhude passiere, habe er in der Branche noch nicht erlebt: Die Sportgemeinschaft Platjenwerbe findet keine Firma, die ihr eine Multifunktionsfläche hinterm Dorfgemeinschaftshaus in Platjenwerbe bauen will. Auf die Ausschreibungen kamen keine, auf direkte Ansprache zwei – um wohl 80 Prozent überteuerte – Angebote. „Bei den Angeboten war klar, dass die Firmen die Aufträge gar nicht haben wollten“, meint die Vorsitzende der SG Platjenwerbe Susanne Struckhoff. Auch Lüder Hoppe spricht von Abwehrangeboten.

„Viele Faktoren greifen da ineinander“, versucht sich Hoppe in einer Erklärung. Ein Aspekt, der schwerer wiegt, ist die verhältnismäßig geringe Größe des Platzes von 55 mal 35 Metern. Für große Firmen zu klein, meint der Landschaftsarchitekt. Und kleine Firmen, die sich auf den Bau von Spielflächen spezialisiert haben, gebe es kaum noch. Der Grund: „18 Jahre haben die Kommunen im Elbe-Weser-Raum nicht in ihre Sportanlagen investiert; die spezialisierten Betriebe haben sich umorientiert.“ Viele hätten das Know-how verloren. Würden sie sich nun erstmals wieder an einem Sportplatz versuchen, würden sie unweigerlich Fehler machen, das bleibe nicht aus. Auf neues Terrain könne sich nur eine Firma wagen, die Geld auf der hohen Kante liegen habe. „Die trauen sich einfach nicht“, sagt Hoppe und findet, das sei auch verständlich.

Hinzu kommt, dass auch die größeren Baufirmen mit entsprechenden Kenntnissen gerade derart gut ausgelastet sind, dass sie sich für den verhältnismäßig kleinen Fisch aus Platjenwerbe nicht interessieren. Die Bundesregierung hat nämlich just einen Fördertopf für Sportanlagen eingerichtet. Darauf würden sich nun alle Kommunen stürzen. Unter anderem hat auch die Gemeinde Ritterhude einen Antrag auf Fördermittel aus diesem Topf für das Stadion am Moormannskamp gestellt.

Für den Fall, dass sie bei dem enormen Andrang an Interessenten leer ausgehen sollte, hat die Verwaltung der Hamme-Gemeinde parallel noch einen weiteren Antrag auf entsprechende Fördermittel aus einem sogenannte Zile-Topf gestellt. Der erlebt gerade eine Neuauflage, da der erste inzwischen überzeichnet sei, berichtet Marquardt. Die Ritterhuder hoffen, dass sie – sollte es mit den Mitteln vom Bund nicht klappen – wenigstens mit dem zweiten Zile-Programm ihr Ziel erreichen.

Leidtragende dieses Booms sind die Sportler in Platjenwerbe. Nicht nur, dass sich keine Firma findet, die sich für das gesamte Projekt interessiert. Von den anstehenden Baumaßnahmen hat sich auch noch eine als besonders knifflig herausgestellt: die Arbeiten mit Kunststoff. „Unser altes, aus den 70er-Jahren stammendes Kleinspielfeld muss für das neue Multifunktionsfeld verkleinert werden“, erklärt Struckhoff. Das Kleinspielfeld ist jedoch aus Kunststoff. Die durch die Abtrennung verursachte „Schnittstelle“ muss fachgerecht geschlossen, die Übergänge müssen dicht sein; sonst dringe Wasser ein und die Anlage würde mit der Zeit zerstört.

Hoppe spricht von Flickwerk. Schnell gemacht ist der Job nicht. Wieder gibt es kaum Firmen mit dem nötigen Fachwissen. Ein Kunststoffbauer, der geeignet wäre, habe 2017 zu viele Aufträge an Land gezogen, sitze noch daran, diese abzuarbeiten. „Die Wartezeit beträgt aktuell eineinhalb Jahre“, so Lüder Hoppe. Aber ohne die Kunststoffarbeiten kann das Multifunktionsfeld nicht gebaut werden. „Ich habe viel Zeit in dieses Projekt investiert; ich wäre froh, könnte ich es noch in diesem Jahr abschließen“, versichert der Landschaftsarchitekt. Dazu wird es nicht kommen. „Und was 2019 wird, kann ich nicht sagen.“ Auch Ute Marquardt meint: „Wir können nur warten.“ Eine Firma gebe es noch; eine, die zugesagt habe, ein Angebot abzugeben. Auf ihr liegen die Hoffnungen der Sportler, des Architekten und der Verwaltung. „Normalerweise wäre das Feld lange fertig“, sagt Susanne Struckhoff. Die nötige Baugenehmigung liege schließlich vor. Allerdings sei geplant gewesen, dass die in Platjenwerbe anstehenden Baumaßnahmen an dem Dorfgemeinschaftshaus, der Kindertagesstätte, den Außenanlagen der Kita und dem benachbarten Schulhof sowie am Multifunktionsfeld ineinandergreifen. Eine große Baustelle sollte es werden. Die Laufbahn der Leichtathleten wurde daher bei der Kita-Erweiterung auch als Baustraße genutzt. Auf eine dicke Schicht aus Sand zum Schutz der Bahn wurde verzichtet. „Die ist jetzt komplett hinüber“, so die SG-Voristzende. Was eigentlich kein Problem ist: Die Laufbahn sollte ohnehin komplett neu gemacht werden. Aber erst, wenn die neue Sportfläche fertig ist. Bis dahin hat es keinen Sinn, Hand an die Bahn zu legen. „Unsere Leichtathleten pendeln schon seit zwei Jahren nach Ritterhude“, bemerkt Struckhoff. Für die ehrenamtlichen Gruppenleiter eine enorme Belastung.

Bis zur Jahreshauptversammlung im Februar 2019 hofft Susanne Struckhoff, Klarheit über das Bauprojekt zu haben. Sie hofft, dass bis dahin eine Firma gefunden ist. Wenn nicht, hätte die Sportgemeinschaft 20 000 Euro für die Planungen in den Sand gesetzt, die Gemeinde müsste die Laufbahn wieder herstellen und die Restanlage in Platjenwerbe sanieren, um den Status quo wieder herzustellen. Nur, so Struckhoff: „Eine Sportstätte würde uns dann immer noch fehlen.“

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